Wie Guus van Nes sein neues Pioneers-Team sieht

Feldkirch-Kapitän Guus van Nes über den jungen Kader, Ex-Klub Villach und das Saisonziel.
Feldkirch
Für Guus van Nes schloss sich im Sommer ein Kreis. Als die Pioneers die Rückkehr des 29-jährigen Niederländers fixierten, entschied nicht nur die sportliche Perspektive. Im Mai erblickte Tochter Emma Rose das Licht der Welt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisa, der Schwester von Tennisprofi Linus Erhart, schlug der Stürmer in Höchst seine Zelte auf. „Das Rheintal ist mein Zuhause geworden. Eine Rückkehr in die Niederlande kann ich mir nicht mehr vorstellen“, stellt van Nes klar. Die kurzen Wege zur Vorarlberghalle erleichtern zudem den Spagat zwischen Familie und Profialltag. „Das frühe Aufstehen nach kurzen Nächten ist derzeit die größere Herausforderung als jede Trainingseinheit“, gibt der Jungpapa unumwunden zu.

Der steinige Weg des Eishockey-Exoten
Aus den Niederlanden führt der Weg nur selten in den professionellen Eishockeysport. Mit 17 Jahren verließ van Nes seine Heimatstadt Dordrecht, um in den USA Fuß zu fassen. Wie so oft bei solchen Karrierewegen verband auch van Nes seine sportliche Weiterentwicklung in Übersee mit einer fundierten Ausbildung. An der Quinnipiac University, für deren Mannschaft er vier Jahre auflief, schloss er ein Studium in International Business und Marketing ab.
Im Herbst 2022 dockte er in Feldkirch an: „Mein Agent rief mich an einem Donnerstag an, am Samstag saß ich bereits im Flugzeug nach Vorarlberg.” Als Niederländer musste sich der 1,90 Meter große Stürmer jede Chance hart erkämpfen: „Gegenüber Kanadiern oder Skandinaviern zieht man als Eishockey-Exot oft den Kürzeren. Das hat mich nachhaltig geprägt und war wohl auch der Grund, warum ich wieder nach Europa gewechselt bin.“

Wiedersehen mit kriselndem Ex-Klub
Nach zwei Spielzeiten beim VSV kehrte van Nes in diesem Sommer nach Feldkirch zurück. Ausgerechnet die Adler fordern die Pioneers am 18. September zum Saisonauftakt. Das Duell erhält durch die akuten finanziellen Turbulenzen, in denen die Kärntner kurz vor Meisterschaftsbeginn stecken, besondere Brisanz. „Ich habe mit vielen ehemaligen Mitspielern weiterhin Kontakt. Die Ungewissheit belastet die Jungs in Villach spürbar. Niemand weiß genau, was in den nächsten Wochen passiert.“ Weil auch sein alter und neuer Verein das Antreten erst im Juni endgültig fixierte, erlebt van Nes die Situation in Villach umso greifbarer mit: „Eishockey ist ein teurer Sport. Trotzdem würde ich diesen Weg wieder wählen, auch wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Vereine und Spieler spürbar zuspitzen.“

Potenzial beim jüngsten Liga-Team
Auch die Feldkircher reagierten auf ihre finanziell angespannte Lage: Vom Kader des letzten Jahres sind nur wenige Akteure übrig geblieben. Nun läuft van Nes mit einer runderneuerten Truppe auf, die zugleich das mit Abstand jüngste Team der ICE-Mannschaften ist. „Unserem Kader fehlt schlicht die Routine“, analysiert der Stürmer nüchtern. Dennoch sieht van Nes viel Potenzial: „Spieler wie Oliver Lam oder Dominik Prodinger, die bei ihren früheren Klubs wenig Eiszeit erhielten, brennen auf ihre Chance.“

Dabei sei entscheidend die Handschrift des finnischen Trainerduos Marko Ojanen und Tony Virta: „Sie verordneten uns ein striktes System. Wir besitzen keine Einzelkönner, die Partien im Alleingang entscheiden können. Wir müssen extrem kompakt stehen und als geschlossene Einheit auftreten.“ Dennoch glaubt der 29-Jährige, der erstmals das „C“ auf seiner Brust trägt, fest an den Erfolg: „Unser klares Ziel lautet Platz zehn und die Qualifikation für die Pre-Play-offs.“ ABR