Chinesische Glücksnummer
Die Nummer 13 scheint in China Glück zu bringen. Beat Feuz gewinnt am Montag mit ihr Gold und Matthias Mayer gestern im Super-G. Und was für ein Sieg das war, der mit seiner Leistung in der Abfahrt schon fast vorangekündigt war.
Trotzdem dachte ich zuerst, dass Aleksander Aamodt Kilde die Sache entschieden hat. Anders wie in der Abfahrt war er sehr kompakt und eng an den Toren, wie man es von seinen Siegesfahrten her gewohnt war. Doch schon sein Landsmann Adrian Smiseth Seyerstedt zeigte, dass die Fahrt von Kilde nicht das Maß aller Dinge war.
Furchtlos attackiert
Dann stand Mayer am Start, und ich erlebte eine kleine Schrecksekunde, als er fast durch die Startschranke glitt und nur mit einem Reflex das vorzeitige Auslösen der Zeit verhindern konnte. Der Kärntner sprach auch später im Ziel über diesen Vorfall, der ihm alles gekostet hätte. Doch heute war sein Glückstag. Mit dem Elan und der Risikobereitschaft aus der Abfahrt attackierte er furchtlos diesen technisch anspruchsvollen und kräfteraubenden Super-G. Fehlerlos und absolut am Limit meisterte er alle Passagen perfekt. Die grossen Rivalen aus der Schweiz, Marco Odermatt und Feuz, schlugen sich heute selbst und schieden aus. Wobei Odermatt sicherlich eine gute Chance auf eine Medaille hatte, lag er doch bei seinem Ausfall vor dem Flachstück minimal vor Mayer.
Das Rennen war aber noch lange nicht vorbei. Denn ein Amerikaner, den niemand auf der Liste hatte, war auf dem Weg zur Sensation. Man weiß es aus der Vergangenheit, dass die Amis bei Großanlässen immer einen Trumpf haben. Bill Johnson 1984, Tommy Moe 1994, Andrew Weibrecht 2010 und 2014. Leute die aus dem Nichts an die Spitze stoßen.
So war es gestern mit Ryan Cochran-Siegle. Bis zur letzten Zwischenzeit noch deutlich vor Mayer, nahm er die Stöcke im Flachen ein-, zweimal zu oft raus und das kostete ihn den Sieg um vier Hundertstel. Trotzdem dürfte er mit Silber zufrieden sein und seine Medaille nun neben die Goldmedaille seiner Mutter Barbara Cochran aus Sapporo 1972 in den Trophäen-Schrank legen.
Mayer ist mit dem dritten Gold plus Bronze nun erfolgreicher als Toni Sailer. Ein Mann, der nie aufgehört hatte für den Erfolg zu Kämpfen. Ein Vorbild für uns alle.
„Matthias Mayer ist ein Mann, der nie aufgehört hatte für den Erfolg zu kämpfen. Ein Vorbild für uns alle.“
Marc Girardelli
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Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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