Einfaches Eishockey, unermüdliche Arbeit

So will Janne Grönvall die Pioneers konkurrenzfähig machen.
Feldkirch Noch genießt Janne Grönvall den Sommer in Finnland. Vor wenigen Tagen gaben die Pioneers Vorarlberg bekannt, dass der 52-Jährige den Trainerposten in Feldkirch übernimmt. „Anfang August startet dann das Training in der Vorarlberghalle“, bestätigt der neue Chef hinter der Bande.
Dem Verein gelang mit dieser Verpflichtung ein bemerkenswerter Schachzug. Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger absolvierte während seiner aktiven Laufbahn mehr als 800 Partien in der finnischen Liiga und gewann 2003 mit Tampere die Meisterschaft. Darüber hinaus sammelte er wertvolle Erfahrung in der nordamerikanischen AHL, der schwedischen Elitserien sowie der DEL und trug sogar das Trikot des finnischen Nationalteams.
Nach seiner aktiven Karriere prägte Grönvall über viele Jahre den Nachwuchs- und Profibereich von Tampere. Zuletzt war er als Assistenztrainer bei Vaasan Sport in der finnischen Liiga tätig. „Ich bin bereit, meine eigenen Ideen als Headcoach umzusetzen und den Pioneers ein neues, strukturiertes System zu geben“, erklärt Grönvall. Gespräche mit Vorgänger Johannes Nygård und Budapest-Coach Timo Saarikoski überzeugten ihn endgültig. Grönvall kommt jedoch nicht alleine nach Vorarlberg, sondern bringt seinen langjährigen Vertrauten Marko Ojanen als Co-Trainer mit. „Wir kennen uns schon lange, haben gemeinsam gespielt und viele Jahre hinter der Bande zusammengearbeitet. Wir sprechen buchstäblich dieselbe Sprache“, freut sich der Headcoach auf das blinde Verständnis im Trainerbüro.
Herkulesaufgabe und klares Konzept
In der Montfortstadt wartet auf das finnische Duo allerdings eine Herkulesaufgabe. Nach Wochen der Unsicherheit rund um die Zukunft des Vereins haben Michael Lampert und Co. eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden gestampft. Das Trainerteam muss nun innerhalb weniger Wochen eine schlagkräftige Truppe formen. „Das werden sehr intensive Wochen. Für mich ist wichtig, dass wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln“, dämpft er überzogene Erwartungen, zeigt aber gleichzeitig einen klaren Plan auf. Der Ex-Verteidiger fordert ein einfaches, aber kompromissloses Eishockey: „Aggressives Verteidigen in allen drei Zonen und der direkte Zug zum gegnerischen Tor, sobald wir den Puck erobern.“ Ein wildes Hin und Her soll es nicht geben. „Das ist taktisch nicht kompliziert zu verstehen, braucht jedoch Zeit, bis die Spieler das verinnerlicht haben“, erklärt Grönvall. Mit Ausnahme von Roni Allén und Neuzugang Ville Immonen, der zuletzt unter Grönvall spielte, kennt der neue Coach noch keinen Akteur: „Ja, dass wird eine schwierige Aufgabe aber ich brenne darauf, loszulegen.“
Krisenerproberter Motivator
Dass der zweifache Familienvater auch in stürmischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahrt, bewies er vergangene Saison bei Vaasan Sport. Als der Club finanziell ins Trudeln geriet, Top-Spieler verkaufen musste und der Cheftrainer wechselte, war es Grönvall, der die verbliebene Mannschaft als Motivator zusammenhielt. „Solche Situationen haben auch etwas Gutes: Man lernt, Ruhe zu bewahren und Störfeuer von außen konsequent auszublenden.“
Sich selbst beschreibt der neue PIV-Coach als ehrlichen, ruhigen und kontaktfreudigen Typen. Doch wenn es um Einsatzbereitschaft geht, weiß der Finne aus eigener Erfahrung genau, was es heißt, sich durchzubeißen: In den 90er-Jahren wagte er ohne ein Wort Englisch den Sprung nach Nordamerika. Genau diese unermüdliche Arbeitseinstellung fordert er nun auch von seinem neuen Team ein. „Gelingt das, dann macht Eishockey in Feldkirch Spaß.“


