“Den Dämpfer musste ich erst mal wegstecken”

Austria Lustenaus Urgestein Pius Grabher über sein aktuelles Dasein auf der Ersatzbank.
Lustenau Vom unumschränkten Stammspieler zum Platzhalter auf der Ersatzbank der Austria: Pius Grabher, die Identifikationsfigur der Lustenauer Austria, hat in den vergangenen drei Monaten eine wahre Hochschaubahn der Gefühle erlebt.

Im Mai jubelte der heute 33-Jährige noch mit „seiner“ Austria über den zweiten Aufstieg aus der 2. Liga in die Bundesliga, nur um sich beim Comeback in Österreichs Oberhaus im Heimspiel gegen die SV Ried (1:1) auf der Ersatzbank wiederzufinden. Eine Situation, mit der sich der defensive Mittelfeldspieler nicht so schnell anfreunden konnte. „Es war alles in allem schon sehr überraschend für mich, als ich im Vorfeld der Partie vom Trainer mitgeteilt bekam, dass ich nicht in der Startelf stehe“, so Grabher mit offenen Worten. Und er erklärt weiter, „dass nach dem Hochgefühl durch den Meistertitel die Vorfreude im Urlaub auf das erste Bundesligaspiel im neuen Stadion schon sehr riesig war. Dabei dann von der Bank aus zuzusehen, tat im ersten Moment sehr weh. Es war ein Dämpfer, den ich erst mal wegstecken musste“.
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In dieser Situation half ihm auch das Gespräch mit dem Coach nur bedingt, „aber zumindest wurde es kommuniziert. Und ich weiß auch, dass solche Gespräche für alle Beteiligten nicht leicht sind. Aber es hat eben ein paar Tage gedauert, bis ich alles eingeordnet habe“, so Grabher, der bislang nicht weniger als 313 Pflichtspiele im grün-weißen Dress absolvierte.

Drei Spieltage später hat sich an seiner Situation innerhalb der Mannschaft nichts verändert, sehr wohl aber an der Herangehensweise des Routiniers, der es aus der Austria-Jugend zur Vereinsikone geschafft hat. „Unbestritten, der Ehrgeiz von Start weg zu spielen, ist immer noch da. Aber ich kann aufgrund meiner Erfahrung vieles anders einschätzen. Früher habe ich als Führungsspieler jenen Jungs, die es nicht in die Startelf geschafft haben, Mut gemacht durchzuhalten. Deswegen wäre es verkehrt, es nun selbst anders zu machen, nur weil ich eben in dieser Situation bin. Da will ich auch zum gewissen Grad ein Vorbild sein für meine Mitspieler“.

Seine Rolle innerhalb der Mannschaft hat sich laut Cheftrainer Markus Mader dennoch nicht verändert. Der Coach lobt seinen Routinier in höchsten Tönen. „Wie Pius mit der Sache umgeht, ringt mir Respekt ab. Er ist bei jedem Training mit vollem Einsatz dabei, kümmert sich auf und neben dem Platz um seine Mitspieler, steht mit Rat und Tat zur Seite. Alles nicht selbstverständlich, aber das macht ihn aus“, so Mader, der mit Grabher in den vergangenen Jahren alle Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt hat.
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Auch Grabher selbst sieht seine Aufgabe längst nicht nur auf die 90 Minuten am Spieltag beschränkt. „Ich bin und bleibe ein kommunikativer Mensch, will den Erfolg für die Austria. Auch wenn ich jetzt nicht von Beginn weg spiele. Deswegen versuche ich mich in vielen für die Mannschaft wichtigen Dinge einzubringen. Was aber am Spieltag auf dem Feld geschieht, kann ich jetzt weniger beeinflussen“, so der waschechte Lustenauer.

Hängen lassen war für den 33-Jährigen ohnehin nie ein Thema, „weil ich den Gefallen niemanden mache. Ich will bereit sein, wenn die Mannschaft mich braucht. Zudem bin ich ein Typ, der jetzt eine Schippe drauflegt“. Gleichzeitig gibt Grabher zu, „dass ich heute nicht mehr so mit den Ellbögen um den Stammplatz kämpfe wie früher als 22-Jähriger. Heute sehe ich das große Ganze, will meinen Mitspielern Hilfestellungen bieten. Das ist sicher dem Alter und der Erfahrung geschuldet“.
Ein Jahr hat die Vereinsikone bei der Austria noch Vertrag. An ein Ende seiner Karriere denkt Grabher aber nur bedingt, „weil ich mich so oder so weiter im Fußball sehe.“ Das Sportmanagement-Studium hat der 33-Jährige bereits in der Tasche. Und bevor sich irgendwann ein neues Kapitel öffnet, sollen noch einige Bundesligaspiele im grün-weißen Dress dazukommen. Grabher jedenfalls wartet auf seine Chance: „Ich weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann. Ich bin bereit“.