Trotz Startverbot lebt der Olympiatraum

Sport / 04.04.2024 • 18:20 Uhr
Daniel Zugg
Sportlich war es für Daniel Zugg eine Saison zum Vergessen.Privat

Gesundheitliche Probleme beschäftigen Daniel Zugg.

St. Gallenkirch Ab Samstag steigt in Cortina das Weltcupfinale der Skibergsteiger in Cortina. Nicht dabei ist mit Daniel Zugg einer der prominentesten Skibergsteiger Österreichs. Der Montafoner hatte 2019 als erster Österreicher einen Weltcupbewerb gewonnen, doch in den vergangenen zwei Saisonen lief nichts mehr zusammen beim 31-Jährigen. „Bereits in der Vorsaison haben mich ständig Erkältungen aus der Bahn geworfen“, erinnert sich Zugg. Im Frühjahr stand sogar ein Karriereende im Raum, da er keinen Heeressportplatz mehr bekommen hatte. Doch der St. Gallenkircher liebt seinen Sport sehr und machte als Halb-Profi weiter. Allerdings ging es ihm körperlich weiterhin nicht gut. Im vergangenen Herbst wurden schließlich eine Darmerkrankung diagnostiziert. Diese wieder in den Griff zu bekommen, dauert etwa ein Jahr. Diese war aber nicht die Ursache für seine Schwächung, nach einer erneuten Erkältung im Herbst zeigten Tests, dass das Immunsystem des 31-Jährigen extrem geschwächt sei. Es folgte eine Coronaerkrankung im Dezember, die er scheinbar gut überstanden hatte. Denn an Silvester bestritt der Skibergsteiger bereits wieder einen Wettkampf. Mit intensivem Training wollte er den Rückstand auf die Konkurrenz wieder aufholen. Aber die Leistungen passten einfach nicht. Bei den drei Weltcups, bei denen er gestartet ist, belegte er Sprint-Spezialist nur die Ränge 48 (Schladming), 37 (Vilars) und 34 (Marmotta Trophy). Zu wenig für einen Athleten von Zuggs Klasse.

Daniel Zugg
Spektakuläre Abfahrt in Schladming. Privat

Herzuntersuchung

„Darum bin ich misstrauisch geworden und habe mich noch mal durchchecken lassen“, erzählt der 31-Jährige. Dabei wurde festgestellt, dass der Sportler bei einigen Leistungsdaten unterirdische Werte aufwies, etwa beim für Ausdauersportler so wichtigen VO2-Max-Wert, der die maximale Sauerstoffaufnahme eines Menschen ermittelt. „Niemand konnte sich erklären, warum dieser Wert so gering ist“, erinnert sich Zugg. Was der Auslöser für diese Auffälligkeiten ist, steht bis jetzt nicht fest.

Daniel Zugg
Daniel Zugg bestritt drei Wettkämpfe in dieser Saison. Privat

Eine erste Herzuntersuchung bei den ÖSV-Ärzten in Innsbruck lieferte keine Aufmerksamkeiten, eine zweite steht Mitte April auf dem Programm, anschließend wird die Lunge genauer untersucht. Inzwischen musste Zugg auf Anraten der Ärzte eine Wettkampfpause einlegen. „Ich darf trainieren und war dieses Jahr schon sehr viel auf dem Fahrrad unterwegs. Nur die hochintensiven Belastungen sollte ich derzeit vermeiden“, sagt Zugg, der trotz der frustrierenden Situation positiv nach vorn blickt: „Ich lasse mich nicht fertig machen und hoffe auf die kommende Saison.“ 2026 wird Skibergsteigen bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina zum ersten Mal im Programm der Fünf Ringe aufscheinen. Zugg wird während der Spiele 33 Jahre alt und hat seinen lange gehegten Olympiatraum noch nicht aufgegeben. Auch, weil in Cortina sein Spezialbewerb Sprint als einer von nur zwei Disziplinen ausgetragen werden wird. „Es wird immer schwieriger, weil meine Leistungen zuletzt nicht gepasst haben, aber auch die Jugend wird immer besser. Der Sport hat sich in den vergangenen Jahren extrem entwickelt, es ist alles deutlich professioneller geworden und die Dicht wird stets größer“, erzählt Zugg.

World cup - Schladming - VERTICAL
Die gute Laune hat der Montafoner noch lange nicht verloren. Privat

Trotz der fortschreitenden Professionalisierung herrscht unter den Skibergsteigern immer noch eine familiäre Atmosphäre. Als bekannt wurde, dass Zugg beim Weltcupfinale nicht starten werde, erreichten ihn viele Anrufe. „Alle haben nachgefragt, was los ist und ob ich nicht trotzdem vorbeikommen will“, freut sich der Montafoner und überlegt am Wochenende ins Auto zu sitzen und nach Cortina zu fahren.

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