“Der Traum vom Profi wäre fast geplatzt”

Statt Bewerbungen für einen Job zu schreiben, kickt der Feldkircher Damjan Kovacevic jetzt in der 2. deutschen Bundesliga.
Feldkirch “Eigentlich hatte ich den Traum vom Fußball schon aufgegeben. Ich kann mich gut erinnern, als ich im Dezember 2024 in meiner Wohnung in Hartberg gesessen bin und auf Google nach Vorlagen für Job-Bewerbungen gesucht habe”, erinnert sich der in Feldkirch groß gewordene Damjan Kovacevic an ganz dunkle Zeiten zurück.

Denn nach seinem Wechsel mit 18 Jahren von der Akademie Vorarlberg im Sommer 2023 zum Bundesligisten TSV Hartberg lief ganz wenig nach Wunsch des heute 21-Jährigen. Der pfeilschnelle Rechtsaußen fand nur schwer Anschluss bei dem damals von Markus Schopp trainierten Bundesligateam.
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Rückschlag im Altersheim
Dennoch: Kovacecic biss auf die Zähne und kämpfte sich zu seinem Bundesligadebüt am 24. April im Spiel gegen den SK Sturm, als er in der 82. Minute eingewechselt wurde. Doch nur wenige Monate später der nächste Knick in seiner Laufbahn. “Ich habe dann meinen Zivildienst in einem Altersheim im burgenländischen Neudau angetreten. Dort hat mich die Chefin aber aus mir unerklärlichen Gründen nicht erlaubt, am Tag mit der Profimannschaft mitzutrainieren. Plötzlich sah ich mich nur mehr mit der zweiten Mannschaft trainieren, der Weg zu den Profis war nicht mehr gegeben”, so der 21-Jährige.

Neun Monate lang konnte sich Kovacevic fußballerisch nicht seinem damaligen Trainer Manfred Schmid zeigen, “ich bin gefühlt jeden Tag zur Chefin des Altersheims gegangen und habe regelrecht darum gebettelt, um trainieren zu dürfen. Aber da kam nichts”.
Hartberger Bibelkreis
Rund um Weihnachten 2024 befasste sich Kovacevic schon mit dem Ende seiner Fußballträume, “ich war mental total am Boden. In dieser Zeit nahm ich dann regelmäßig an einem Bibelkreis in Hartberg teil. Dort habe ich durch den Glauben an Jesus wieder Kräfte bekommen, die mir im Frühjahr 2025 meinen Traum vom Fußballprofi wieder zurückgebracht haben”.

Von der Tribüne ins ÖFB-Cupfinale
Der gebürtige Steirer, der mit zwei Jahren nach Vorarlberg kam und in Folge alle Altersklassen bei der Akademie Vorarlberg durchlief, traute sich nach Ende des Zivildienstes gar nicht mehr beim Training der Hartberger aufzutauchen. Erst nach einem Whattsapp-Austausch mit Coach Schmid startete Kovacevic wieder durch. “Er kannte mich ja eigentlich nicht, gab mir dennoch eine Chance. Und ich habe in den nächsten vier Wochen alles, was ich in mir hatte, in den Trainings rausgehauen, habe nach jeder Einheit fast gekotzt”, so der Rechtsaußen, der just beim SCR Altach eingewechselt wurde und sich fortan in die Startelf spielen konnte. Mit dem krönenden Abschluss der Saison 2024/25 ÖFB-Cupfinale gegen den Wolfsberger AC. “Das war eine wahnsinnige Zeit. Das Halbfinale gegen Austria Wien habe ich noch auf der Tribüne gesehen, war meilenweit vom Team weg. Und dann stand ich in der Startelf im Cupfinale.”

Heute, ein Jahr später, hat Kovacevic einen Drei-Jahres-Vertrag beim deutschen Zweitligisten Eintracht Braunschweig in der Tasche. “Man kann schon sagen, dass ein Traum von mir in Erfüllung gegangen ist. Jetzt heißt es aber erst richtig Vollgas geben, denn ich will mich in Deutschland etablieren”.
ÖFB-Co als Cheftrainer
Die Vorzeichen dafür stehen aber schon mal gut, denn mit Eintracht-Chefcoach Lars Kornetka, aktuell auch noch Co-Trainer des österreichischen Nationalteams, und Ex-Teamspieler Stefan Kulovits hat der Feldkircher zwei Förderer in Braunschweig. “Die Gespräche mit Kornetka, der nach der WM den vollen Fokus auf Braunschweig legt, waren richtig gut. Er, und auch Kulovits, sehen in mir einen Spieler, der in ihre Philosophie passt und den sie unbedingt weiter bringen möchten. Genau, das, was ich brauche. Und habe dabei auch keine Angst davor, dass man mir auch mal Feuer unterm Allerwertesten macht”.
Ende Juni geht es für den 21-Jährigen Richtung Braunschweig, die neue Wohnung wartet schon. Die Job-Bewerbungen kann er jedenfalls in der Schublade in Hartberg lassen.