Ein Nervenkitzel bis zur letzten Halse

Familie und Freunde unterstützen Lukas Mähr bei seinem Gold-Coup.
Marseille Christine Mähr konnte nicht mehr hinschauen. Sie wollte auch keine Informationen, wie es beim Rennen steht, das rund 500 Meter Luftlinie von ihr entfernt auf dem offenen Meer ausgetragen wurde. Die Frau von Lukas Mähr hatte schon genug, als das Medal Race ihres Mannes vor Marseille gestartet wurde. Ihre beiden Söhne Jonathan und Lorin wurden inzwischen von den Großeltern beaufsichtigt, die selbst fix und fertig waren.

Wolfgang Mähr, der Vater von Lukas und selbst ein erfahrener Segler, fieberte am Livestream mit. Doch kurz nach dem Start wurde es ganz ruhig im österreichischen Fanblock direkt am Wasser. Lukas Mähr und Lara Vadlau hatten beim Start Boden verloren, weil sie von den konkurrierenden Spaniern behindert wurden.
Rang zehn stand zu diesem Zeitpunkt hinter der Startnummer der Österreicher. Sie hätten damit den Gold-Platz an die Japaner abtreten müssen. „Aussagekräftig ist es erst an der ersten Boje“, machte sich Karin Strebinger, die Schwiegermutter des Vorarlberger Seglers Mut. Die Boje umrundeten Vadlau/Mähr dennoch als Letzte des Feldes. Doch die Sportler blieben in dieser Phase cooler, als es die meisten ihrer Anhänger an Land getan haben.

Sie können es nicht glauben
Denn nach der zweiten Boje entschied sich das OeSV-Duo im Gegensatz zum Großteil des Feldes auf der linken Seite zu kreuzen. „Sie sind ganz einfach den Spaniern nachgefahren“, relativierte OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid das Manöver, das von Coach Morgan Reeser gelobt wurde.

Doch egal, was der Anlass für die Entscheidung war, sie ging voll auf. Vadlau/Mähr verbesserten sich auf Rang sechs und hatten nun auch virtuell wieder die Goldmedaille um den Hals hängen.
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Als sich bei der letzten Halse nichts mehr an der Ausgangsposition änderte, wusste Michael Sagmeister, ein enger Freund von Lukas Mähr: „Das muss sich jetzt ausgehen.“
So war es auch, Vadlau/Mähr überquerten die Ziellinie als Siebte und hatten sich die Goldmedaille gesichert. Trotzdem fiel der Jubel an Land zunächst verhalten aus. Niemand konnte so recht glauben, was gerade geschehen war.
![ABD0078_20240808 – PARIS – FRANKREICH: ++ HANDOUT ++ Lukas Mhr und Lara Vadlau (AUT) jubeln am Donnerstag, 08. August 2024, ber die Goldmedaille anl. des Medal Race zur 470er-Klasse im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2024, bei Marseille. – FOTO: APA/
OC/MICHAEL MEINDL – ++ WIR WEISEN AUSDRCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- […]](/2024/08/ABD0078-20240808-1-768x1152.jpg)
An Land getragen
Erst nach einer Schreckminute brach Jubel aus, der immer lauter und freudiger wurde. Die Familie und Freunde von Lukas Mähr stürmten dem Boot entgegen, das langsam Kurs in Richtung Ufer nahm. „Ich bin einfach kaputt“, sagte ein sichtlich glücklicher, aber auch geschaffter Wolfgang Mähr. Als Lara Vadlau und Lukas Mähr im seichten Wasser ankamen, wurden sie von ihren Teamkollegen um den Wolfurter Benjamin Bildstein in Empfang genommen und an Land getragen. Dort warteten auch schon Christine Mähr mit Jonathan und Lorin. Es war auch der Moment, als die ersten Tränen der Freude flossen. Es sollten nicht die letzten des Tages bleiben. „Es gibt nicht Schöneres, als wenn die meine Familie auf mich stolz ist“, hatte Lukas Mähr am Vortag gesagt. Das Schönste war geschafft, in den Stolz mischte sich Freude und Jubel.