Mixed Zone mit Egon Theiner: Der Bach fehlt und fehlt nicht

Sport / 20.02.2022 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Bach musste einer Appartementanlage weichen. <span class="copyright">Theiner</span>
Der Bach musste einer Appartementanlage weichen. Theiner

Etwas fehlt. Wenn man aus Mitteleuropa kommt und in das kurze Seitental fährt, an dessen Ende der Zhangjiakou Genting Snow Park liegt, dann fällt auf, dass etwas fehlt: der Bach, das Wasser. Das gesamte Gebiet rund 200 Kilometer nördlich von Peking, in dem Medaillen in diversen Sportarten – Biathlon, Skispringen, Skilanglauf, Nordische Kombination, Snowboard, Ski Freestyle – vergeben werden, ist grundsätzlich karg und trocken. Es zählt zu den ärmsten Gebieten Chinas, der Wintertourismus erlebt allerdings einen stetigen jährlichen Aufschwung, seit die Olympischen Spiele 2015 an Peking vergeben worden waren. Deswegen stehen dort, wo eigentlich zumindest ein Rinnsal von den 2000 m hohen Bergen fließen sollte, Vier- und Fünf-Sterne-Hotels wie das Genting Grant (in dem das Zhangjiakou Medienzentrum untergebracht ist) und eine potthässliche Appartementanlage: 16 Einheiten mit jeweils rund 20 Wohnungen, hineingepfeffert in die Mitte des Tals.
Das trockene Klima und das Fehlen von Luftfeuchtigkeit lässt Powder schneien, und wenn es kalt ist, und das ist es üblicherweise im Winter, dann so richtig: Höchsttemperaturen im Minusbereich sind im Jänner keine Seltenheit, die Mindesttemperaturen liegen auch um minus 20 Grad Celsius, und es ist eine eisig klirrende Angelegenheit, die Nachtevents im Freestyle-Skiing zu verfolgen.

Dort haben die chinesischen Gastgeber nicht nur Medaillenchancen, sondern beispielweise in den Aerials der Männer die realistische Möglichkeit, alle drei Plaketten zu gewinnen. Präsident Xi soll zu diesem Anlass zugegen sein, wie man hört, und vielleicht stellt sich dort auch das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin ein.
Dann sollte der Bach eigentlich auch nicht fehlen, Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Und in der VIP-Lounge der sogenannten „Olympic Family“ wird es dann sicher auch mehr als Wasser zu trinken geben.

Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Winterspielen für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations. Er ist Verleger (www.egoth.at) und Autor.
Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Winterspielen für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations. Er ist Verleger (www.egoth.at) und Autor.