Karate-Lady Bettina Plank erhielt Olympiastartplatz

Sport / 15.06.2021 • 22:00 Uhr
Karate-Lady Bettina Plank erhielt Olympiastartplatz
Der bahnbrechende Erfolg: Mit einem 5:1-Finalsieg über die Welranglistenerste Serap Ozcelik Arapoglu holte sich Bettina Plank im Juni 2019 Gold bei den Europaspielen 2019 in Minsk. EPA

Triumph bei Europaspielen als Türöffner für Tokio.

Feldkirch Nach dem vorzeitigen Aus beim letzten Qualifikationsturnier in Paris schien der große sportliche Traum geplatzt. Drei Tage nach der Enttäuschung folgte aber die grenzenlose Euphorie: „Ich durchlebe gerade eine Achterbahnfahrt an Gefühlen und kann die ganzen Eindrücke und Geschehnisse gar nicht richtig realisieren.“ Karate-Lady Bettina Plank aus Feldkirch erhielt vom Weltverband den kontinentalen Startplatz für die Sommerspiele im Tokio zugesprochen und wird bei der Olympiapremiere des Karatesports die Farben Österreichs in der 55-kg-Klasse vertreten.

„Ich habe das Thema Olympia in Tokio eigentlich schon abgehakt,
freue mich aber trotzdem riesig über den Startplatz.“

Bettina Plank, Olympiastarterin im Karate

„Eigentlich hab ich nach dem Aus in Paris das Thema Olympia gedanklich schon abgehakt. Ich wollte nach den turbulentesten und psychisch herausfordernsten Monaten überhaupt in meiner Sportlerkarriere einfach nur den Kopf freibekommen und habe bereits an einen Urlaub in Vorarlberg gedacht. Jetzt hat sich schlagartig das Blatt wieder geändert. Obwohl es im Moment noch unrealistisch erscheint, hat sich mein großer Traum nun doch noch erfüllt und ich bin unsagbar froh und glücklich darüber“, frohlockte die 29-jährige HLSZ-Sportsoldatin.

Goldene 2019 macht sich doppelt bezahlt

Wesentlicher Faktor für den Erhalt des Olympiatickets waren die großen Erfolge von Plank in den letzten Jahren. Neben WM-Bronze 2018 und EM-Silber 2019 war es am Ende die Goldmedaille bei den Europaspielen 2019 in Minsk, die sich als Türöffner nach Tokio erwies. „In den letzten Monaten haben Nationaltrainer Juan Luis Benitez Cardenes und Karate-Austria-Geschäftsführer Ewald Roth immer wieder Hochrechnungen angestellt und betont, dass sich der Triumph in Minsk rückblickend doppelt bezahlt machen könnte und ich eigentlich die einzige Kämpferin bin, die für den zusätzlichen Europastartplatz in Tokio infrage kommt. Ich wollte die Dinge alle nicht glauben, um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen. Doch jetzt ist es genau so gekommen, ich bin einfach unbeschreiblich glücklich darüber und dafür gefühlsmäßig am absoluten Limit, bis ich alles einorden kann. Doch dies soll das geringste Problem sein in den nächsten Tagen. Diese Last trage ich gerne und stolz auf meinen Schultern.“

Den Rucksack abgelegt

Die hartnäckige Pechsträhne seit Jahresbeginn will Plank nun aus ihren Gedanken streichen. „Natürlich haben die Misserfolge 2021 an meinem Selbstvertrauen gekratzt. Deshalb sehe ich mich in Tokio als Außenseiterin, was eventuell sogar ein Vorteil sein könnte. Der Rucksack, mir meinen sportlichen Traum zu erfüllen, ist durch die Nominierung weg. Ich habe nichts zu verlieren, will diese vielleicht einmalige Chance nützen und in Tokio das bestmögliche Resultat für mich persönlich und Österreich erkämpfen.“

Hämmerle, Bildstein/Hussl und Oswald auch dabei

Die Olympischen Sommerspiele 2020 (offiziell Spiele der XXXII. Olympiade) sollen vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 in Tokio stattfinden. Ursprünglich sollten sie vom 24. Juli bis 9. August 2020 abgehalten werden, doch wegen der sich ab dem Frühjahr 2020 ausbreitenden Coronapandemie wurden sie um fast genau ein Jahr verschoben. Damit wurden erstmals Olympische Sommerspiele außerhalb des üblichen Vier-Jahres-Rhythmus angesetzt. Sie sollen pandemiebedingt ohne ausländische Zuschauer, Angehörige von Athleten und mit wenigen Volunteers stattfinden. Die japanische Hauptstadt trug bereits 1964 die Sommerspiele aus. Auch 1940 war Tokio für die Austragung der Spiele vorgesehen, musste sie aber nach dem Ausbruch des japanisch-chinesischen Kriegs am 16. Juli 1938 an das IOC zurückgeben. Darüber hinaus bewarb sich die Stadt erfolglos um die Sommerspiele 1960 und 2016.

Aus Vorarlberger Sicht sind aktuell Kunstturnerin Elisa Hämmerle, das 49er-Segelduo Benjamin Bildstein mit Vorschoter David Hussl und Tennis-Doppelspezialist Philipp Oswald für Tokio nominiert.