Enorme Doping-Kollateralschäden abseits der Sportstadien

Toni Innauer über den Schummler Donald Trump und andere Politiker.
Wer verliert schon gern? Manche können es gar nicht. Sport, auch Golf, ist eine bewährte Schule des Scheiterns. Es schmerzt, wenn man gewohnt ist, zu erhalten, was man möchte. Je nach Phlegma und emotionaler Flexibilität gehen wir unterschiedlich mit Misserfolg um. Dabei heißt nicht zu gewinnen noch lange nicht, als Mensch gescheitert zu sein. Der Zweite gilt nur in einem pervertierten Umfeld als “erster Verlierer”.
Aus so einer Familie stammt einer der berühmtesten Golfer der Welt, ein Buch über ihn heißt “Der Mann, der nicht verlieren kann”. Und es geht nicht um Tiger Woods. Nein, die Figur, die Rick Reilly beschreibt, ist Donald Trump. Als Unternehmer, Politiker und eben auch Golfer. Er spielt sehr gut für sein Alter, und er gewinnt immer. Kann das sein?
Ja, weil er ein notorischer Schummler ist, der sich einen Dreck um die Spielregeln schert, auch nicht beim Golf. Regeln gelten für seine Kontrahenten. Er schwindelt bei jeder Gelegenheit, weil er gewinnen muss, weil er ein ewiger Sieger sein muss.
Essenzielle Lektionen des Sports konnten ihn weder erreichen noch formen. Auch weil er sich seine eigenen Golfplätze und Mitspieler kaufen konnte.
Er schwindelt unterhaltsam, notorisch und völlig ohne Skrupel, seine Bodyguards helfen ganz selbstverständlich mit.
Bekanntermaßen wurden die jungen Trumps schon als Kinder auf Sieger, auf “Killer” gedrillt. Der Psychiater Arno Gruen (in “Der Wahnsinn der Normalität”) erklärt das Entstehen skrupellos gefährlicher Männlichkeit. Vor allem Buben wird von Vater UND Mutter frühzeitig jegliches Mitgefühl konsequent abtrainiert. Empathie soll dem zukünftigen Anführer bei gnadenlosen Entscheidungen später nicht im Weg stehen. Statt Mitgefühl werden Posen der Überheblichkeit einstudiert, um den unwiderstehlichen Eindruck von natürlicher Autorität, Härte und Kompetenz auszustrahlen.
Tiger Woods’ imposantes Muskelprofil kombiniert mit seinen seltsamen Fehltritten lassen Insider über Nebenwirkungen von Medikamentenmissbrauch, im Sport auch Doping genannt, spekulieren. Menschen denken, fühlen, entscheiden und handeln völlig anderes, wenn sie z. B. Steroide nehmen. Typischerweise aggressiver, furcht- und rücksichtsloser. Nicht nur im Sport, wo man besonders hellhörig für derartig abweichendes Verhalten ist.
Hypertroph-männliche Politikerfiguren, von Trump bis Putin, ignorieren globale Spielregeln und verwüsten gerade per Faustrecht den Planeten, ohne auch nur im Ansatz müde oder belastet zu wirken. Wie der golfende Präsident der USA erwecken sie alle den Eindruck, die erwähnte Empathie-Austreibung als Kinder genossen zu haben und später noch in Miraculix’ anabolen Zaubertranktopf gefallen zu sein.
Beides ist nicht so abwegig; schon die Zentralkomitee-Mitglieder der DDR interessierten sich seinerzeit persönlich für die fantastischen Möglichkeiten des staatlich geförderten Medikamenten-Dopings. “Erich Honecker, Vorsitzender des ZK, hat sich die Wirkung von Anabolika und Neuropeptiden mehrmals erklären lassen. Seine Leibärztin war besonders an den libidosteigernden Nebenwirkungen interessiert …” (in Brigitte BERENDONK; Doping)