Vom ersten “Hajime” zum Olympiapodest

Sport / 08.10.2026 • 13:56 Uhr
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“Ich habe nicht Gold oder Silber verloren, ich habe Bronze gewonnen und bin überglücklich”, betonte Bettina Plank nach der 3:4-Halbfinalniederlage gegen die spätere Olympiasiegerin Iwet Goranowa aus Bulgarien. AP

50 Jahre Karate Vorarlberg. Eine Erfolgsgeschichte vom Breitensport bis zur Weltspitze.

Lauterach Was 1975 in Rankweil mit der Gründung des ersten Karatevereins begann, entwickelte sich zu einer internationalen Erfolgsgeschichte. Heute trainieren rund 2000 Menschen in 21 Vereinen. WM-Gold 1994 von Daniel Devigili und Olympia-Bronze 2021 in Tokio durch Bettina Plank markieren die sportlichen Höhepunkte.

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Mit Bronze in Tokio gewann Bettina Plank nicht nur Österreichs erste olympische Karatemedaille, sondern war auch Vorarlbergs erste weibliche Medaillengewinnerin bei Sommerspielen. GEPA

Als 1975 von Otto Holl in Rankweil der erste Karateverein Vorarlbergs gegründet wurde, war Karate hierzulande noch weitgehend unbekannt. Heute erfreut sich die Sportart großer Beliebtheit. Mit rund 2000 Karatekas im Alter von fünf bis 85 Jahren und 21 Vereinen ist Karate Vorarlberg einer der größten Fachverbände in Österreich. Dies verdeutlicht eindrucksvoll den Stellenwert und wie breit Karate mittlerweile im Land verankert ist.

Daniel Devigili, Walter Braitsch und Gerhard Grafoner (v. l.): Drei Persönlichkeiten, die den Karatesport in Vorarlberg prägten und noch immer prägen.

Bereits in den 1980er-Jahren machten Athleten wie Helmut Jarosch, Michael Degen, Walter Braitsch, Konstantin Jordanidis und Elisabeth Gnaiger bei internationalen Wettkämpfen auf sich aufmerksam. Einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Entwicklung leistete der 2017 verstorbene Harald Ellensohn, der 1984 den KC Götzis gründete. Aus einer kleinen Trainingsgruppe entstand eine der bedeutendsten Talentschmieden im österreichischen Karate.

Vom ersten "Hajime" zum Olympiapodest
Der KC Götzis in den späten 1980ern: Erhard Ziegler, Harald Ellensohn, Andreas Kleinekathöfer, Werner Jäger, Michael Gantner (hinten v. l.), Daniel Devigili, Wolfgang Oberhauser und Dragan Leiler (vorne v. l.).

WM-Gold als erster großer Höhepunkt

Den internationalen Durchbruch schaffte 1994 Daniel Devigili aus Fraxern. Bei der Weltmeisterschaft im malaysischen Kota Kinabalu gewann er Gold im Kumite bis 75 Kilogramm und wurde damit zum ersten österreichischen Weltmeister im Karate. Acht Jahre später holte er in Madrid WM-Silber in der Openklasse. Für den KC Götzis wurde der WM-Titel zum Symbol einer goldenen Generation. Seine Karriere beendete Devigili mit einem Sieg bei den US Open 2004 in Las Vegas.

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Auch Andreas Kleinekathöfer, Erich Knappitsch, Dragan Leiler und Gerhard Grafoner, heute Sportdirektor, prägten die sportliche Entwicklung. Mit gezielter Nachwuchsförderung, professionellen Trainingsstrukturen und der Zusammenarbeit mit dem Olympiazentrum Vorarlberg wurde der Spitzensport zunehmend systematisch aufgebaut.

Bettina Plank schreibt Olympiageschichte

Den bislang größten Erfolg feierte Bettina Plank am 5. August 2021: Die damals 29-jährige Feldkircherin gewann bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio Bronze im Kumite bis 55 Kilogramm. Nach ihrer Halbfinalniederlage gegen die spätere Olympiasiegerin Iwet Goranowa aus Bulgarien stand die historische Medaille fest.

Plank war die einzige österreichische Karateka, die sich für Tokio qualifizieren konnte. Zuvor hatte sie zahlreiche internationale Erfolge gefeiert, darunter acht WM- und EM-Medaillen sowie zwei Goldene bei den European Games. Mit Bronze in Tokio gewann sie nicht nur Österreichs erste olympische Karatemedaille, sondern machte auch Vorarlbergs erste weibliche Medaillengewinnerin bei Sommerspielen aus ihr.

Nachwuchs und Perspektiven

Fünf Jahrzehnte nach der Vereinsgründung in Rankweil richtet sich der Blick auf die nächste Generation. Unter dem Motto “Auf starkem Fundament. Mutig in die Zukunft” finden am 10. und 11. Oktober die Karate-Austria-Tage in Lauterach statt. Mehr als 150 Karateka aus allen Bundesländern werden erwartet, um gemeinsam mit internationalen Spitzentrainern zu trainieren.

Vom ersten "Hajime" zum Olympiapodest
Die ersten Vorarlberger im Nationalteam in den 1990er-Jahren: Walter Braitsch, Michael Degen, Kurt Birnbaumer, Karlheinz Kobald (hinten v. l.), Alexander Plakolm, Mario Wüschner, Konstantin Jordanidis und Horst Falger (vorne v. l.).

Die 50-jährige Geschichte ist jedoch weit mehr als eine Bilanz sportlicher Erfolge. Sie ist geprägt vom Engagement zahlreicher Trainer, Funktionäre und Vereine, die den Sport über Jahrzehnte aufgebaut, Kinder und Jugendliche gefördert und Talente bis an die internationale Spitze begleitet haben. Ihr Einsatz hat wesentlich dazu beigetragen, dass Karate heute fest in der Vorarlberger Sportlandschaft verankert ist.

Vom ersten "Hajime" zum Olympiapodest
Das ÖKB-Nationalteam Ende der 80er-Jahre mit Bundestrainer Helmut Jarosch (stehend rechts) und dem langjährigen Landesverbandspräsidenten Helmut Seewald (stehend links).

Eine langfristige Perspektive bietet die Nachwuchs-EM 2030 in Basel. Sie soll den hoffnungsvollen Ländle-Talenten ein konkretes sportliches Ziel geben und die Nachwuchsarbeit weiter stärken.

Von den ersten Trainingsstunden in Rankweil hat sich Karate in den letzten 50 Jahren zu einer festen Größe im Vorarlberger Sport entwickelt.