Generalprobe für Mensch und Material

Vadlau/Mähr im 470er und 49er-Duo Bildstein/Hussl im 2024-Olympiarevier auf dem Prüfstand.
Marseille Knapp 13 Monate bevor es in der Marina du Roucas-Blanc in Marseille um die Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen 2024 geht, kommt es an der Côte d’Azur zum Stelldichein der Segelelite. Ab Sonntag werden an der französischen Mittelmeerküste die Pre Olympics ausgetragen. Der für acht Tage anberaumte Testevent ist für den Großteil der Boote zugleich die Generalprobe vor der Weltmeisterschaft Mitte August in Den Haag.
Permanenter Trainingsspot
Seit Ende April des Vorjahres hat der Österreichische Segelverband (OeSV), als eine von nur neun Nationen, im Yachtclub Pointe Rouge einen permanenten Trainingsspot im Olympiarevier bezogen. In den letzten 14 Monaten wurden bereits intensive Messungen vorgenommen. Speziell die lokalen topografischen Einflüsse auf Wind und Wetter wurden hier eingehend untersucht. Die anstehende Regatta sieht weitere Tests vor – aber auch die Überprüfung der erhobenen Erkenntnisse. „Wir wollen die nächsten Tage nutzen, um unsere Erfahrungen zu evaluieren. Es geht um einen ‚Re-Check‘ aller Daten. Wir wollen herausfinden, ob wir Recht haben mit unseren Prognosen und Annahmen oder ob es da noch Nachschärfungen braucht“, erklärt Matthias Schmid. Der OeSV-Sportdirektor weist gleichzeitig aber auch darauf hin, dass seine Olympiakandidaten hier natürlich auch an den Start gehen, „um ein gutes Ergebnis zu erzielen“. Der OeSV ist mit vier Booten, darunter das 470er-Duo Lara Vadlau und Vorschoter Lukas Mähr und das 49er-Duo Benjamin Bildstein und David Hussl, beim Olympiatest vertreten.
„Revier ausquetschen“
Das Austesten des Reviers steht auch bei Österreichs 470er-Paarung Vadlau/Mähr an erster Stelle. Die EM-Sechsten waren den kompletten Juni über, mit kurzen Trainingspausen, in Marseille stationiert. „Wir haben schon in den letzten Trainingswochen, und da gemeinsam mit unserer Meteorologin Elena Cristofori, eine Vielzahl an detaillierten Daten erhoben. Die Regatta wollen wir nun nutzen, um das Revier nochmals auszuquetschen. Es geht darum, jedes noch so kleine Detail aufzuschnappen, zu analysieren und in der Zukunft zu unserem Vorteil zu nutzen“, erklärt Steuerfrau Vadlau. Insgesamt treten bei den Pre-Olympics 17 Boote an. Die ersten Rennen sind für Sonntag terminisiert. „Vor zwei Jahren haben sich die besten Damen und die besten Herren im ‚Mixed‘ vereint – und damit ihre Kräfte gebündelt. Dadurch ist das Level in unserer Klasse seit der Einführung unglaublich hoch. Wir sind stolz darauf, Teil der Top-Nationen zu sein und hier an den Start gehen zu können. Wir freuen uns auf einen weiteren Vergleich mit den besten Booten der Welt und auch darauf, schon ein wenig in das olympische Flair einzutauchen“, ergänzt Vorschoter Mähr.
Letzte Materialänderung
In der 49er-Klasse wurden seit den Spielen 2021 in Tokio etliche Materialänderungen durchgeführt. Vor den Pre-Olympics steht nun noch ein Masttausch an, den alle Teams durchführen müssen. „Wir gehen davon aus, dass es die letzte Umstellung vor den Spielen ist. Die Kurzfristigkeit trifft alle gleichermaßen – aber wir haben uns gut darauf vorbereitet und sind optimistisch, dass wir uns mit dem neuen Mast zurechtfinden. Insgesamt ist die Änderung wichtig und absolut vertretbar: Das neue Material bringt mehr Steifheit mit und ist dadurch weniger anfällig für Schäden“, betont Steuermann Bildstein. Zuletzt hat das Duo ein paar Tage am Gardasee trainiert. „Es war ein kurzer technischer Block. Roman Hagara hat mit uns viel am Bootshandling und an den Manövern gearbeitet“, erzählt der Wolfurter.
In Marseille beginnt für die Olympia-Zehnten die entscheidende Phase der Saison. Die Pre-Olympics sind der Kick-off für die anstehende WM und die EM. „Die nächsten Tage geht es darum, Erfahrung zu sammeln – speziell im meteorologischen Bereich – und danach unsere Strategie bzw. Taktik anzupassen.“ Die aktuell Zweitplatzierten der Weltrangliste treffen dabei ab Dienstag auf 28 Konkurrenten. Bei der Kieler Woche haben sie jüngst mit Rang drei ihr bestes Saisonergebnis erbracht. VN-JD
„Wir freuen uns darauf, schon ein wenig in das olympische Flair einzutauchen.“
