Unfalldrama und legendäres Comeback

Welche Folgen der Horrorunfall von Niki Lauda vor 50 Jahren auf dem Nürburgring für ihn und die Formel 1 hatte.
Nürburg Sonntag, 1. August 1976: Um 4.53 Uhr kollabierte die Reichsbrücke (durch den frühen Morgenstunden „nur“ ein Todesopfer), weniger als zehn Stunden später schien Niki Laudas Karriere, wenn nicht sein Leben, im Feuerunfall in der zweiten Runde des deutschen Grand Prix auf dem Nürburgring zu Ende gegangen. Der damals 27-jährige Titelverteidiger war auf dem besten Weg zum zweiten Championat, führte nach neun von 16 Rennen mit 61 Punkten klar vor Jody Scheckter (31) und James Hunt (26). Nach Wochen in Lebensgefahr aufgrund der Brandwunden und der inhalierten Gase überlebte Lauda und bereitete sich trotz großer Schmerzen mit Hilfe von Ärzten und seinem Physiotherapeuten Willi Dungl auf die Rückkehr in die Formel 1 vor.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Schnelle Rückkehr
Am 7. September 1976 begann Laudas Comeback mit einem Geheimtest in Fiorano. Tags darauf fand die Pressekonferenz im Schloss Fuschl statt, in der Lauda seine Rückkehr in Monza am folgenden Wochenende bestätigte: „Es wird sicherlich ein sehr harter Beginn, denn die Konkurrenz hat inzwischen zwei Rennen mehr absolviert. Wenn es mir aber gelingt, den neuen Anlauf meiner Karriere wenigstens mit einem zehnten Rang abzuschließen, dann sehe ich für die Zukunft wieder meine Chance.“

42 Tage nach dem Unfall fuhr Lauda als Vierter in Monza ins Ziel. Unter höllischen Schmerzen und zeitweise mit Panikgefühlen.


Er hatte mit einer Rückkehr an die Unfallstelle beim Bergwerk nie ein Problem. 2006 traf er dort seinen Hauptretter Arturo Merzario und bedankte sich (spät) mit einer goldenen Rolex.

Als er von einer amerikanischen TV-Reporterin anlässlich der Dreharbeiten zum Ron-Howard-Film „Rush“ an der Unfallstelle interviewt wurde, fand er „zufällig“ sein „Ohr“ – ein mitgebrachtes Kipferl. Die Reporterin war darauf angeblich nervlich fertig.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.


So dramatisch der Feuerunfall und die wochenlange Lebensgefahr Laudas künftiges Leben bis zum Tod 2019 beeinflussten, so massiv waren auch die Auswirkungen auf den Rennsport, vor allem die Formel 1.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Bahnbrechende Maßnahmen
Die schon Mitte der 1960er-Jahre aufgebrochene Diskussion um Sicherheit der Piloten, Streckenposten und Rennstrecken, die vor allem von Jackie Stewart und Jochen Rindt angefacht worden war, erhielt mit den Ereignissen des 1. August 1976 noch mehr Bedeutung und führte zu mehreren Konsequenzen. Nicht nur, dass die 22,8 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife für die Formel 1 endgültig untragbar geworden war, rang sich der damalige Motorsportarm des Automobilverbands FISA zu drastischen Maßnahmen durch: Bereitstellung von Rettungshubschraubern und Streckenspitälern, feuerfeste Kleidung für Fahrer und Marshalls wurde verpflichtend. In den Autos wurden Sicherheitsstandards sukzessive angehoben.
Die größte Konsequenz von Laudas Unfall aber war das Ende der Formel 1 auf der Nordschleife nach 22 WM-Läufen seit 1951 und der (erst im Frühjahr 1977 beschlossene) Bau eines neuen „Rings“ nach modernen Standards, der 1984 eröffnet wurde und die Rückkehr der Formel 1 ermöglichte. GK