Ein Husarenritt auf allerhöchster Ebene

Sport / 04.04.2020 • 17:07 Uhr
Ein Husarenritt auf allerhöchster Ebene
Conny Wilczynski warf zwölf Tore und verwandelte den Siebenmeter zum 32:31-Endstand. VN/GMEINER

Bregenzer Handballer feierten vor 15 Jahren 32:31-Heimsieg in Königsklasse gegen Starensemble von Magdeburg.

Bregenz Gigantisch, unbeschreiblich, einfach phänomenal – Bregenz zwingt Magdeburg in der Champions League in die Knie! Wenn Roland Schlinger an den 12. November 2005 denkt, gerät nicht nur der einstige Bomber der Nation ins Schwärmen. „Selbst 15 Jahre später bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich an dieses Spiel denke. Es war meiner Meinung nach mit Abstand das beste Spiel in der Geschichte von Bregenz Handball. Ich werde mir die Partie ganz sicher mit Genuss ansehen.“

Ein Husarenritt auf allerhöchster Ebene
Schlagwurf von Bregenz-Spielertrainer Dagur Sigurdsson, den sein isländischer Landsmann Sigfus Sigurdsson versucht zu blocken. VN/Gmeiner

Die Ausgangslage des Duells David gegen Goliath zum Abschluss der Gruppenphase in der Champions League war klar: Während Bregenz nach fünf Niederlagen nichts mehr zu verlieren hatte, ging es für das Starensemble von Coach Alfred Gislason darum, mit einem Remis die Qualifikation als Erster zu beenden.
Bereits vier Tage zuvor waren alle Karten vergeben und die Handballarena Rieden war sprichwörtlich bis auf den letzten Flecken unter der Hallendecke belegt.

„Man wird es mir nicht glauben,

aber ich habe das Spiel noch

nie in voller Länge gesehen.“

Conny Wilczynski

Die 2000 Handballfans bekamen einen Leckerbissen geboten, der bis heute unerreicht ist. Die von Erfolgscoach Dagur Sigurdsson angeführten Hausherren spielten sich von der ersten Sekunde an in einen wahren Spielrausch. Besonders Roli Schlinger und Conny Wilczynski durften sich im Spiel des Jahres über einen absoluten Sahnetag freuen und hatten maßgeblichen Anteil daran, dass Bregenz im Verlauf der gesamten Partie nur ein einziges Mal in der 54. Minute mit 27:28 in Rückstand geriet. Egal, was Superstar Stefan Kretzschmar und Co. an diesem Abend versuchten – Bregenz fand stets die richtige Antwort. Nikola Marinovic erwies sich als Bollwerk im Tor, Kapitän Gregor Günther und Kreisläufer Mario Bjelis lieferten einen perfekten Job in der Abwehr ab, und Dagur Sigurdsson zog zum Leidwesen seines ehemalige Nationalteamkollegen Alfred Gislason in beeindruckender Manie die Fäden im Angriff, brachte seine Nebenleute perfekt in Position und glänzte mit Distanzwürfen und insgesamt fünf Treffern.

Ein Husarenritt auf allerhöchster Ebene
Roli Schlinger agierte überragend und erzielte zehn Treffer. VN/Gmeiner

Besonders gegen die Granaten von Schlinger und die variantenreichen Würfe von Wilczynski auf der linken und Michael Knauth auf der rechten Außenposition fanden die Magdeburg-Recken im Verbund mit dem Torhüterduo Johannes Bitter und Silvio Heinvetter kein profundes Rezept.

Emotionaler Höhepunkt des Abends, abgesehen von den Feierlichkeiten bis in die Morgenstunden, war die letzte Aktion, als die Spielzeit bereits abgelaufen war. Nach einem Foul von Oliver Roggisch an Bjelis versenke Wilczynski den Siebenmeter bombensicher zum verdienten 32:31-Siegestreffer und sorgte im Handball-Krimi für ein gelb-schwarzes Happy End. Wilczynski: „Ich habe gefühlsmäßig schon 1000 Mal über meine Gedanken bei der letzten Aktion geredet oder über diese Partie gesprochen. Man wird es mir nicht glauben, aber das Video der gesamten Partie habe noch nie gesehen und freue mich deshalb ganz besonders auf die Ausstrahlung.“

Spielbeginn um 17 Uhr auf ORF Sport+

In Erinnerung an den größten Erfolg in der Klubgeschichte des aktuellen ÖHB-Rekordtitelträgers wird der Handball-Krimi heute ab 17 Uhr in ORF Sport+ nochmals in Orginalton ausgestrahlt. Im Internet unter www.bregenz-handball.at verkauft der Verein unter #SupportYourTeam virtuelle Tickets, Getränke und Fanschals für das Spiel. Erworbene Tickets und Bons für Getränke oder Merchandisingartikel können zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen eines realen Spiels in der Handballarena Rieden eingelöst werden.

Handball Champions League 2005/06

Gruppenphase, 6. und letzter Spieltag

Bregenz Handball – SC Magdeburg 32:31 (16:14)

Handballarena Rieden, 2000 Zuschauer, SR Argyrou/Loizou (CYP)
Zweiminutenstrafen: 3 bzw. 6

Die Torfolge, 1. Halbzeit: 1. 1:0, 2. 1:1, 2. 2:1, 2. 2:2, 3. 3:2, 4. 3:3, 3. 4:3, 5. 5:3, 5. 6:3, 6. 6:4, 7. 7:4, 8. 7:5 (SM), 12. 8:5, 12. 9:5, 13. 10:5, 16. 11:5, 18. 11:6, 19. 11:7, 20. 12:7, 20. 12:8, 21. 12:9, 21. 13:9, 22. 13:10, 24. 13:11, 24. 14:11, 25. 14:12, 26. 15:12, 26. 16:12, 27. 16:13, 29. 16:14

2. Halbzeit: 31. 17:14, 32. 18:14, 33. 18:15, 34. 18:16, 34. 19:16, 35. 19:17, 36. 20:17, 36. 20:18, 37. 20:19, 39. 20:20, 39. 21:20, 40. 21:21, 40. 22:21, 42. 23:21 (SM), 42. 23:22, 43. 23:23, 44. 24:23 (SM), 45. 24:24, 46. 25:24 (SM), 48. 25:25, 49. 26:25, 50. 26:26, 51. 27:26, 51. 27:27, 54. 27:28 (SM), 55. 28:28, 55. 29:28 (SM), 56. 29:29, 58. 30:29, 58. 30:30, 58. 31:30 (SM), 60. 31:31, 60. 32:31 (SM)

Bregenz Handball: Marinovic (1. bis 40./21:21 und ab 44./23:23), Winkler (41. bis 43.); Tonko, Bjelis, Sigurdsson 5, Schlinger 10, Varga 1, Wilczynski 12/6, Djukic, Knauth 4, Grissmann, Radojicic, Klement, Gregor Günther

SC Magdeburg: Bitter (1. bis 25./16:12 und ab 31./16:14), Heinevetter (26. bis 30.); Roggisch, Tkaczyk 5, Bielecki 3, Sprenger 3, Theuerkauf 1, Stiebler, Grafenhorst, Atlason, Kuleschow 4, Vugrinec 6/2, Sigurdsson 1, Kretzschmar 8