Der König der Königsklasse

Alexander Bösch holt erstmals ÖM-Gold bei den Vierspännern und erfüllt sich den Traum bei WM in Aachen.
Rankweil Alexander Bösch hat in seiner Laufbahn bereits vieles erreicht. Nun ist dem 32-jährigen Rankweiler jener Erfolg gelungen, der seine Entwicklung im österreichischen Fahrsport eindrucksvoll unterstreicht: Bei den Staatsmeisterschaften in Altenfelden sicherte er sich erstmals den Titel bei den Vierspännern – und das ausgerechnet in jener Saison, in der er seinen sportlichen Fokus vollständig auf die anspruchsvollste Disziplin des Fahrsports gelegt hat.
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Mit seinen Pferden Finesse 374, Levisto 3, Daddys Sunshine 2, Franz Josef 19 und Freestyle 3 setzte sich Bösch gegen die nationale Konkurrenz durch und krönte damit eine Saison, die für ihn kaum besser hätte verlaufen können. Beim nationalen Championat entschied der Rankweiler sämtliche drei Teilbewerbe – Dressur, Marathon und Kegelfahren – für sich und sicherte sich mit großem Vorsprung erstmals die österreichische Staatsmeisterschaft in der Königsdisziplin des Fahrsports. Der Titelgewinn markiert den bisherigen Höhepunkt einer Saison, in der sich der 32-Jährige erstmals ausschließlich auf den Vierspännersport konzentriert.

„Ich freue mich riesig über diesen Erfolg. Im ersten Jahr, in dem ich mich ganz auf den Vierspännersport konzentriere, gleich Staatsmeister zu werden, ist ein großer Erfolg für mein gesamtes Team. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Bösch. Der Erfolg sei deshalb nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch das Ergebnis jahrelanger gemeinsamer Arbeit mit seinem Umfeld.
Königsdisziplin verlangt Perfektion
Das Vierspännerfahren gilt als Königsdisziplin des Fahrsports. Anders als bei Ein- oder Zweispännern müssen hier vier Pferde mit unterschiedlichen Charakteren und Stärken zu einer harmonischen Einheit geformt werden. Zwei sogenannte Stangenpferde laufen direkt vor dem Wagen, zwei Vorderpferde führen das Gespann an. Jede kleinste Unstimmigkeit kann sich unmittelbar auf das Gesamtergebnis auswirken.



Gefordert sind Fahrer und Pferde in drei völlig unterschiedlichen Teilbewerben. In der Dressur stehen Präzision, Harmonie und Gehorsam im Mittelpunkt. Beim Marathon müssen Gespann und Fahrer auf einer anspruchsvollen Geländestrecke Tempo, Ausdauer und Wendigkeit beweisen. Den Abschluss bildet das Kegelfahren, bei dem enge Tore fehlerfrei durchfahren werden müssen. Jeder gefallene Ball kostet Strafpunkte – und oft auch entscheidende Platzierungen.
Gerade diese Vielseitigkeit macht den Reiz der Disziplin aus, verlangt den Teilnehmern aber gleichzeitig höchste Konzentration und eine intensive Vorbereitung ab. Nicht nur der Fahrer muss Höchstleistungen bringen, auch die vier Pferde müssen körperlich und mental perfekt aufeinander abgestimmt sein.
Außergewöhnlicher Karriereweg
Der Staatsmeistertitel besitzt für Bösch noch aus einem weiteren Grund besonderen Stellenwert. Mit dem Triumph bei den Vierspännern komplettiert er eine bemerkenswerte Sammlung nationaler Titel. Bereits zuvor war er österreichischer Champion bei den Einspännern und Zweispännern geworden. Hinzu kommt ein Staatsmeistertitel bei den Pony-Zweispännern.
Damit gehört der Rankweiler zu den wenigen österreichischen Fahrsportlern, die in sämtlichen Anspannungsarten nationale Titel gewinnen konnten. Die Vielseitigkeit, die dafür erforderlich ist, gilt innerhalb der Szene als außergewöhnlich. Denn jede Gespannklasse stellt eigene Anforderungen an Technik, Taktik und Pferdemanagement.
Der Traum von Aachen
Nach dem nationalen Titel wartet bereits die nächste große Herausforderung. Der Österreichische Pferdesportverband hat Bösch für die Weltmeisterschaften der Fédération Equestre Internationale (FEI) in Aachen nominiert. Die bevorstehende Multi-WM, bei der sechs Reitsportdisziplinen ausgetragen werden, findet von 11. bis 23. August statt und zählt zu den bedeutendsten Veranstaltungen des internationalen Pferdesports. Die westlichste deutsche Großstadt, die an die Niederlande und Belgien grenz, gilt als das weltweite Mekka des Reitsports


Trotz der erfolgreichen Saison bleibt Bösch realistisch. „Die Top 10 werden sich wohl nicht ausgehen. Ziel ist eine Platzierung in der ersten Hälfte oder im ersten Drittel des maximal 50 Gespanne umfassenden Starterfeldes.“
Noch größer als das sportliche Ergebnis ist für ihn jedoch die emotionale Bedeutung der Teilnahme. „Damit geht für mich in diesem Jahr ein Traum in Erfüllung. Ich war vor fünf oder sechs Jahren als Zuschauer beim CAIO in Aachen. Seit damals habe ich davon geträumt, dort selbst einmal fahren zu dürfen. Dass dieser Traum jetzt Wirklichkeit wird, bedeutet mir unglaublich viel.“
Über den eigenen Sport hinaus
Neben seinen sportlichen Ambitionen engagiert sich Alexander Bösch gemeinsam mit seinem Bruder Stefan auch als Veranstalter. Auf dem Pferdehof Bösch in Rankweil organisieren sie gemeinsam mit dem Gespannfahrverein Montfort jährlich Reit- und Fahrturniere und tragen damit wesentlich zur Förderung des Pferdesports in Vorarlberg bei.

Mit dem Premierentitel im Vierspänner hat Bösch nun einen weiteren Meilenstein erreicht. Gleichzeitig zeigt die bevorstehende Weltmeisterschaft, dass die Entwicklung des Rankweilers noch lange nicht abgeschlossen ist. Der nationale Erfolg ist für ihn nicht das Ende eines Weges, sondern der Ausgangspunkt für die bislang größte internationale Herausforderung seiner Karriere.