Silberjunge Jonas Müller sorgt für Stadion-Atmosphäre

Vorarlberger Rodel-Ass sorgte mit Olympiasilber für Ausnahmezustand im Österreichhaus.
CORTINA D’Ampezzo–BLUDENZ Rund drei Stunden nach dem größten Erfolg seiner Karriere führte der Weg von Jonas Müller ins Österreichhaus, dem Olympia-Hotspot dieser Winterspiele. Schon aus der Ferne waren bei seinem Eintreffen die “Wir wollen den Jonas sehen”-Rufe zu hören, beim Eingang und im “Spielertunnel”, der das Jägerhaus mit der Gala Hall verbindet, standen gut 200 Fans, darunter auch zahlreiche internationale Gäste des Austria-Tourism-Abends, Spalier.

Der Vorarlberger sorgte jedenfalls für ein erstes “Beben”. Es herrschte Ausnahmezustand mit Stadion-Atmosphäre, als der Silbermedaillengewinner unter den Klängen der inoffiziellen Bundeshymne “I am from Austria” die Bühne betrat. Das Dach des in die Gala Hall umgewandelten Heustadels drohte ein erstes Mal wegzufliegen. Die Emotionen kochten über, auch bei Müller selbst: “Einfach gewaltig. So viele Leute, so viele rot-weiß-rote Fahnen. Mir fehlen die Worte.”
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Worte des Dankes
Inmitten seines größten Erfolges galten die ersten Worte des frischgebackenen Olympia-Zweiten seinen engsten Wegbegleitern. “Danke an meine Familie, meine Trainer, mein gesamtes Team und speziell an meine internen Konkurrenten. Es bedeutet mir echt viel, dass ihr beim Feiern dabei seid und im Zielraum die ersten Gratulanten wart”, sagt der 28-jährige Bludenzer in Richtung seiner Teamkollegen Nico Gleirscher und Wolfgang Kindl.

Zu den ersten Gratulanten auf der Bühne zählten Bundeskanzler Christian Stocker, ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer, ÖOC-Vizepräsident und ÖRV-Präsident Markus Prock sowie ÖOC-Generalsekretär Florian Gosch.


Müllers Eltern aus Deutschland
Müller begann als Siebenjähriger mit dem Rodelsport, sein Nachbar war Trainer im Rodelclub Bludenz, die Nachbarin Andrea Tagwerker war 1994 Olympia-Bronzemedaillengewinnerin. “In Bludenz habe ich es dann ausprobiert, es hat mir gefallen. Anfangs habe ich es eher so als Hobby gesehen. Im Jugendbereich haben die Reisen angefangen.” Bald einmal ging es nach Lettland, im Juniorenbereich erstmals nach Amerika. “Dann war irgendwann klar, dass es mein großes Ziel ist, ganz vorne hinzukommen.” Müllers Eltern kommen aus der Nähe von Frankfurt und hatten mit Rodeln nichts zu tun. Mittlerweile sind sie große Fans und auch bei Rennen dabei. So auch in Cortina, wie fast die ganze Familie, Freundin und Freunde. “Das bedeutet mir sehr viel. Ich freue mich, dass ich sie jetzt im Österreichhaus sehe. Wir trinken ein paar Bier und ich hoffe, dass es eine lange Nacht wird.” Der Song des Tages sei eindeutig “My Name is Jonas”.

Alles begann vor 20 Jahren
Der zuvor angesprochene Nachbar ist Manfred Heinzelmaier. Der Ex-Rodler und aktuelle Präsident des heimischen Verbandes hat maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der Vorarlberger, die somit nahtlos in die Fußstapfen der Olympiadritten von 1994, Andrea Tagwerker, und deren Vater und Ehrenpräsident Helmut Tagwerker traten. Es war vor gut 20 Jahren, als eine 20-köpfige Gruppe rund um die Weltklasserodler Jonas und Yannik Müller (26) sowie Thomas Steu (32) zusammenkam. Und laut Heinzelmaier wartet schon die nächste Generation auf ihre Einsätze im Weltcup.



Heute können die Jugendlichen im Eiskanal Bludenz ihre ersten Erfahrungen sammeln. Mehr als 10.000 Fahrten wurden in Hinterplärsch in diesem Winter bereits gezählt. Damals jedoch, so erinnert sich Heinzelmaier, “habe ich acht Wochenenden im Winter mit den Jungs und Mädels in Innsbruck am Bergisel verbracht. Da sind wir viele Kilometer gefahren.” Ein “besonderes Dankeschön” gibt es vom 63-Jährigen in Richtung Sportmittelschule Nüziders, wo man in puncto Trainingsstunden auf offene Ohren stoße, sowie an die Sportabteilung des Landes, deren Unterstützung “großartig” sei. Bestens sind auch die Erinnerungen an den jungen Jonas. “Er war schon damals immer locker drauf und vor allem schnell. Der schnellste Starter im Feld. Ein echtes Naturtalent, der sich selbst durch viele Stürze nicht beirren ließ. Allein das Kurvenfahren musste er lernen.” Heinzelmaier beschreibt Jonas Müller als absoluten Sport-Allrounder. “Er ist auf dem Snowboard gut, spielt Tennis, Golf und Fußball. Er hat einfach ein gutes Gefühl für Sportarten.


Fanfahrt zum Teambewerb
Schon jetzt ist klar, dass die Rodler am Donnerstag, beim Teambewerb, noch mehr lautstarke Unterstützung aus dem Ländle erhalten. “Wir werden gut 30 Personen sein”, sagt Heinzelmaier, der Österreichs Mannschaft rund um Jonas Müller Chancen auf Gold zutraut. Nach Geburtstagskind Steu, der gestern 31 Jahre alt wurde und 2022 Silber und Bronze holte, kann es also eine fünfte Olympiamedaille für den RC Bludenz geben.


