Verantwortung leben, Schutz gewährleisten

Das neue Kinder- und Jugendschutzkonzept für Sportverbände
und -vereine ist mehr als ein wichtiger Leitfaden.
Altach In einem engen Austausch haben der Vorarlberger Fußballverband (VFV) sowie der ASVÖ Vorarlberg ein umfangreiches Kinder- und Jugendschutzkonzept ausgearbeitet. Das 48 Seiten starke Konzept bietet einen klaren Leitfaden für verantwortungsvollen Kinder- und Jugendsport. Nun gilt es, dieses Konzept in die Vereine zu tragen und es somit auch mit Leben auszufüllen. Dessen ist sich auch Andreas Kopf, Geschäftsführer Sport beim VFV, bewusst.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Deshalb wird innerhalb des Verbandes schon jetzt versucht, alle U14-Mannschaften direkt in Workshops einzubinden. „Dazu laden wir jeweils sechs Vereine ein, in denen zwei Führungsspieler innerhalb der Mannschaft gewisse Dinge ansprechen müssen. Dasselbe wird dann eine Woche später mit jeweils zwei Trainern durchgeführt. Ziel ist es nun, ein drittes Modul zu installieren, in dem wir die Eltern aktiv miteinbeziehen wollen“, so der 58-Jährige.

Im Fußball, so Kopf, sei man sich der Verantwortung bewusst. Deshalb schärfe man seit Jahren immer wieder die Maßnahmen. So auch jüngst bei STRUMA-Strafen im Nachwuchsbereich. Zwar ist die Zahl der Vorfälle nicht gestiegen, die Hemmschwelle für Gewalt jedoch deutlich gesunken. Neben Geldstrafen für Vereine bzw. Sperren für Spielerinnen oder Spieler muss der jeweilige Nachwuchsleiter des Vereins die Vorkommnisse mit den Aktiven bzw. deren Eltern verpflichtend aufarbeiten und auch dokumentieren. „Wir im Verband haben seit geraumer Zeit aufgehört, wegzuschauen. Wir stellen uns ganz bewusst der Thematik.“ Ein weiterer Schritt ist das Angebot von elf Rufseminaren für Vereine in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).
Im Laufe des Jahres soll bei den Fußballvereinen das Installieren eines Schutzbeauftragten verbindlich werden. „Das Projekt muss in Persona gelebt werden“, ist Kopf überzeugt. Dafür werde man Anfang Oktober Schulungen für sogenannte „Kümmerer“ anbieten. Wichtig sei aus VFV-Sicht die enge Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft in Feldkirch.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Beispiele aufgezeigt
Der stetige Austausch zwischen Nicole Böhler (KIJA) und Oliver Mattle (Leiter Kinderfußball VFV) bei Grenzüberschreitungen zeigt die Notwendigkeit ständiger Anpassungen. „Das zeigen auch die Vorfälle in Altach, zumal sich der Verein schon länger mit der Thematik auseinandersetzt“, so die Pädagogin und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es in „jedem Verein, egal im Sport oder in der Kultur, und zu jeder Zeit“ passieren kann. Böhler, die seit elf Jahren in der Kinder- und Jugendanwaltschaft arbeitet, ortet stetig intensiver werdende Fälle und nannte anlässlich der Informationsveranstaltung konkrete Beispiele wie über Handys verbreitete Nacktfotos, problematische Duschsituationen für Trainer und Jugendliche. Gerade in Bezug auf Mobbing fehle bei moralischen Grenzüberschreitungen oftmals eine strafrechtliche Relevanz oder altersbedingt eine Strafmündigkeit.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Für Böhler ist das Konzept ein wichtiger Schritt für mehr Bewusstsein. Das gelte für den Schutz der Kinder und Jugendlichen im Sport genauso, wie für deren Betreuer:innen. Nicht zuletzt die Vorfälle in Altach haben gezeigt, wie sensibel das Thema ist – und wie wichtig klare Strukturen und konsequentes Handeln im Nachwuchssport sind.