Das bleibt ein Leben lang Erinnerung …

Sport / HEUTE • 17:15 Uhr
Eine ganz persönliche Erinnerung an den Olympiasieg von Franz Klammer 1976 in Innsbruck. PETER STRAUSS
Ein ganz persönliches Erinnerungsfoto an den Olympiasieg von Abfahrer Franz Klammer 1976 in Innsbruck.peter strauss

Bei Franz Klammers Olympiasieg 1976 in Innsbruck mittendrin und nicht nur dabei . . .

Schwarzach In den kommenden Tagen werden wieder Hunderte Millionen Sportfans vor den Bildschirmen mitfiebern, wenn bei den Olympischen Spielen in Italien in 116 Bewerben Entscheidungen fallen. Schon im Vorfeld der ersten Bewerbe wird an zwei historische Olympia-Ereignisse erinnert: an die drei Goldmedaillen von Toni Sailer vor 70 Jahren in Cortina und an den Olympiasieg von Franz Klammer 20 Jahre später am 5. Februar 1976 am Patscherkofel.

Königsdisziplin Herren-Abfahrt

Für Skisportfans steht auch heuer unbestritten die Entscheidung in der Herren-Abfahrt im Mittelpunkt. Sie war schon immer die Königsdisziplin der Olympischen Spiele. Auch vor 50 Jahren. Vom 22. Dezember 1973 (Schladming) bis zum 25. Jänner 1976 (Kitzbühel) hatte Franz Klammer 14 Weltcup-Abfahrten gewonnen und für ganz (Ski-)Österreich war es ausgemachte Sache, dass der Kärntner auch Olympiasieger wird.

Das bleibt ein Leben lang Erinnerung …
Franz Klammer ist im abschlusstraining mit einem Lochski auf die Strecke gegangen, um die k
Konkurrenz zu irritieren.

Mehr als 60.000 erwartungsvoll gestimmte Fans pilgerten an jenem 5. Februar vor 50 Jahren zum Patscherkofel, um dabei zu sein, wenn ihr Idol die Erwartungen erfüllt und einen Wimpernschlag schneller als seine 55 Konkurrenten über die 3020 Meter lange Strecke rast.

Vor über 40 Jahren raste Franz Klammer bei der Olympia-Abfahrt in Innsbruck zu Gold. APA
Vor 50Jahren raste Franz Klammer bei der Olympia-Abfahrt in Innsbruck zu Gold.  APA

Einfach in die erste Reihe . . .

40 der 55 standen noch am Start, als Kaiser Franz nach 1:45,73 Minuten im Ziel abschwang, aber für die Zuschauer war das Rennen gelaufen. Irgendwo brach eine Absperrung und die Fans drängten in den Zielauslauf zu ihrem Olympiasieger. Ich hatte das Privileg einer “Poleposition”, denn schon lange vor dem Start hatte ich mich – heute unvorstellbar – irgendwie in diesen Zielraum gemogelt und auf einen Strohballen gesetzt – sozusagen in die erste Reihe.

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Franz Klammer und sein Widersacher Bernhard Russi. apa

Bernhard Russi hat es geahnt

Schon mit Startnummer 3 hatte Bernhard Russi Bestzeit markiert, schnallte seine Ski ab und setzte sich neben mich auf die Strohballen. Er registrierte erleichtert, dass Co-Favorit Herbert Plank gut eine halbe Sekunde zurückblieb. Seinem Landsmann Philippe Roux fehlten 63 Hundertstel.

Minuten später blankes Entsetzen bei Zehntausenden an der Strecke: Franz Klammer lag bei der ersten Zwischenzeit drei Zehntel hinter Russi. Auch bei ihm Enttäuschung, sein Minenspiel sprach Bände – sein Blick ging von der Anzeigetafel in den Schnee vor seinen Skischuhen und halb zu sich selbst und halb zu Philippe Roux murmelte er enttäuscht: “Ich hätte sieben Zehntel gebraucht.” Erst viel später realisierte ich, was er damit meinte: Aus den Trainingszeiten leitete er ab, dass er bis zur ersten Zwischenzeit klar schneller als Klammer sein sollte, denn im Mittel- und Schlussteil würde er verlieren. So kam es dann auch – Russi verlor ab der ersten Zwischenzeit bis ins Ziel sechseinhalb Zehntel, deutlich mehr als sein Guthaben von 0,3 Sekunden – und Klammer wurde mit 0,33 Sekunden Vorsprung Olympiasieger. Hätte der Schweizer – wie er selbst errechnete – bis zur Zwischenzeit statt drei, sieben Zehntel Guthaben herausgefahren, wäre die Goldmedaille so wie vier Jahre zuvor in Japan auch in Innsbruck an Bernhard Russi gegangen – Vorsprung 0,07 Sekunden auf Klammer . . .

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Franz Klammer, Egon Zimmermann und Angelika Neuner bei der Eröffnungszeremonie 1976 in Innsbruck. ap

Für einmal echte Platzangst

Eine Zahlenspielerei, die mich in diesem Moment nicht interessierte, mir ging es in diesem Augenblick einzig darum, in diesem furchteinflößenden Gedränge, in dem ich erstmals richtig Platzangst verspürte, ein ganz persönliches Erinnerungsfoto zu schießen. Als Kaiser Franz dann plötzlich auf Schultern gehoben wurde, tat sich die Chance auf. Schnell ein Foto – und dann nichts wie raus aus diesem Gedränge. Der Einsatz hat sich gelohnt – Olympiasieger Franz Klammer hat einen Ehrenplatz in meinem Fotoalbum. STP