Vom Traum zum Triumph: Mährs Reise zu Gold

Lukas Mähr und Lara Vadlau schreiben mit dem Olympia-Sieg vor Marseille Sportgeschichte.
Marseille Als Lukas Mähr und Lara Vadlau die Ziellinie des Medal Races überquerten, waren sie sich nicht sicher, ob es für Gold gereicht hatte. Sie freuten sich zunächst über Edelmetall, immerhin hatten sie den direkten Konkurrenten Spanien im Medal Race hinter sich gelassen. Dass ihre Leistung zum Olympiasieg gereicht hatte, bestätigte erst Coach Morgan Reeser, der per Finger eine Eins symbolisierte.

Für den Bregenzer Mähr war dieser emotionale Moment das vorläufige Ende einer langen Reise, die vor 24 Jahren begonnen hatte. „Olympia war immer mein Antrieb. Roman (Hagara; Anm.) und Hans-Peter waren meine Idole nach ihrem Olympiasieg in Sydney 2000. Ich kann mich erinnern, wie sie ein Jahr später in Friedrichshafen waren. Eine Autogrammkarte von ihnen zu haben, war für uns als Zehnjährige das Größte. Für mich war damals schon klar, ich möchte auch einmal zu Olympia“, blickt der Segler.
Die Spiele blieben ständig im Hinterkopf, Mähr lebte seinen Traum und wurde von seinem Heimatverein tatkräftig unterstützt. „Im Yachtclub Bregenz gab es immer starke Segler, mit Fritz Trippolt hatten wir einen super Jugendwart. Der Vorstand hat den Spitzensport unterstützt“, erinnert sich der 34-Jährige.

Lange an der Seite von Bargehr
Sportdirektor Matthias Schmid sprach nach dem Olympiasieg von einem Puzzle mit 1000 Steine, die am Ende alle zusammenpassen müssen. Dieses Bild nahm Mähr auf: „Es sind so viele Faktoren, die sich ineinander gefügt und mir geholfen haben.“ 2007 kam er mit seinem Segelpartner David Bargehr in den damaligen Sportservice (heute Olympiazentrum). „Dort wurde der olympische Spirit gelebt und später unter Sebastian Manhart durchgezogen. Das Olympiazentrum Vorarlberg ist für mich die absolute Heimat des Spitzensports“, sagt Mähr.
Viele Jahre segelte Mähr an der Seite von Bargehr im 470er. Das Bregenzer Duo, das unter anderem 2017 eine WM-Medaille gewann, verpasste jedoch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 und 2021. Die Abschaffung der 470er-Männer-Klasse sorgte für das erzwungene Ende des Yachtclub-Teams. Der Bregenzer spielte anschließend mit dem Gedanken, seine Karriere zu beenden.

Eine offene Rechnung
In Marseille dauerte es lange, bis die neuen Olympiasieger nach zahlreichen Gratulationen und einem schier endlosen Interviewmarathon im Athletenbereich zur Ruhe kommen konnten. In diesem Moment klingelte das Telefon von Mähr, Bargehr meldete sich aus seiner neuen Heimat Miami. „Wir haben zehn Minuten gesprochen. Es war ein feines Gespräch. David ist ein wichtiger Baustein dessen, weshalb ich jetzt hier stehe. Von ihm konnte ich viel für meine Kampagne mit Lara mitnehmen“, zeigte sich Mähr emotional.
![ABD0003_20211108 – NEUSIEDL AM SEE –
STERREICH: ++ HANDOUT ++ ZU APA0065 VOM 8.11.2021 – Lara Vadlau kehrt nach fnf Jahren Pause in den Spitzensport zurck. Die zweifache Welt- und Europameisterin im Segeln wird mit Lukas Mhr als Vorschoter im nun Mixed-470er den Versuch starten, sich fr die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu qualifizieren. […]](/2024/08/ABD0003-20211108-1-768x546.jpg)
Als Vadlau nach einer fünfjährigen Pause, in der sie ihr Medizinstudium abschloss, wieder in den Sport zurückdrängte, war die Paarung mit Mähr eine logische. Die beiden kannten sich bereits viele Jahre und sie verband neben ihrem unbedingten Willen zum Erfolg eine Rechnung, die sich noch offen hatten. „Olympia war die Sache, die für mich noch nicht abgeschlossen war“, erinnert sich Mähr, „wir haben alles auf diese Spiele ausgelegt.“ Mähr hatte zweimal die Qualifikation für Olympia verpasst. Vadlau nahm 2012 und 2016 zwar teil, doch in Rio war sie an der Seite von Jolanta Ogar als große Favoritin ins Rennen gegangen und landete nur auf Rang neun.

Der Entscheidung, sich gemeinsam ins Boot zu setzen, gingen trotzdem viele Überlegungen voraus. Vadlau galt als schwieriger Charakter, Mähr hatte bereits eine Familie gegründet. Und das Leben als Segelprofi ist nur sehr bedingt familienkompatibel. Doch die offene Rechnung mit Olympia nagte am heute 34-Jährigen. Er wollte diese Chance nicht ungenutzt lassen.
„Besser geht’s nicht“
Drei Jahre später haben sich die Investitionen der vergangenen Jahre ausgezahlt. Vadlau und Mähr sind Olympiasieger und schrieben damit gleich mehrfach Sportgeschichte. Sie holten die erste Goldmedaille für Österreich bei den Spielen in Paris, für den Segelverband (OeSV) war es der erste Olympiasieg seit 2004 in Athen, als Hagara/Steinacher im Tornado ihr zweites Gold einheimsten. Damit schließt sich für Mähr ein Kreis, sein ehemaliges Idol Hagara ist inzwischen als Leiter der Technologieabteilung im OeSV. „Luki ist der perfekte Athlet. Er kümmert sich um alles, was das Boot betrifft. Dazu kommt Lara mit ihrem Gefühl. Das ist eine perfekte Kombination. Besser geht’s nicht“, streute Hagara seinen Nachfolgern Rosen.

Die Magie des Sports
„Sport begeistert einfach die Menschen. Es ist die Energie und die Magie des Sports, der ihn für uns Athleten so schön macht. Das ist unbezahlbar und unerklärlich“, zeigte Mähr Emotionen. Seinen Olympiasieg konnte er zunächst gar nicht glauben. Erst die Goldmedaille räumte seine letzten Zweifel aus. Jetzt ist er 64 Jahre nach dem Schützen Hubert Hammerer, der 1960 in Rom Gold gewann, erst der zweite Olympiasieger aus Vorarlberg.