Ein Comeback mit Signalwirkung

Max Halbeisen meldet sich mit EM-Limit und drei Bestzeiten eindrucksvoll zurück.
Dornbirn Nach einer monatelangen Zwangspause meldet sich Schwimm-Ass Max Halbeisen in beeindruckender Manier auf die internationale Bühne zurück – und setzt gleich mehrere Ausrufezeichen. Der 22-jährige Dornbirner überzeugt mit Bestzeiten, Klassensiegen und neuem Selbstvertrauen.

Der Moment, auf den Max Halbeisen lange hingearbeitet hatte, kam an diesem Wochenende in Linz. Beim Internationalen Gugl Sprint Meeting meldete sich der HLSZ-Sportsoldat nach einer schwierigen Verletzungsphase eindrucksvoll zurück – schneller, kräftiger und, wie es scheint, gefestigter als zuvor.

Dabei hatte im vergangenen Sommer wenig darauf hingedeutet, dass diese Rückkehr so verlaufen würde. Ende Juli, unmittelbar vor den Staatsmeisterschaften in Wolfsberg, musste sich der Dornbirner einer Operation an der linken Schulter unterziehen. Wiederkehrende Belastungsentzündungen der langen Bizepssehne hatten diesen Schritt notwendig gemacht. Für den Titelverteidiger über 100 und 200 Meter Rücken bedeutete das: zuschauen statt starten.
Zweifel und Geduld
Was folgte, war eine Phase der Unsicherheit. Acht Wochen lang war an Schwimmtraining nicht zu denken, erst danach tastete sich Halbeisen langsam zurück ins Wasser. Der Weg zurück zur alten Form schien ungewiss. „Nach der Operation war ich mir lange Zeit nicht sicher, ob es eine Rückkehr ins Schwimmbecken geben wird und ob ich jemals wieder annähernd jenes Leistungsniveau wie vor der Operation erreichen werde.“

Die Rehabilitation absolvierte Halbeisen großteils in Dornbirn, in der Physiotherapie seines Vaters Hanno. Was zunächst wie ein Rückschritt wirkte, brachte auch unerwartete Fortschritte: intensive Arbeit an Kraft und Stabilität. „Ich habe in den ersten Monaten notgedrungen aufgrund der lädierten Schulter enorm viel Krafttraining gemacht und dabei rund sieben Kilogramm an Muskelmasse zugelegt.“
Drei Siege und ein EM-Limit
Dass sich diese Arbeit bezahlt gemacht hat, zeigte sich nun in Linz eindrucksvoll. Halbeisen sicherte sich drei Klassensiege und stellte in allen Bewerben neue persönliche Bestzeiten auf.

Besonders bemerkenswert: sein Auftritt über 50 Meter Freistil. Im A-Finale schlug er nach 22,27 Sekunden an – nicht nur persönliche Bestleistung, sondern auch klar unter dem OSV-A-Limit von 22,43 für die Langbahn-EM vom 31. Juli bis 16. August in Paris. Gleichzeitig bedeutet diese Zeit Rang zwei in der ewigen österreichischen Bestenliste hinter den 22,05 Sekunden des Kärntners Heiko Gigler, aufgestellt im Mai 2021 in Budapest.
Auch in den Rückenbewerben überzeugte Halbeisen. In 25,47 Sekunden über 50 Meter sowie 55,54 Sekunden über 100 Meter verpasste er die EM-Norm jeweils nur hauchdünn. „Ich bin natürlich überglücklich, dass meine Rückkehr so vielversprechend ausgefallen ist. Es ist gleichzeitig eine Bestätigung, dass ich in der Rehazeit meine Hausaufgaben erledigt habe. Zudem gibt es mir Kraft und Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Ich befinde mich auf dem richtigen Weg, die Marschrichtung passt.“

Knapp an internationaler Spitze
Dass Halbeisen auf diesem Weg bereits zuvor angekommen war, zeigte er bei seinem EM-Debüt 2024 in Belgrad. Dort stellte er bei allen drei Starts persönliche Bestmarken auf – und verpasste die Halbfinaleinzüge jeweils nur knapp. Über 200 Meter Rücken belegte er mit 2:02,07 Minuten Rang 19 und fehlte um 0,44 Sekunden auf die nächste Runde. Über 50 Meter Rücken blieb er erstmals unter 26 Sekunden und verpasste das Halbfinale um lediglich 0,06 Sekunden. Auch über 200 Meter Lagen stellte er eine neue Bestzeit auf, der Rückstand auf die Top 16 betrug exakt eine Sekunde.

Ein Comeback mit Perspektive
Rückblickend wirkt diese Serie knapper Entscheidungen wie ein Signalschuss auf den nächsten Schritt. Halbeisen, Absolvent des Sportgymnasiums Dornbirn und mittlerweile beim Welser TV (OÖ) gemeldet, hat sich nicht nur zurückgekämpft – er hat sich weiterentwickelt.
Sein Comeback in Linz ist mehr als eine Momentaufnahme. Es ist ein Signal: Dass Rückschläge Teil eines sportlichen Weges sein können, der am Ende wieder nach vorn führt. Und dass Geduld, Disziplin und Vertrauen in den eigenen Körper manchmal genau jene Faktoren sind, die über Erfolg oder Zweifel entscheiden.