“Den Benni hat’s am Start zerrissen vor Kraft”

Vor 20 Jahren krönte sich Benjamin Raich in Turin zum Doppel-Olympiasieger. Ein Jahr zuvor war der Pitztaler der große Star der Ski-WM in Bormio: fünf Starts, fünf Medaillen.
Bormio Es gibt sie nicht, die allgemeingültige Formel für den garantierten Erfolg. “Aber”, hakt Benjamin Raich ein, “wenn du in der Vorbereitung alles Menschenmögliche unternommen hast, steigert das zumindest die Chancen, dass es dann auch klappt.” Garantie sei das aber keine.
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War es auch nicht, als Raich 2005 zur Ski-Weltmeisterschaft nach Bormio anreiste. Mit im Gepäck das ehrgeizige Vorhaben, in fünf Entscheidungen zumindest nach Edelmetall zu greifen. Der Rest ist ein weltmeisterliches Stück Alpin-Geschichte: Gold im Slalom und der Kombination, Silber im Riesentorlauf und dem Teambewerb, und Bronze im Super-G. “Ich bin in einen Flow gekommen und es ist einfach alles aufgegangen”, sagt der Pitztaler, und der Stolz ist immer noch hörbar.

Das Monsterprogramm hatte freilich auch eine ausgeklügelte Vorbereitung vorausgesetzt. “Durch die vielfältigen Herausforderungen, die die ganzen Disziplinen mit sich gebracht hatten, haben wir auch das Kraft- und Konditionstraining auf ein neues Level gehoben.” Stets an Raichs Seite: Vertrauens-Coach Gerhard Außerlechner. “Im Vorfeld der Weltmeisterschaften ist Bennis Papa zu mir gekommen und meinte: ‚Ich kenne meinen Buben, dem Benni ist das a bisserl zu viel.‘ Also drückte man gemeinsam die Stopp-Taste.” Außerlechner: “Ich habe zu Benni gesagt: ‚Bitte, sei mutig. Eine Woche Pause, kein Training, nur Koordination. Essen, schlafen und alles andere lassen.‘” Während also alle anderen schufteten, ließ der damals 26-Jährige die Seele baumeln. Und stand wenige Tage später energiegeladen am Super-G-Start, als hätte er in einer Steckdose übernachtet. Oder wie es Außerlechner formulierte: “Den Benni hat’s zerrissen am Start vor Kraft.”

Wie alle Allzeitgrößen hat auch Raich in der Regel dann geliefert, wenn es um alles ging. “Es stimmt schon, dass ich unter Druck ganz besonders funktioniert habe.” Und als er in Bormio so von Erfolg zu Erfolg raste, bestand die einzige Gefahr darin, sich in der vermeintlichen Leichtigkeit des Seins zu verlieren. “Deshalb bin ich schon stolz, dass ich bis zum abschließenden Slalom voll fokussiert geblieben bin.”

Weil die Sport-Welt freilich vielmehr knallharte Arbeit als schwer erklärbarer Flow ist, setzte es ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Turin/Sestriere erst einmal Nackenschläge, die es zu verdauen gab. Nach Abfahrt und erstem Slalom-Durchgang klar in Front, fädelte Raich auf dem Weg zum erträumten Kombinations-Gold ein. Auch der Super-G ging daneben, ehe im Riesentorlauf dann doch die goldene Stunde schlug. Der abschließende Slalom, der mit einem rot-weiß-roten Dreifachtriumph endete – Raich vor Reinfried Herbst und Rainer Schönfelder – war nur noch die veredelte Draufgabe. Und Raich ein für alle Mal ein österreichischer Skiheld. Max Ischia