
“Ein Gefühl, das ich wieder erleben möchte”
Vanessa Nussbaumer (27) ist zurück und nach einer langen Leidenszeit voller Tatendrang.
Sibratsgfäll 975 Tage musste sich Vanessa Nussbaumer gedulden, ehe sie wieder das Glücksgefühl eines Wettkampfs fühlen durfte. Anfang Dezember 2025 konnte die 27-Jährige endlich einen Schlussstrich unter ihre lange Leidens- und intensive Trainingszeit setzen. “Es war nicht immer lustig, es gab sicherlich viele Auf und Abs, doch ich hatte immer das eine Ziel vor Augen.”
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Die Bregenzerwälderin will zurück in die Weltcupgruppe der ÖSV-Speed-Damen.
Knapp fünf Jahre (9. Jänner 2021) sind seit ihrem Weltcupdebüt in St. Anton ins Land gezogen. Jahre, in denen Nussbaumer auch in persönlicher Hinsicht gewachsen ist und in denen sie nicht mit geschlossenen Augen durchs Leben ging. “Es gibt viel Schlimmeres, als in einem Rennen nicht ganz vorne dabei zu sein. Das wird einem gerade in der Weihnachtszeit bewusst.” Umso mehr schätzt sie das familiäre Umfeld ihrer Heimatgemeinde Sibratsgfäll. “Ich mag dieses Gefühl der Geborgenheit. Du kommst mit allen ins Gespräch. Gerade in der Zeit der Verletzung hat mir diese Dorfgemeinschaft zusätzlich Halt gegeben.”

Lange den Schmerz verdrängt
Der Blick zurück fällt inzwischen sachlich und nüchtern aus, wenngleich die Zeit der Rückkehr sich in die Länge zog. Es war Ende November 2023, als sich im Training für die Weltcupabfahrt in Copper Mountain bei einem Sturz auf einer aggressiven Piste der rechte Fuß der Vorarlbergerin mehrmals verdrehte, sie einen Trümmerbruch im rechten Unterschenkel erlitt und noch in den USA (Vail) operiert wurde. So endete die Saison 2023/24, noch ehe sie begonnen hatte, mit einem die Knochen stabilisierenden Marknagel und Krücken (“Sie waren drei Monate mein Wegbegleiter”) für die Heimreise.

Zurück im Ländle begann für die ÖSV-B-Kaderläuferin die Reha im Olympiazentrum in Dornbirn. Dabei musste sie lernen, Geduld zu haben und die kleinen Schritte zu schätzen. Doch sie hatte ihre Familie stets zur Seite und fand in den OZ-Mitarbeitern Philipp Konnerth sowie Anna Ludescher zwei wichtige Wegbegleiter und Vertraute in Sachen Trainingssteuerung und Physiotherapie. “Anna musste mich auch anhören, wenn ich nicht so gut drauf war. So wurde sie in der Zeit mehr und mehr auch meine Mentaltrainerin”, schmunzelt Nussbaumer, wenn sie im VN-Gespräch ihre Blicke zurückschweifen lässt. Alles lief nach Plan im Sommer 2024, allein die Schmerzen im operierten Fuß wollten sich nicht “verabschieden”.

“Aufgeben war nie eine Option für Vanessa Nussbaumer. Gestärkt als Persönlichkeit ist sie zurück.”

Dem setzte sie im Jänner 2025 ein Ende und beendete die Saison vorzeitig. “Ich konnte meine Leistung einfach nicht abrufen, die Schmerzen im Skischuh waren einfach zu groß. Dabei hatten wir alles probiert, auch Carbonschoner versucht, es nützte alles nichts. So habe ich mich dann entschieden, den Nagel entfernen zu lassen.” Anschließend unterzog sich Nussbaumer in Innsbruck bei Dr. Christian Hoser einer Stoßwellentherapie, um das Zusammenwachsen der Bruchstelle zu fördern. “Nach drei, vier Wochen konnte ich schon wieder frei Skifahren”, erzählt sie. Damit machte die “ganze Schinderei wieder Sinn”.

Die Rückkehr in den Rennmodus genießt sie in vollen Zügen, wenngleich jetzt erneut der harte Weg über den Europacup wartet. Doch die Tochter eines Skilehrers (“Ich bin am Krähenberg aufgewachsen und habe mit eineinhalb Jahren skifahren gelernt”) will kämpfen, will sich neu beweisen. Das aktuell so starke Weltcup-Speedteam hat sie als Ziel vor Augen und mit Gedanken an ihre ersten Weltcuppunkte – 2022 Platz 25 in der Abfahrt von Crans Montana – sind zusätzliche Motivation. “Ein richtig cooler Moment. Der gesamte Fanclub war im Zielbereich. Ein Gefühl, das ich wieder erleben möchte.”
