Zeitenwende im Ski-Weltcup
Seit Johan Eliasch FIS-Präsident ist, steigen die Wogen hoch im Skiweltcup. Und es scheint so, als ob das in naher Zukunft nicht besser wird.
Aber was ist der Grund, weshalb Eliasch mit so viel Vorschusslorbeeren versehen wurde und jetzt von fast allen angefeindet wird? Das Problem ist hier nicht allein Eliasch, sondern die völlig verharzte und veraltete Struktur des Internationalen Skiverbandes.
Um das näher zu beleuchten, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit gehen, und zwar bis zum Jahr 1951. In diesem Jahr wurde der erste Präsident der FIS gewählt und er hieß Marc Hodler. Er war ein höchst angesehener Anwalt aus Bern. Sein ureigenstes Ziel war, Präsident des IOC zu werden.
Bis zum Vize-Präsidenten schaffte er es, aber weiter halt nicht. Bis in die 80er-Jahre hielt man deshalb den gesamten Skizirkus zwangsweise unter dem Amateurstatus, um olympiakonform zu sein. Karl Schranz büßte das bitter, als er bei einem Gaudi-Fussballturnier unabsichtlich ein T-Shirt mit einer Werbeaufschrift trug. Er wurde deswegen von den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo ausgeschlossen. Andere Sportarten wie z.B. Tennis, Golf oder Fussball entwickelten sich in dieser Zeit zu den wahren Weltsportarten und die Sportler verdienten Millionen. Dafür waren sie aber nicht bei Olympia zugelassen. Das änderte sich bekanntlich Ende der 80er Jahre, als z.B. Tennis olympisch wurde.
Man versuchte später bei der FIS den jahrelangen monetären Schaden zu begrenzen, und erlaubte den Sportlern, Privatsponsoring zu machen (Kopfsponsoring). Preisgelder bei Weltcuprennen wurden ab Anfang der 90er ausgeschüttet, was die Popularität des Ski-Sportes ein bisschen steigerte.
Nur war die Lücke zu den anderen Sportarten bereits so groß, dass man sie unmöglich schließen konnte. Mit dem Siegerpreisgeld von Kitzbühel könnte man heute einen Rafael Nadal oder Rory McIlroy wohl kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Von den Fussballern wollen wir gar nicht mal anfangen zu sprechen.
Und genau hier setzt die neue Führung der FIS an und will uralte Strukturen des Verbandes aufreißen.
Schlüsselfrage ist hier die Zentralvermarktung der Weltcuprennen durch die FIS, bis heute eben nicht der Fall. Das würde augenblicklich viel mehr Geld in die Kassen spülen und damit allen angeschlossenen Skiverbänden und Sportlern zugute kommen.
Leider sind die Jahrzehnte alten Strukturen der FIS nicht so einfach niederzureißen, wie z.B. die Entwicklung eines neuen Skimodells bei der Firma Head. Und man kann einen Weltverband, mit so vielen Teilverbänden im Schlepptau nicht führen, wie eine Firma als CEO.
Der Vorgänger von Eliasch bei der FIS, Gianfranco Kasper, war zwar ein gewiefter Taktiker, was die Verbandsführung anbelangte, er war aber sicherlich nicht der beste Wirtschaftler. Bei Eliasch ist es genau umgekehrt. Seine neuen Ideen fielen anfangs bei allen auf fruchtbaren Boden. Deren praktische Umsetzung mit brachialer Gewalt stieß dann aber doch auf erheblichen Widerstand.
Ich denke, man sollte Eliasch noch eine Chance geben, um einen Konsens mit allen Beteiligten zu finden. Allzu viel Zeit hat er dafür allerdings nicht mehr.
„Das Problem ist nicht allein Präsideten Johan Eliasch, sondern die völlig verharzte und veraltete Struktur des Internaionalen Skiverbandes.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
Kommentar