Als der Kapitän Geschichte schrieb: Rekordsieg und der erste Pokal

Sport / 19.05.2026 • 13:13 Uhr
Erster VFV Cupsieger nach der Wiedereinführung wurde Rekord-Gewinner Rätia Bludenz.
Das erste VFV-Cupfinale nach der Wiedereinführung 1977 endete mit dem bis heute bestehenden 10:0-Rekordsieg des FC Rätia Bludenz. thomas Knobel

Vor 50 Jahren stemmte Bludenz-Kapitän Walter Sturm die Trophäe in die Höhe.

Bludenz Vor 50 Jahren begann im Vorarlberger Fußball eine neue Ära, als der VFV-Cup nach seiner Wiedereinführung erstmals ausgespielt wurde und damit ein Bewerb entstand, der bis heute für Emotionen, Überraschungen und unvergessliche Geschichten steht. Zum Jubiläum blickt die Sportredaktion der “VN” zurück auf die größten Momente – und stoßen gleich zu Beginn auf ein Finale, das bis heute alles überragt und sinnbildlich für den Zauber dieses Wettbewerbs steht.

Rätia Bludenz Kapitän Walter Sturm durfte als Erster den Pokal in die Höhe stemmen. VN-TK
Rätia-Kapitän Walter Sturm durfte als Erster den Pokal in die Höhe stemmen. VN-TK

1977, Bürs, Platzeröffnung – schon der Rahmen hätte kaum passender sein können für ein Spiel, das Geschichte schreiben sollte. Rätia Bludenz trifft im Endspiel auf den SV Ludesch. Am Ende steht ein 10:0 – der höchste Finalsieg in der Geschichte des VFV-Cups, aufgestellt gleich im ersten Jahr nach der Wiedereinführung des Bewerbs, ein Rekord, der bis heute Bestand hat und der diesem Spiel einen festen Platz in den Annalen des Vorarlberger Fußballs sichert.

Kapitän und Libero

Im Zentrum dieses historischen Erfolgs stand der Kapitän: Walter Sturm. Als Libero war er das taktische Gewissen der Mannschaft, organisiert die Defensive, leitet den Spielaufbau ein und gab seinem Team jene Stabilität, die große Siege erst möglich macht. Während vorn die Tore fallen, sorgt er im Hintergrund für Ordnung und Übersicht – und ist es schließlich auch, der nach dem Schlusspfiff den Pokal in die Höhe stemmt. Als erster Spieler überhaupt. Ein Moment, der bleibt.

„Das bleibt für mich stets in ewiger Erinnerung, das werde ich nie und nimmer vergessen. Es ist schon etwas ganz Spezielles. Das ist mir erst jetzt so richtig bewusst geworden“, sagt Sturm heute über diesen Tag, der für ihn zu den Höhepunkten einer langen Karriere zählt.

Spaziergang durch die Innenstadt von Bludenz: Walter Sturm erzählte von seinem Cupsieg. VN-TK
Spaziergang durch die Innenstadt von Bludenz: Walter Sturm erzählte von seinem Cupsieg. VN-TK

Der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich, denn nur kurz zuvor hatte Bludenz den Abstieg aus der Staatsliga verkraften müssen, nach 24 Spielen auf höherer Ebene, die trotz des sportlichen Rückschlags Eindruck hinterließen. „Die Zeit war trotzdem etwas Besonderes“, erinnert sich Sturm, der auch die enorme Resonanz im Land nicht vergessen hat, als rund 4000 Zuschauer zum ersten Heimspiel kamen – Zahlen, die die Bedeutung des Fußballs in dieser Zeit eindrucksvoll unterstreichen.

Bekannte Namen und Persönlichkeiten

In der Landesliga findet sich die Mannschaft neu und beendet die Saison auf Rang vier, doch im Cup wächst sie über sich hinaus, nicht zuletzt durch einen Spieler namens Thomas Schelling, der gleich fünf Treffer erzielte. Hinter dem Team standen Trainer Cäsar Minoretti und Betreuer Helmut Kischka, die die Grundlage für diesen Erfolg legen, in einer Zeit, in der Prämien keine Rolle spielen. „Wir haben aus Freude gespielt, nicht fürs Geld“, sagt Sturm, und genau diese Haltung prägt auch die Feier danach im Rätia-Clubheim, wo der Triumph gemeinsam erlebt wurde – bodenständig, emotional und unvergessen.

Dass diese Mannschaft in dieser Form nicht lange zusammenbleibt und sich bald auflöst, verleiht diesem Erfolg im Rückblick zusätzliche Bedeutung, denn er bleibt einmalig, ein Moment, der nicht wiederholbar scheint und gerade deshalb seinen besonderen Platz in der Geschichte einnimmt.

Ein Kapitel Fußballgeschichte

Für Walter Sturm wird dieses Finale zum zentralen Kapitel seiner Laufbahn, die von 1964 bis 1999 reicht und ihn später auch auf die Trainerbank führt, unter anderem in Bludenz, Thüringen und St. Gallenkirch. „Ich habe schon viel dem Fußballsport verschrieben“, sagt er rückblickend – ein Satz, der sich in diesem einen Spiel verdichtet, in diesem 10:0, in diesem Moment, als er den Pokal hebt und damit nicht nur ein Finale gewinnt, sondern ein Kapitel Vorarlberger Fußballgeschichte mitschreibt. VN-TK