Klobuk dol! (Hut ab!)

Sport / 04.01.2026 • 10:24 Uhr
Klobuk dol! (Hut ab!)

Toni Innauer und seine Sicht auf “Überflieger” Domen Prevc.

Unmittelbar an der österreichischen Grenze lebend, hat Domen Prevc eine von “unserem Skisprungevangelium” erstaunlich unabhängige sportliche Prägung erfahren.
Allenfalls gab es den traditionell-exklusiven Austausch zwischen den slowenischsprachigen Achomitzer Springern und den “Smucarski skakalci” jenseits des Wurzenpasses.
Hut ab vor der Originalität dieser kleinen und doch so großen Skisprungnation, die sich stolz und mutig immer an ihren eigenen Ideen orientiert hat.

In Innsbruck gibt es eine letzte Chance zum Einfangen des slowenischen Flugalchemisten. Bischofshofen dürfte ihm naturgemäß zu gut liegen.
Domen wird in seiner mit Flugenergie aufgeladenen “Körper-Ski-Kapsel” geduckt und erstaunlich flach über den Bergisel-Vorbau schleichen. Die geheimnisvoll verwaltete Energie wird erst ganz unten in der Fallphase freigelassen und wirksam…

Der erfolgreiche österreichische Weg dagegen weiß (fast) alles über den balanciert-wuchtigen Absprung. Dieses Kernelement macht unabhängiger von Schanzengröße und Windrichtung. Und doch gab es sie, die “Rock ’n Roller”, die erfolgreichen Ausreißer vom klassischen rot-weiß-roten Erfolgsweg. Z. B. Andreas Felder oder Andi Widhölzl. Wie Prevc suchten sie instinktiv den kürzesten Flugpfad, auf der Kippe zwischen Genie und Absturz über den Vorbau und unten weg vom Hang. Ihre Trainer hielten immer kurz die Luft an, bis eine bange Sekunde nach dem Abheben endlich doch der “Wind in die Streben” fuhr und das System “biss”. Funktioniert hat der Hazard nur in Hochform und ganz selten nur bei Rückenwind.

Domen Prevc hat – nach jahrelangem spektakulärem Versuch und Irrtum – den Stein der Weisen für das Unmögliche, für eine sichere Verknüpfung von wirkungsvollem Absprung und schnellem Tiefflug gefunden. Seine übernatürliche Beweglichkeit im Sprunggelenk spielt er dabei mehrfach aus.
Erstens agiert er am Tisch mit einem verlängerten Beschleunigungsweg. Vergleichsweise gemächlich d-r-ü-c-k-t sich Domen aus einer einzigartig zusammengefalteten Hocke ab. Sein Oberkörper kann dabei windschlüpfrig geduckt bleiben. Als “Langhuber” vermeidet er eine zu starke Vorwärtsdrehung, wie sie z. B. den schnellkräftigen Manuel Fettner mit ähnlich tiefer Oberkörperposition immer wieder aus der Flugbalance wirft.
Zweitens hilft Prevcs hypermobiles Sprunggelenk, ähnlich wie seinerzeit bei Janne Ahonen, die Latten sofort nach der Kante in die günstige Anströmrichtung zu hieven. Er fliegt schon “im Niemandsland” aktiv, wo andere noch auf das erlösende Einrasten des Flugsystems warten müssen.

Zusätzlich und drittens lieben die Sprungrichter seine elegant federnde Landung. Obwohl seine linke Ferse am Ski bleibt, kann er mit dem Knie fast seinen Vorderski berühren.
Versuchen Sie das einmal … nicht unbedingt am Bergisel!