Viel Licht trotz bitterer Niederlage

Verspäteter Spielbeginn im Prater, doch als das Licht erstrahlte, glänzte über weite Strecken auch das österreichische Team. Doch mit dem 1:2 gegen Dänemark stand acht Minuten nach Mitternacht fest: Österreich verlor trotz starker Leistung die Tabellenführung der Gruppe 1 in der Liga A in der Nations League.
Wien Keine Videowall, kein Licht im Prater, dafür leuchtende Handys als Feuerzeugersatz. Das Oval des Ernst-Happel-Stadions glich am Pfingstmontag mehr einem Konzertabend, denn einem Fußballmatch. Über den Lautsprecher dröhnte der Donauwalzer, bei „I am from Austria“ von Rainhard Fendrich schwangen die rund 20.000 Besucher, die wegen des Nations-League-Spiels zwischen Österreich und Dänemark ins Stadion strömten, die rot-weiß-roten Fahnen. Und dazwischen versuchte Stadionsprecher Andy Marek die Zuschauer zu unterhalten. Auch die Spieler beider Mannschaften klatschten dazu im Stadiontunnel. Um 21.45 Uhr kamen die beiden Mannschaften zu einem zweiten Aufwärmen zurück auf den Rasen.
UEFA Nations League 2022/23
Liga A
Gruppe 1
Österreich – Dänemark 1:2 (0:1)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 18.700 Zuschauer, SR William Collum (SCO)
Torfolge: 27. 0:1 Höjbjerg, 67. 1:1 Xaver Schlager, 84. 1:2 Stryger Larsen
Gelbe Karten: 35. Poulsen, 65. Jensen (beide Foulspiel)
Österreich (4-4-2) Pentz – Trimmel, Posch (63. Danso), Alaba, Friedl (78. Wöber) – Laimer, Xaver Schlager, Nicolas Seiwald, Dejan Ljubicic (46. Arnautovic) – Kalajdzic (46. Gregoritsch), Baumgartner (46. Sabitzer)
Dänemark (3-5-2) Schmeichel – Andersen Nelsson, Vestergaard (52. Cornelius) – Kristensen, Jensen (80. Delaney), Höjbjerg, Maehle (66. Stryger Larsen) – Eriksen – Braithwaite (52. Skov Olsen), Poulsen (52. Damsgaard)








Doch nicht nur im Stadion hieß es „Strom aus“, der Großteil des zweiten Wiener Bezirks war davon betroffen. Im Prater saßen die Besucher in den Gondeln fest, die Fahrgeschäfte mussten den Betrieb einstellen und die Gäste teilweise aus ihrer Lage retten.
Um 20 Uhr ging fast nichts mehr
Der Strom war erstmals um kurz nach 20 Uhr ausgefallen. Einige Stromkreise im Stadion funktionierten zwar, die Flutlichtanlage war zwischenzeitlich aber komplett aus. Laut Angaben von Wiener Netze war die Stromversorgung nach ca. einer Stunde wieder hergestellt. Die Flutlichtanlage benötigte aber Zeit, um neu hochgefahren zu werden. „Selbstverständlich tut es uns leid, es war eigentlich alles angerichtet für ein Fußballfest beim ersten Heimspiel von Teamchef Ralf Rangnick“, sagte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold.
Für das ÖFB-Team war es nicht der erste verzögerte Spielbeginn. Im September des Vorjahres hatte etwa das WM-Qualifikationsspiel in der Republik Moldau (2:0) wegen eines Drohnenüberfluges 30 Minuten verspätet angefangen. Hätte die Begegnung am Montag nicht ausgetragen werden können, wäre eine Verschiebung auf einen anderen Spieltag die einzige Möglichkeit gewesen.
Bereits am Freitag steht in Wien das nächste ÖFB-Heimspiel gegen Weltmeister Frankreich auf dem Programm. Apropos Frankreich. Die Franzosen kamen im Duell Weltmeister gegen Vizeweltmeister trotz 1:0-Führung über ein 1:1 gegen Kroatien nicht hinaus.







Anpfiff um 22.15 Uhr
90 Minuten nach dem geplanten Anpfiff war es dann soweit. Der Referee aus Schottland, William Collum, pfiff die Partie an. Mit Konrad Laimer und Xaver Schlager stand auf österreichischer Seite nur noch ein Duo, das schon gegen Kroatien in der Startelf aufschien, von Beginn an auf dem Platz. „Wir haben mit der Viererkette 60 Minuten ein gutes Spiel gemacht. Wir haben die Jungs nicht umsonst eingeladen, deswegen haben wir uns heute dazu entschieden, in größerem Stil umzustellen“, begründete Rangnick seine Entscheidungen. Taktisch war das 4-4-2 fast ein 4-2-2-2 mit Laimer und Nicolas Seiwald als Doppelsechs und davor Schlager und Dejan Ljubicic auf den Halbpositionen. Und eines war erneut sehr deutlich zu sehen: Das Pressingspiel der Österreicher. Gleich zu Beginn gab es schon gute Momente gegen eine dänische Elf, die sehr dominant auftrat und einen überaus selbstbewussten Eindruck machte. Die erste Chance vergab Sasa Kalajdzic, der einen Pass von Christoph Baumgartner knapp verpasste (16.). Doch die kalte Dusche kam in Form des Gegentreffers nach 27 Minuten, als Marco Friedl einen Flankenball ablenkte und Pierre Emile Höjbjerg profitierte.
Die Tabelle der Gruppe 1 sehen Sie hier





Jubiläum von Marko Arnautovic
Zur Pause war es dann soweit: Marko Arnautovic kam ins Spiel und feierte damit seinen 100. Länderspiel-Einsatz. Der 33-Jährige war einer von drei neuen Offensivkräften, die von Teamchef Ralf Rangnick eintauscht wurden. Am Matchcharakter änderte sich ebenfalls ein wenig, denn Österreich verstärkte seine Versuche Dominanz zu zeigen. Das ergab Räume für die Gäste, die etwa durch den eingewechselten Andreas Skov Olsen zu einer klaren Torchance kamen, als er allein auf Torhüter Patrick Pentz zulief, den Ball aber neben das Tor setzte (58.). Besser machte es da schon Xaver Schlager, der eine Vorlage von Arnautovic eiskalt zum Ausgleich verwandelte (67.). Dem vorausgegangen war ein aggressives Pressing von Michael Gregoritsch gegen Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel, der so nach einem Rückpass in Bedrängnis geriet. Der Treffer heizte die Stimmung im Stadion weiter an und als Arnautovic wenig später fast der Führungstreffer gelang, standen die Fans auf der Tribüne. Mit einem Pass über die Abwehr hatte David Alaba den Jubilar ideal freigespielt. Arnautovic umkurvte noch Schmeichel, doch sein Schuss landete am Pfosten (74.). Vier Minuten später der nächste starke Auftritt von Arnautovic, dessen Abschluss nur knapp am Tor vorbeistrich. Und als die Euphorie so richtig aufkochte, sorgte erneut “danish dynamite” für den Dämpfer. Der eingewechselte Jens Stryger Larsen überhob Torhüter Pentz zum siegbringenden 2:1.