Rotter wegen seines jüdischen Glaubens von EHC-Angreifer beleidigt

Sport / 02.02.2024 • 13:40 Uhr
Rafael Rotter fühlt sich von Dominic Haberl beleidigt. <span class="copyright">Gepa. Steuer</span>
Rafael Rotter fühlt sich von Dominic Haberl beleidigt. Gepa. Steuer

Entschuldigung von Dominic Haberl hat den Vorfall aus der Welt geschafft.

Lustenau 38:18 Minuten waren in Lustenau beim AHL-Duell zwischen dem EHC und den Kitzbüheler Adlern gespielt, als sich vor der Lustenauer Bank ein Tumult entwickelte. Kitzbühel-Angreifer Rafael Rotter stürmte zur Auswechselbank und wollte Dominic Haberl zur Rede stellen. Der 36-jährige Ex-Nationalspieler wurde allerdings vom Linesman und einigen Lustenauer Spielern gestoppt. Nach heftigen Wortgefechten wurde Rotter auf die Strafbank gebracht, kurz darauf schickten die Referees auch Haberl in die Kühlbox, die Wortgefechte gingen auch dort weiter. Beide bekamen eine Zehn-Minuten-Strafe wegen unsportlichen Verhaltens aufgebrummt. Damit waren die Diskussionen in der Halle allerdings noch nicht beendet, erst nach fünf Minuten wurde die Partie mit einem Bully vor dem EHC-Tor fortgesetzt. Vom Inhalt der Diskussionen bekamen die Zuschauer in der Halle und am Stream allerdings nichts mit.

Rafael Rotter spielte viele Jahre für die Vienna Capitals. <span class="copyright">Gepa</span>
Rafael Rotter spielte viele Jahre für die Vienna Capitals. Gepa

Am Freitag wendeten sich die Verantwortlichen des EC Kitzbühel mit einer Aussendung an die Öffentlichkeit, dass es in der 39. Minute zu einer antisemitischen Beleidigung von Rotter durch einen Gegenspieler gekommen sei. “Der EC Die Adler Stadtwerke Kitzbühel stellt klar, dass Antisemitismus, Hass, Hetze und Rassismus in jeglicher Form niemals einen Platz im Verein und dessen Umfeld haben wird”, stellte der Tiroler Verein klar. Im Anschluss kam es zum Austausch zwischen den Adlern und den Verantwortlichen des EHC. Es wurde vereinbart, dass sich Haberl im Laufe des Nachmittags direkt bei Rotter entschuldigen werde, um das Thema damit aus der Welt zu schaffen. Beim nächsten Duell der beiden Klubs am 22. Februar in Kitzbühel soll mit einer Aktion nochmals klargestellt werden, dass Antisemitismus im Sport keinen Platz habe. “Wir sind der Meinung, wir müssen auf den Vorfall reagieren, auch um dem Spieler Halt zu geben”, sagte Kitzbühel-Pressesprecher Mathias Funk auf Anfrage, “Rafael Rotter nach dem Spiel ziemlich niedergeschlagen war. Wir wissen natürlich, dass es im Sport hoch hergehen kann, aber es gibt eine Grenze.” Am Nachmittag bestätigten die Kitzbühel, dass es zu einer Aussprache zwischen den beiden Spielern gekommen sein.

Rotter bekennt sich zu seinem Glauben

Rafael Rotter ist bekennender Jude und bezeichnete sich selbst in der Vergangenheit als gläubig. Seine Sportkarriere begann der heute 36-Jährige mit dem Spitznamen “Shlomi” beim Fußballverein Maccabi Wien, ehe er zum Eishockey wechselte. “Ich sehe meinen Glauben so streng, wie ich ihn sehen kann”, sagt Rotter dem “derstandard.at” im Jahr 2012, “und bemühe mich, ein guter Mensch zu sein.” Harte Bandagen auf dem Eis sind da kein Widerspruch, wie Rotter in seiner Karriere immer wieder bewiesen hat.

Dominic Haberl hat in dieser Saison die zweitmeisten Strafminuten in der gesamten Liga kassiert.
Dominic Haberl hat in dieser Saison die zweitmeisten Strafminuten in der gesamten Liga kassiert.

EHC-Präsident Herbert Oberscheider sagt allerdings, laut seinen Nachforschungen habe keine antisemitische Beleidigung stattgefunden. “Es war übertriebener Trash Talk, das kommt im Eishockey vor. Die Schiedsrichter haben sich sehr gut verhalten und beide Spieler auf der Strafbank abkühlen lassen”, sagte der 58-Jährige. Dennoch werde es zu einer Entschuldigung von Haberl an Rotter kommen, kündigte der EHC-Chef an. In einer späteren Aussendung distanzierten sich die Lustenauer explizit von jeglicher Form des Rassismus oder Antisemitismus. “Festzuhalten ist, dass bereits eine persönliche Entschuldigung seitens des Lustenauer Spielers ausgesprochen und akzeptiert wurde. Auch intern haben wir ein klärendes Gespräch mit ihm geführt, bei dem wir unsere Position, dass wir solcherlei unbedachten Äußerungen, selbst wenn sie in der Hitze des Gefechts erfolgt sind, in keinster Weise tolerieren”, so der Verein.

Die Alps Hockey League kündigte ebenfalls ein Statement zu diesem Vorfall ein. Weiters wird sich die Rechtskommission der Liga damit befassen, beide Seiten bekommen davor die Möglichkeit, sich zur mutmaßlichen Beleidigung zu äußern.