Altach zitterte sich zum perfekten Start

Sport / 08.02.2026 • 16:28 Uhr
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Der Mann des Spiels aus Altacher Sicht: Mohamed Ouédraogo erzielte den Siegtreffer, musste dann aber mit Gelb-Rot vom Platz. gepa

Nach dem Cupsieg legte der heimische Bundesligist zum Frühjahrsstart mit einem 1:0 gegen BW Linz nach.

Altach Der SCR Altach legte unter Cheftrainer Ognjen Zaric nach. Nach dem erstmaligen Einzug ins ÖFB-Cupfinale gelang nun auch der erste Liga-Heimsieg gegen BW Linz. Überzeugend war der Auftritt beim 1:0-Sieg jedoch nicht. Vielmehr musste bis zur letzten Sekunde gezittert werden, weil das Team aus Oberösterreich mehr Spielanteile hatte und auch dominanter auftrat. Altach muss man zugutehalten, dass Einsatz und Wille passten, spielerisch jedoch vieles verbesserungswürdig ist.

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Denkwürdig war das Spiel vor allem aus Klubsicht. Denn mit Timo Müller saß erstmals wieder ein “waschechter Altacher” auf der Bank in einem Bundesligaspiel. Mit seinen erst 16 Jahren gehört der Defensivmann in erster Linie dem Juniors-Kader an, doch nicht erst seit der Wintervorbereitung, wo er auch im Trainingslager mit den Profis weilte, zählt er zum erweiterten Kreis der Spieler. Damit ist der erst 16-jährige Nachwuchs-Nationalspieler Müller der vierte Altacher nach Adi Hütter (55), Enrico Pfister (43) und Mathias Bachstein (39), der es in den Profi-Spieltagskader schaffte. Pfister ist mit 186 Spielen die Nummer eins vor Hütter (50) und Bachstein (1).

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Erstmals im Bundesligakader: Altach-Urgestein Timo Müller. VN

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18. Spieltag

SCR Altach – FC BW Linz 1:0 (1:0)

Altach, Stadion Schnabelholz, 5039 Zuschauer, SR Florian Jäger (S)

Tor: 28. 1:0 Ouédraogo

Gelbe Karten: 34. Sandro Ingolitsch (Altach), 71. Pasic, 74. Maranda, 90./+ 5 Mensah (alle BW Linz/alle Foulspiel)

Gelb-Rote Karte: 75. Ouédraogo (Altach/Foulspiel – Unsportlichkeit)

SCR Altach (3-4-3) Stojanovic – Milojevic, Zech, Jäger – Sandro Ingolitsch, Demaku, Bähre, Ouédraogo – Hrstic (78. Yalcin), Diawara (69. Benjamin), Greil (87. Lukas Gugganig)

FC BW Linz (3-4-3) Mantl – Pasic, Maranda, Moormann – Dahlqvist, Briedl (78. Fofana), Cvetko (65. Conde), Pirkl (84. Bumberger) – Goiginger (65. Ronivaldo), Weissman, Simon Seidl (78. Mensah)

Sportlich durfte nach 28 Minuten erstmals gejubelt werden. Nach zerfahrenem Spielbeginn und einer Schrecksekunde nach einem Zusammenstoß von Benedikt Zech mit einem Teamkollegen war es eine neue Eckballvariante, die für den Führungstreffer der Heimischen sorgte. War der “Trick” im Cup gegen Sturm noch unausgegoren, so funktionierte er gegen BWL bestens. Patrick Greil trat den Ball kurz auf Vesel Demku, der flach auf Mohamed Ouédraogo abklatschen ließ, und Letzterer jagte das Leder mit links in die Maschen (28.). Für den 23-Jährigen war es erst der zweite Treffer im 53. Bundesligaspiel. Kurz vor der Pause sah Ouédraogo erstmals Gelb. Zu allem Überfluss holte sich der Linksverteidiger in der Schlussphase noch die zweite Gelbe Karte ab und musste so nach 75 Minuten vorzeitig unter die Dusche, inklusive einer Sperre für das Spiel in Hartberg.

