Kraft und das Prinzip Hoffnung

Sport / 01.01.2024 • 22:20 Uhr
Zwiespältige Gefühle bei Stefan Kraft nach dem sechsten Platz in Garmisch. Eigentlich war er mit seinen Sprüngen zufrieden, dennoch verlor er Punkte auf die Besten.gepa
Zwiespältige Gefühle bei Stefan Kraft nach dem sechsten Platz in Garmisch. Eigentlich war er mit seinen Sprüngen zufrieden, dennoch verlor er Punkte auf die Besten.gepa

ÖSV-Adler verpassten in Garmisch das Podium. Stefan Kraft verlor die Tuchfühlung.

Garmisch Die Österreicher haben die Podestplätze im Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen knapp verpasst. Manuel Fettner, Jan Hörl und Stefan Kraft landeten beim Triumph des Slowenen Anze Lanisek auf den Rängen vier bis sechs. Kraft büßte in der Vierschanzentournee-Wertung weitere 14,8 Punkte auf den deutschen Spitzenreiter Andreas Wellinger ein. Sein Rückstand auf den drittplatzierten Oberstdorf-Gewinner beträgt vor dem Wechsel in die Heimat als Dritter 25,2 Zähler.

„Mit dem sechsten Platz bin ich zufrieden, auch mit den Sprüngen. Der Rückstand ist leider eine Nuance zu groß. Es wäre schön gewesen, vielleicht zehn Punkte mehr zu haben, aber es ist kein Wunschkonzert“, sagte der fünffache Saisonsieger. Zur Tournee-Halbzeit kristallisiert sich ein Zweikampf um den „goldenen Adler“ heraus. Der Japaner Ryoyu Kobayashi, in Garmisch-Partenkirchen genauso wie in Oberstdorf Zweiter, liegt 1,8 Punkte oder umgerechnet genau einen Meter hinter Wellinger. Kraft fehlen mittlerweile 14 Meter.

Die Hoffnung ist noch da

Der Salzburger sieht allerdings noch Chancen. „Die Hoffnung ist auf alle Fälle noch da. Das Glück wird es jetzt auch mal brauchen, das ist ganz klar“, betonte Kraft vor den anstehenden Heimbewerben. Der 30-jährige Gesamtweltcupführende müsse nun die Handbremse lösen und aggressiv springen, ergänzte er. ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl sprach seinem Schützling Mut zu. „Er kann jetzt locker drauflos springen, es ist alles möglich“, sagte der Coach. Krafts Sprünge auf der Großen Olympiaschanze im Stadtteil Partenkirchen, wo er zuletzt sechs Mal in Serie seinen Tournee-Traum hatte begraben müssen, seien okay, aber nichts Besonderes gewesen.

Widhölzl freute sich indes über eine „super Mannschaftsleistung“. Auch Michael Hayböck durfte trotz zweier verpatzter Landungen als Achter zufrieden sein, Clemens Aigner wurde Zwölfter, Daniel Tschofenig startete mit Platz 18 ins neue Jahr. „Jan hat im zweiten Durchgang echt Pech gehabt mit den Verhältnissen“, ärgerte sich Widhölzl. Hörl fiel im von wechselnde Windbedingungen beeinflussten Finale vom zweiten Platz noch aus den Podesträngen. „Schade, aber es wollte nicht“, bedauerte der Salzburger.

Routinier Fettner fehlten vor der mit 21.000 Fans ausverkauften Rekord-Kulisse weniger als drei Punkte auf das Podium, wie im Vorjahr wurde er Vierter. „Ich hätte mir schon das Podest erhofft, aber drei andere waren einfach um das Eutzerl besser“, erklärte der Tiroler. In der Tournee-Gesamtwertung verbesserten sich Fettner (-32,6 Punkte) und Hörl (-34,2) auf die Ränge vier und fünf. Der Gesamt-Sechste Lanisek freute sich indes über seinen sechsten Weltcupsieg. „Ich bin wirklich stolz und glücklich, dass ich heute auf diesem Level abliefern konnte und so locker war“, sagte der 27-Jährige.

Weiter geht es heute mit der Qualifikation für das Bergiselspringen in Innsbruck am Mittwoch (jeweils 13.30 Uhr/live ORF 1). Genauso wie beim Finale am Dreikönigstag wird die nationale Gruppe der ÖSV-Adler um einen Platz in den Top 50 kämpfen. Zuletzt hatte der 17-jährige Tiroler Stephan Embacher mit einem Sieg und einem zweiten Platz in Engelberg im zweitklassigen Kontinentalcup überzeugt.

„Er kann jetzt locker drauflos springen, es ist einfach noch alles möglich.“

skiSPRINGEN

Vierschanzentournee 2023/24

2. Springen in Garmisch-Partenkirchen

 1. Anze Lanisek (SLO) 295,8 Pkte. (136 m/137 m)

 2. Ryoyu Kobayashi (JPN) 292,6 (137/135,5)

 3. Andreas Wellinger (GER) 291,4 (138/137,5)

4. Manuel Fettner (AUT)  288,7 (136/138)

 5. Jan Hörl (AUT) 281,4 (140/128,5)

6. Stefan Kraft (AUT) 276,6 (133,5/132)

 7. Marius Lindvik (NOR) 275,5 (133,5/133)

8. Michael Hayböck (AUT) 273,6 (136/141)

 9. Peter Prevc (SLO) 272,6 (127,5/133,5)

10. Pius Paschke (GER) 272 (135,5/135,5)

12. Clemens Aigner (AUT) 267,5 (133/133)

18. Daniel Tschofenig (AUT) 257,5 (128,5/131)

Gesamt, Vierschanzen-Tournee (2 Bewerbe)

1. Andreas Wellinger (GER) 600,7 Punkte

2. Ryoyu Kobayashi (JPN) 598,9

 3. Stefan Kraft (AUT) 575,5

 4. Manuel Fettner (AUT) 568,1

 5. Jan Hörl (AUT) 566,5.

 8. Michael Hayböck (AUT) 555,0

15. Clemens Aigner (AUT) 533,5

19. Daniel Tschofenig (AUT) 523,3

Gesamtweltcup (10 Bewerbe)

 1. Stefan Kraft (AUT) 769 Punkte

2. Andreas Wellinger (GER) 607

3. Pius Paschke (GER) 493

 6. Jan Hörl (AUT) 411

10. Michael Hayböck (AUT) 244

11. Manuel Fettner (AUT) 240

Nationencup (10)

1. Deutschland  2045 Punkte

 2. Österreich  1960 Punkte

3. Slowenien  1046 Punkte