Corona und die NFL: Anpassung um jeden Preis

Sport / 20.01.2022 • 17:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Corona und die NFL: Anpassung um jeden Preis
In den Stadien der National-Football-League-Klubs ist Corona kein Thema. Die Fans sind mehrheitlich ohne Masken zu sehen. afp

Wenn Spiele des Geldes willen stattzufinden haben.

Schwarzach Wer dieser Tage über eine Übertragung einer Sportveranstaltung in Nordamerika gestolpert ist, der wähnt sich als europäischer Sportfan im falschen Film. Sportstätten, die zum Bersten gefüllt sind? An der Tagesordnung. Mund- und Nasenschutz?

Mehrheitlich nicht vorhanden. Abstandsregeln? Reine Makulatur. Hierzulande kämpfen die Sportligen darum, wenigstens ein paar Hundert Anhängerinnen und Anhänger vor Ort unterhalten zu dürfen, vereinzelt geht damit auch gleich der Kampf ums wirtschaftliche Überleben einher. Klar, dass die bis auf den letzten Platz gefüllten Stadien und Arenen jenseits des Atlantiks Begehrlichkeiten wecken. Fans sind dort aber oftmals nur auszupressende Geldzitronen. Das Virus auf den Rängen? Hiernach vernachlässigbar. Moralisch problematisch, aber finanziell einträglich.

Neues Jahr, neues Protokoll

Inwiefern wirtschaftliches Kalkül in der National Football League (NFL) über allem steht, das durfte ich bereits vor einer Woche an dieser Stelle ausführen. Dass dies natürlich ebenso auf den NFL-Umgang mit der Covid-19-Pandemie zutrifft, dürfte entsprechend wenig überraschen. Wie flexibel die Liga im Umgang mit dem Virus ist, war gerade erst Ende Dezember zu bewundern. Nachdem binnen weniger Tage über 100 größtenteils geimpfte Spieler positiv auf das Virus getestet wurden und die NFL Gefahr lief mit dem bestehenden Regelwerk namens „covid-19 protocols“ Spiele entweder im großen Umfang verschieben oder aufgrund zahlreicher (Star-)Spielerabsenzen Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen, wurde kurzerhand einfach das Regelwerk adaptiert. Zum Verständnis: Es hilft, wenn man sich – so wie die NFL – als eigenständige Sportentität selbst reguliert, von keinem lästigen Weltverband an die Kandare genommen werden kann oder vor politischen Entscheidungen zittern muss. Für Letztgenanntes ist die pure Finanzpotenz der NFL immer noch zu abschreckend, doch mehr dazu in den kommenden Wochen in den VN.


Jedenfalls müssen seit der Adaptierung der Corona-Regeln geimpfte und ungeimpfte Spieler nurmehr fünf Tage in Quarantäne, wenn sie asymptomatisch sind. Wo Ungeimpfte zuvor teils empfindliche Einschnitte in die Tages-Abläufe hinnehmen mussten, wurden sie Geimpften damit über Nacht de facto gleichgestellt. Die Rechnung der NFL ist simpel: je mehr und je länger Spieler ausfallen, desto weniger Qualität auf dem Spielfeld. Und diese gilt es bis zuletzt zu schützen. Nicht etwa die Spieler-Gesundheit inklusive aller mit Corona einhergehenden Langzeitfolgen. Ein schaler Beigeschmack, der nicht gemildert wird, wenn man bedenkt, dass die Spielergewerkschaft dem neuen Regelwerk zustimmen musste. Der Kuchen ist letztlich zu groß, als dass man es sich leisten will, Liga-Jahreseinnahmen von fast elf Milliarden Euro nicht untereinander zu verteilen. Kurzum: Wäre das Virus so skrupellos und anpassungsfähig wie die NFL, es würden uns wohl in noch kürzeren Abständen Super-Mutanten um die Ohren jagen als ohnehin schon.

Divisional Play-offs

Die zweite Runde der NFL-Play-offs mit dem wenig aussagekräftigen Namen „Divisional Play-offs“ beschert für gewöhnlich die qualitativ besten Spiele der Saison. In den Halbfinals der beiden NFL-Conferences AFC und NFC dominieren in der Regel die Heimteams, denn die Gastgeber konnten in den letzten vier Jahren in 13 von 16 Fällen (bzw. über 81 Prozent) ihre Auftritte siegreich gestalten konnten. Mit Tennessee (AFC) und Green Bay (NFC) greifen zudem die jeweils höchstgereihten Teams nach der „regular season“ erstmals in den Kampf um die Vince Lombardi-Trophy ein. Beide Teams hatten in der vergangenen Woche spielfrei und werden bei den Buchmachern als Favoriten auf den Einzug in Play-off-Runde 3 vulgo „Championship Games“ geführt. Alle vier Wochenendbegegnungen sind live auf PULS 4 bzw. PULS 24, Pro Sieben oder DAZN zu sehen.