Ein Dank an die ganze Skifamilie

Sport / 18.02.2022 • 22:15 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Besondere Ehre für Johannes Strolz: Der Warther wurde für die Schlussfeier der Olympischen Spiele in Peking als Fahnenträger der österreichischen Delegation auserkoren. Vater Hubert bedankte sich bei den Gratulanten.gepa, Strauss
Besondere Ehre für Johannes Strolz: Der Warther wurde für die Schlussfeier der Olympischen Spiele in Peking als Fahnenträger der österreichischen Delegation auserkoren. Vater Hubert bedankte sich bei den Gratulanten.gepa, Strauss

Im Augenblick des Triumphs lässt Hubert Strolz den unglaublichen Weg dahin Revue passieren.

WArth „Es ist einfach Wahnsinn, was sich da in so kurzer Zeit abgespielt hat, was sich im Leben von Hannes und in unserer Familie veränderte . . .“, fasst der stolze Papa Hubert Strolz das unglaubliche Skimärchen, das sein Sohn Johannes in Peking geschrieben hat, fast ungläubig zusammen. Schon nach dem Kombi-Sieg ging es im Haus Hubertus in Warth rund, die Silbermedaille im Slalom toppte nur ein paar Tage später die Partystimmung noch. Stundenlang hat er sich bei den vielen Gratulanten bedankt und seinen Emotionen freien Lauf gelassen. Er kam bei Fotoshootings allen Wünschen der Fotografen nach, beantwortete in Interviews geduldig zahllose Fragen – jetzt gönnte er sich in einem Nebenzimmer seiner Pension Hubertus ein paar Minuten, um herunterzukommen, durchzuatmen und zu verarbeiten, was da Tausende Kilometer entfernt passiert ist. Im Gespräch mit den VN erläutert er dann, was Johannes meinte, als er sich in Peking vor laufenden Kameras bei so vielen bedankte.

Ein berührender Moment

Seine Familie und das private Umfeld sind natürlich das Wichtigste, aber es seien so viele andere, die er namentlich gar nicht anführen konnte, obwohl sie es verdient hätten, gibt Hubert Strolz zu bedenken. Einer davon ist Linus Strasser – knapp zwei Monate jünger als Hannes Strolz –, dem Hubert Strolz einen berührenden Moment verdankt: „Als Johannes bei der Siegerehrung in Adelboden neben dem zweitplatzierten Linus stand, da wurde mir bewusst, wie wichtig und wertvoll die gemeinsamen Trainingseinheiten mit dem Kollegen und dem deutschen Team waren – und jetzt standen Hannes und Linus auch gemeinsam auf dem Podest.“

So einfach ist es nicht

Es sage sich so leicht, dass ein Läufer, der seine Kaderzugehörigkeit verloren hat, „auf eigene Kosten mittrainieren darf“. Solange man mit den Kollegen im ÖSV trainiere, sei es ja noch einigermaßen problemlos zu organisieren. Es komme dabei aber auch immer wieder vor, dass Trainingseinheiten bei anderen Skiverbänden absolviert werden. „Das ist dann nicht mehr so einfach – und schon gar nicht selbstverständlich“, gibt Hubert Strolz zu bedenken, denn es gehe nicht nur darum, dass man „einfach so dabei sei“, es müsse auch die Chemie stimmen, der „Trainingsgast“ müsse akzeptiert und aufgenommen sein. Wenn Training etwas bringen soll, dann müssen Konkurrenten Freunde werden, ist Papa Hubert überzeugt, und „deshalb habe ich mich unglaublich gefreut, als Hannes und Linus nach gemeinsamen Trainingseinheiten in der Vorbereitung dann Monate später in Adelboden gemeinsam auf dem Podest standen.“

Bis in den Hohen Norden

Doch nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft suchte und fand Johannes Gelegenheit zum Mittrainieren: „Seit zwei Jahren gibt es die größte und modernste Skihalle der Welt in Oslo“, erzählt Hubert. Natürlich haben er und Sohn Johannes auch hier die Möglichkeiten ausgelotet, in Norwegen mittrainieren zu dürfen. „Es ist eine faszinierende Halle mit idealen Trainingsmöglichkeiten“, schwärmt der Olympiasieger von Calgary. Drei bis zu 500 Meter lange Alpinpisten mit 80 Meter Höhenunterschied – die höchste Differenz für Indoor-Anlagen – und dazu noch in einer zweiten Ebene eine Langlaufloipe mit bis zu 1500 Metern (!) Länge. „Einfach ideal, und auch hier bekamen wir die Chance zum Mittrainieren“, ist Hubert Strolz dankbar, dass Johannes als kaderloser Einzelkämpfer auch in Norwegen willkommen war.

Déjà-vu bei Olympia

Training in Oslo war schon im Vorfeld eine logistische Herausforderung: Flug und Unterkunft waren zu organisieren, ebenso der Materialtransport. Damit das Training etwas bringt, mussten auch Umfeld, Hilfe und Unterstützung passen. Es hat auch in Norwegen gepasst – wie jetzt die unglaublichen Erfolge bestätigen. Und so wie im Fall Linus Strasser in Adelboden, gab es auch mit den Norwegern in Peking ein „Wiedersehen auf dem Podest“: Aleksander Aamodt Kilde, gerade mal neun Tage jünger als Johannes, stand als Zweiter der Kombination mit dem Warther bei der Medaillenvergabe auf dem Podest, und ein paar Tage später das gleiche Szenario mit Sebastian Foss Solevag, Bronzemedaillen-Gewinner hinter Strolz im Olympia-Slalom.

Aber nicht nur auf die Hilfe von Konkurrenten aus anderen Verbänden konnte Strolz zählen, auch die ÖSV-Kollegen halfen tatkräftig: „Es ist nicht nur einzigartig, sondern auch fast unglaublich, dass Johannes den Abfahrtski von Matthias Mayer bekommen hat“, betont Strolz. Aus Erfahrung wisse er, dass man einen Ski, mit dem man Erfolg hatte und zu dem man größtes Vertrauen hat, nicht einfach so verleiht – auf die Gefahr hin, dass das Gerät eventuell bei einem Sturz zerstört wird.

Spitze des Eisbergs

Es sind, so Hubert Strolz, nur drei spezielle Beispiele dafür, wie Johannes auch wichtige Unterstützung und Hilfe von Konkurrenten bekam. Gleichsam die Spitze des Eisbergs, denn viele andere haben ebenso dazu beigetragen, dass Johannes Strolz mit Gold und Silber ein Olympia-Märchen schreiben konnte. Der schwierige, aber letztlich erfolgreiche Weg der Vorbereitung als kaderloser Läufer habe eindrucksvoll bestätigt: Konkurrenten sind abseits der Rennpisten echte Freunde, und deshalb gelte auch der Dank der ganzen Skifamilie, hält Hubert Strolz dankbar fest. STP

„Es ist einfach Wahnsinn, was sich da in so kurzer Zeit abgespielt hat.“

Besondere Ehre für Johannes Strolz: Der Warther wurde für die Schlussfeier der Olympischen Spiele in Peking als Fahnenträger der österreichischen Delegation auserkoren. Vater Hubert bedankte sich bei den Gratulanten.gepa, Strauss
Besondere Ehre für Johannes Strolz: Der Warther wurde für die Schlussfeier der Olympischen Spiele in Peking als Fahnenträger der österreichischen Delegation auserkoren. Vater Hubert bedankte sich bei den Gratulanten.gepa, Strauss