Deshalb ist für Klubchef Peter Pfanner der SCR Altach mehr als ein “One-Hit-Wonder”

Klub-Entscheidungen werden laut dem 57-Jährigen nie im Alleingang gefällt. Die Kritik an Geschäftsführer Christoph Längle für ihn völlig unangebracht.
Altach Er ist kein Präsident, der sich in den Vordergrund drängt, vielmehr sieht Peter Pfanner seine Aufgabe darin, als Klubchef intern den Verein zu stabilisieren. Vor dem dritten Saisonderby äußerte sich der 57-jährige Geschäftsmann in einem seiner wenigen Interviews zu aktuellen Fragen rund um den Cashpoint SCR Altach.
Warum hält sich der Präsident des SCR Altach in der Öffentlichkeit so zurück?
Meine Aufgabe als Präsident ist es nicht, sich in Kaderplanungen oder Aufstellungen einzumischen. Als Verein haben wir eine soziale Verantwortung, zudem kümmern wir uns um die Ausbildung von rund 300 Jugendlichen. All das benötigt eine klare Struktur, um als Verein mittel- und langfristig agieren zu können. Dies sicherzustellen ist meine Aufgabe und nicht selbst agieren. Für mich ist Altach kein „One-Hit-Wonder“, der irgendwann mal untergeht. Wir haben es als Verein geschafft, über ein Jahrzehnt hinweg, auf finanziell gesunden Beinen Profifußball zu betreiben. Das gab es in Vorarlberg in dieser Form noch nicht.
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Wie sehen sie die Kritik an Geschäftsführer Christoph Längle, der von den Fans als Hauptverantwortlicher für den sportlichen Misserfolg festgemacht wurde?
Es ist legitim, wenn Fans Kritik an der sportlichen Performance äußern. Dies jedoch an einer Person festzumachen ist unfair. Wir alle haben Fehler gemacht und sind nicht zufrieden, wie es sportlich in den letzten drei Jahren gelaufen ist. Christoph Längle jedoch ist ein wesentlicher Faktor für den Aufstieg des Vereins in den letzten 20 Jahren. Seine Arbeit und seine Person waren zudem für mich ausschlaggebend, dass ich mich für das Präsidentenamt zur Verfügung gestellt habe. Ich weiß, dass ich mich auf ihn hundertprozentig verlassen kann. Denn als Geschäftsführer der Firma Pfanner mit 1000 Mitarbeitern kann ich nicht jeden Tag im Büro sitzen. Umso wichtiger ist es für mich, dass Christoph Längle und sein Team einen sauberen Job machen. Das ist absolut der Fall. Zudem haben wir eine Struktur geschaffen mit Sportchef und Trainer, die für den sportlichen Bereich verantwortlich sind. Aber noch einmal: Die Fans dürfen kritisieren, wenn sie unzufrieden sind.

Zuletzt sorgte vor allem die Art und Weise der Trennung von Trainer Miroslav Klose für großes Unverständnis?
Es war eine schwere Entscheidung, die absolut nicht gegen die Person Miroslav Klose gerichtet, sondern vielmehr den Ergebnissen geschuldet war. Fußball ist nun mal Ergebnissport und da gab es keine zweite Meinung. Ich habe mich noch am Montag nach dem Salzburg-Spiel vor der Freistellung von Miroslav Klose lange mit ihm unterhalten. Er weiß, dass er unser Vertrauen hatte. Erst nach der Heimniederlage gegen Ried haben wir intern über einen Plan B nachgedacht. Aus Vereinssicht war es einfach unsere Pflicht, den Sportchef damit zu betrauen. Alles andere wäre fahrlässig gewesen. Und so ist in uns die Entscheidung gereift, dass wir es Klaus Schmidt mehr zutrauen, mit der Mannschaft den Klassenerhalt zu sichern.

Wie groß war dann das Aufatmen nach dem Sieg über die WSG Tirol?
Natürlich groß. Leute, die vor dem Spiel noch Kritik an unserer Vorgehensweise übten, haben mir danach gratuliert. So läuft es eben im Fußball.
Zumal Sie ja selbst sagten, dass Sie die Kritik der Fans verstehen.
Die Kritik darf jedoch nicht ins Private reichen, damit habe ich schon ein Problem. Andererseits lade ich alle Kritiker ein. Wir sind ein Verein, jeder kann Mitglied werden, sich selbst einbringen und versuchen, es besser zu machen. Fakt ist: Mit Christoph Längle als Geschäftsführer ist Altach zu einem Bundesligaklub aufgestiegen, der finanziell stabil ist und über eine entsprechende Infrastruktur verfügt. Zudem wird in all der Kritik oft vergessen, dass der Klub der größte Arbeitgeber in der Gemeinde ist und rund sieben Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur selbst beigesteuert hat.

Wieso schafft es Altach nicht, auch in sportlicher Hinsicht eine gewisse Kontinuität zu erlangen? Es sind ja die vielen Trainerwechsel und die Einkaufspolitik, die immer wieder für Kritik sorgen.
Auch ich würde mir diesbezüglich mehr Stabilität wünschen. Wir müssen schon zugeben, dass wir Experimente eingegangen sind, die leider nicht unsere Erwartungen erfüllt haben. Dieser Kritik müssen wir uns stellen. Deshalb ist es wichtig, dass im Hintergrund die Planungen über die Saison hinaus laufen. Und da ist es kein Geheimnis, dass ich mir wünsche, mit einem Trainer wieder über zwei, drei oder mehr Jahre zusammenarbeiten zu können. Was die Zusammenarbeit mit Klaus Schmidt betrifft, so war es für beide Seiten wichtig, erst einmal bis Sommer zu planen.
Die Mannschaft kämpft um den Klassenerhalt. Was würde ein möglicher Abstieg für den Klub bedeuten?
Als Klub in einer Gemeinde mit knapp 7000 Einwohnern muss es immer einen Plan B geben. Das ändert nichts an unseren Zielen. Diese werden wir als Verein weiter verfolgen.

Bleiben wir bei der Gegenwart. Das dritte Saisonderby steht an. Was erwartet sich der Präsident vom Spiel in Lustenau?
Ein Fußballfest, ohne jegliche Untergriffe auf beiden Seiten. Ich hoffe, dass beide Fanlager dieses Mal seriös und korrekt miteinander umgehen und sich bewusst sind, dass auch viele Kinder im Stadion sein werden. Sportlich erwarte ich mir, dass wir als Altach nach Lustenau fahren, um das Spiel zu gewinnen. Letztendlich ist es für uns aber nur ein weiteres Etappenziel auf dem Weg zum angestrebten Klassenerhalt.