Neues Jahr ohne Glück

Sport / 13.01.2026 • 12:53 Uhr
Neues Jahr ohne Glück

Marc Girardelli über Rückschläge und Ernüchterung zum Weltcupstart 2026.

Nach einem vielversprechenden ersten Drittel der Skisaison hat das neue Jahr für das österreichische Team einen herben Dämpfer gebracht. Ausgerechnet in einer Phase deutlich ansteigender Form verletzte sich Katharina Liensberger im Training, kurz darauf erwischte es Magdalena Egger in Zauchensee. Zwei Athletinnen mit realistischen Medaillenchancen für die Olympischen Spiele fallen damit aus – ein schwerer Rückschlag für das Team.

Auch bei den Herren scheint der zuletzt erkennbare Aufwärtstrend vorerst ins Stocken geraten zu sein. Die Schweizer haben Österreich im Nationencup wieder überholt. Der Blick auf diese Wertung bleibt allerdings umstritten: Während sie statistische Tiefe belohnt, sagen gesammelte Punkte von Athleten im hinteren Klassement wenig über sportliche Strahlkraft aus. Entscheidend bleiben letztlich Spitzenplätze und Siege – jene Ergebnisse, die Aufmerksamkeit erzeugen und den Sport prägen.

Auffällig ist zudem, dass sich mittlerweile auch prominente Namen im hinteren Bereich der Ergebnislisten wiederfinden. Allen voran Alexander Aamodt Kilde. Der einstige Dominator der Speed-Rennen wirkt seit seiner schweren Verletzung in Wengen vor zwei Jahren weit entfernt von früherer Stärke. Trotz intensiver Arbeit und sichtbarer Unterstützung – auch durch Mikaela Shiffrin – findet der Norweger keinen Rhythmus. Wenig überraschend deshalb seine Absage für Wenger. Zumal seine aktuell sehr defensive Fahrweise lässt kaum Hoffnung auf eine kurzfristige Wende zu, insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Klassiker. Umso größer ist die Sorge, dass damit auch das Risiko einer erneuten Verletzung steigt.


Ein weiteres Kapitel betrifft Marcel Hirscher. Nach monatelangem, intensiv dokumentiertem Training hat sich der achtfache Gesamtweltcupsieger nun selbst aus dem Renngeschehen zurückgezogen – zumindest für diese Saison. Trotz regelmäßiger Social-Media-Einblicke scheint Hirscher erkannt zu haben, dass der Weg zurück an die absolute Weltspitze steiniger ist als erhofft. Über die wahren Gründe seines Rückzugs lässt sich nur spekulieren. Naheliegend ist jedoch die enorme Doppelbelastung: Ein Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern zu führen und gleichzeitig Weltcup-Niveau zu erreichen, verlangt Außergewöhnliches. Am Ende dürfte es eine Frage der Prioritäten sein.

Das neue Jahr hat damit vor allem eines gebracht: Ernüchterung. Verletzungen, Formkrisen und offene Zukunftsfragen prägen das Bild – und zeigen einmal mehr, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Rückschlag im Spitzensport ist.