Wechselbad der Gefühle

Sport / 01.11.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieter Alge (56) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.
Dieter Alge (56) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.

VN-Fußballexperte Dieter Alge über die gelungene Systemumstellung von Austria-Lustenau-Trainer Markus Mader.

Durchatmen, Staunen und den Adrenalin-Spiegel senken hieß es für die Austria-Fans nach dem 3:3 gegen Rapid. Ein Spiel, das die Vielfalt des Fußballs zeigte und aus taktischer Sicht überaus interessant war. Vor allem hat das Match demonstriert, wie wichtig eine gute Ersatzbank sein kann und dass der alte Spruch „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ längst überholt ist. Der VAR lässt grüßen.
Austria-Trainer Markus Mader hatte sein Team in einer 3-5-2-Grundordnung (Offensiv) auf das Spielfeld geschickt. In der Defensive wurde mit fünf Spielern verteidigt, im Mittelfeld waren Torben Rhein, Pius Grabher und Stefano Surdanovic für die Kompaktheit verantwortlich. Vorne versuchten Anthony Schmid und Lukas Fridrikas den Spielaufbau der Hütteldorfer zu stören. Rapid-Coach Zoran Barisic ließ seine Elf in einem 4-1-2-3 (Offensiv) bzw. 4-1-4-1 (Defensiv) spielen. Zwei völlig unterschiedliche Systeme, die Rapid bereits in der Startphase deutlich mehr Ballbesitz bescherten. Im ersten Spielabschnitt hat mich das „Anlaufen“ der Austria-Stürmer zu wenig überzeugt. Gut dagegen das Defensivverhalten der Dreierkette mit Jean Hugonet, Matthias Maak und Dario Grujcic.

Der Matchplan der Grün-Weißen aus Vorarlberg war klar zu erkennen: Gut verteidigen und mit schnellem Umschaltspiel Nadelstiche in der Offensive setzen. Doch das Umschaltspiel funktionierte nur mit angezogener Handbremse. Zu wenig Druck kam über die Flügelspieler Anderson und Tobias Berger. Nur gut deshalb, dass Tore auch nach Standardsituationen fallen können. Perfekt, wie Stefano Surdanovic nach einem Eckball zur Führung einköpfelte.

Nach dem Wechsel änderte sich zunächst wenig. Rapid hatte mehr Ballbesitz und versuchte mit schnellen Spielverlagerungen die Austria aus dem Konzept zu bringen, mit Erfolg. Nach 64 Minuten entschloss sich Austria-Coach Mader zu einem Doppeltausch. Bryan Teixeira und Hakim Guenouche kamen für Fridrikas und Berger. Ein Wechsel, der dem Spiel einen neuen Charakter verlieh. Nicht nur die neuerliche Führung der Austria durch den Franzosen, sondern auch die Geschwindigkeit des 22-jährigen Teixeira bereiteten Rapids Abwehr große Mühe. Leider verpassten es Grabher und Co. in dieser Phase, den Deckel draufzumachen. So wurde die Nachspielzeit für die Austria sowie Rapid zum Wechselbad der Gefühle, was am Ende beiden Teams einen Punkt und den Fans ein unvergessliches Fußballspiel bescherte.

Mein Fazit: Austria-Trainer Mader setzte in diesem Spiel auf eine stabile Abwehr, etwas zum Leidwesen der Offensive. Die Systemumstellung bekam auch Austrias Topgoalgetter Teixeira zu spüren und so musste er auf der Ersatzbank Platz nehmen. Die Reaktion, die der Franzose nach seiner Einwechslung zeigte, hat mir imponiert. Er hat bewiesen, wie wichtig Ersatzspieler für jeden Trainer sein können.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.