Gold bei den Junioren ist keine Erfolgsgarantie
Nach dem Ski-Weltcup finden in Bansko die Junioren-Weltmeisterschaften statt. Die Bedingungen sind perfekt wie beim Weltcup in der Vorwoche. Mit einem Weltmeistertitel im Riesenslalom sowie einer Silber-Medaille im Super-G durch Lukas Feurstein war Vorarlberg äußerst erfolgreich. Die Mädchen legten durch Magdalena Kappaurer und Magdalena Egger im Super-G mit Silber und Bronze nach.
Ist ein Junioren-WM-Titel aber eine Garantie dafür, dass es später auch Gold regnet bei den „Großen“?
Laut Statistik aus den letzten 40 Jahren findet man wirklich alle großen Namen unter den Junioren-Weltmeistern. Rudi Nierlich, Günther Mader, Kjetil Andre Aamodt, Benjamin Raich, Marcel Hirscher, Henrik Kristoffersen, Beat Feuz, Marco Odermatt, Maria Riesch, Anna Veith, Julia Mancuso u. v. m. Alle wurden sie höchst erfolgreiche Weltcupfahrer.
Einige Athleten haben im Juniorenalter aber nie gewonnen wie etwa Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud oder Dominik Paris. Sie konnten gleichwohl später reüssieren, obwohl sie zuvor bei den Juniorenweltmeisterschaften keinen Titel holen konnten.
Als Kontrast findet man auch viele Junioren-Weltmeister, von denen später im Weltcup nichts mehr gesehen und gehört wurde. Darunter sind leider auch Vorarlberger Namen zu finden. Doch was sind die Gründe solcher Abstürze, wenn die Voraussetzungen im Vorfeld so brillant waren?
Bei den Juniorenrennen in Bansko habe ich letzte Woche Folgendes beobachtet: Das skifahrerische Niveau ist doch noch ziemlich weit weg vom Weltcup-Niveau. Und das in allen Disziplinen. Es gab zwar in der Vergangenheit immer wieder Athleten, die bald nach dem Juniorenerfolg auch im Weltcup brillieren konnten, doch das gelang nur einer Handvoll – wie Aamodt, Lasse Kjus oder Hirscher.
Die meisten müssen das richtig harte Training erst nach den Titelgewinnen bei den Junioren starten. Denn: Wer sich mit dem kleinen Gold schon als Sieger bei den Großen wähnt, ist zum Scheitern verurteilt.
Zu meiner Zeit gab es noch keine WM, sondern nur Jugend-Europameisterschaften. Auch ich gehörte 1979 in Achenkirch zu den Verlierern bei diesem Ereignis und blickte neidvoll auf die großen Dominatoren Christian Orlainsky, Ernst Hinterseer und Joel Gaspoz.
Ich wünsche Lukas Feurstein, aber auch Magdalena Kappaurer und Magdalena Egger für ihre weiteren Karrieren viel Erfolg und hoffe, dass ihre Namen auch in Zukunft am Skihimmel glänzen werden.
„Wer sich mit dem kleinen Gold schon als Sieger bei den Großen wähnt, ist zum Scheitern verurteilt.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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