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Torjubel von Mohamed Ouédraogo (links) mit Ousmane Diawara, Sandro Ingolitsch und Benedikt Zech. gepa

Altach wie Manchester United

Im Training einstudiert, am Samstag bei Uniteds Sieg über Tottenham (2:0) nochmals bestätigt – und am Sonntag selbst nachgelegt. Es war der perfekte Eckball-Trick und er war perfekt ausgeführt und noch schöner abgeschlossen als jener der “Red Devils” aus Manchester. “Wir wussten, dass wir den Raum bekommen”, sagte der SCRA-Coach danach. Und Vorlagengeber Demaku meinte: “Um eines gleich klarzustellen: Es war für uns schon am Freitag klar, dann haben einige von uns am Samstag das Tor von Manchester gesehen. Atdhe (Anm. d. Red.: Cotrainer Atdhe Nuhiu) hat es mir gestern noch einmal geschickt und geschrieben: So machen wir das auch! Dass es dann so aufgeht, ist einfach nur geil.”

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Benedikt Zech musste nach einem Zusammenstoß mit dem Kopf kurz behandelt werden, konnte aber weiterspielen. gepa

Zuvor hatte sich Altach schwergetan, in der Offensive Möglichkeiten zu kreieren. Zumal die Linzer bestrebt waren, das Spiel zu gestalten und sehr forsch und selbstsicher auftraten. Doch mit dem Tor öffneten sich neue Räume – und so hätte nur fünf Minuten später Srdjan Hrstic nachlegen können, ja müssen. Von Diawara ideal in Szene gesetzt, scheiterte der Angreifer allein vor BWL-Goalie Nico Mantl (33.). Es sollte der letzte Aufreger vor der Halbzeit, in der die Gäste mehr Spielanteile hatten, bleiben.

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Schwierige Schlussphase

Mit Seitenwechsel änderte sich nicht viel an der Charakteristik des Spiels. Wieder waren es die Gäste, die die Initiative übernahmen, wieder begann Altach schaumgebremst. Es überraschte doch, mit welch großem Selbstvertrauen der Tabellenletzte sein Spiel durchzog, während Altach vor allem spielerisch keine Akzente zu setzen vermochte. Einzig die von Greil getretenen Eckbälle funktionierten und brachten Verwirrung. Im Abschluss jedoch verhinderte stets ein Bein eines Linzers einen Hauch an Gefährlichkeit.

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SCRA-Torhüter Dejan Stojanovic war in der Schlussphase gefragt. gepa

Das änderte sich in Minute 70, als Demaku nach einem weiten Einwurf von Ouédraogo im Strafraum plötzlich Freiheiten vorfand, sein Schuss aus kurzer Distanz jedoch das Tor verfehlte. Die Aktion war allerdings der sichtbare Beweis dafür, dass Altach nun besser im Spiel war. Eine Phase, die nicht lange anhalten sollte, weil man sich durch einen Ausschluss schwächte und aus dem Konzept brachte. Nun gehörte die Schlussphase den Gästen, die offensiv wechselten und durch Mamadou Fofana (81.) auch eine große Ausgleichsmöglichkeit ausließen. Sein Schuss wurde zu einer sicheren Beute von Torhüter Dejan Stojanovic.

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Und Altachs Schlussmann rückte mehr und mehr in den Mittelpunkt, weil sich Ouédraogo zu einer dummen Unsportlichkeit hinreißen ließ und vorzeitig unter die Dusche musste. In Unterzahl verlegten sich die Hausherren auf die Verteidigung des Vorsprungs, was letztlich auch gelang.

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Christopher Cvetko gegen Ousmane Diawara. gepa

Gespaltene Gemütslage

Dank dem sechsten Saisonsieg hält Altach in der Tabelle nun bei 24 Punkten und liegt in Griffweite zu Platz sechs, den Rapid mit 26 Zählern innehat. Wichtig zudem, dass man den Abstand zum Tabellenende weiter vergrößern konnte. Worüber sich auch Siegtorschütze Ouédraogo freuen konnte, auch wenn seine Gemütslage gespalten war. „Ich habe gesagt, wenn wir den Trick so machen, dann treffe ich. Aber es tut mir leid, dass wir wegen meines Ausschlusses am Ende noch zittern mussten.“