Alge nimmt Austria in die Pflicht: “Jeder muss um sein Leben rennen”

Vier Niederlagen in Folge, 29 Gegentore und nur acht Punkte aus elf Spielen: Sportdirektor Dieter Alge ordnet die Zahlen ein.
Lustenau Acht Punkte nach elf Runden sind der zweitschlechteste Wert eines Aufsteigers seit der Ligareform. Nur der GAK blieb 2024/25 mit fünf Zählern noch weiter zurück. Alge beschönigt die Bilanz nicht, verweist aber auf die jüngsten Gegner. “Das ist natürlich alles andere als gut. Aber wir müssen schon am Boden der Tatsachen bleiben und schauen, gegen wen wir gespielt haben.” LASK, Rapid und Salzburg hätten die Qualität, Fehler konsequent auszunutzen. Auch deren wirtschaftliche Möglichkeiten seien eine andere Größenordnung. “Da genügt ein Blick auf den Marktwert der Teams, gegen die wir zuletzt gespielt haben. Wir sind mit Abstand das Team der Liga mit dem geringsten Marktwert.”

Gleichzeitig räumt Alge ein: “Klar ist, dass wir uns derzeit sehr schwertun, wir schaffen es nicht, unsere Prinzipien am Platz umzusetzen.” Der Aufsteiger befinde sich in einem Lernprozess, hat phasenweise auch schon mit guten Leistungen aufgezeigt, müsse sich aber in vielen Bereichen verbessern.
Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf in der Defensive. Lustenau kassierte als erstes Team der Bundesligahistorie in vier Spielen hintereinander mehr als drei Gegentore – insgesamt 18. Mit 29 Gegentreffern stellt die Austria zudem die schwächste Abwehr der Liga.
Im Sommer holte der Klub Georg Margreitter als Individualtrainer für die Defensive. Alge sieht die Verantwortung dennoch bei der gesamten Mannschaft: “Das hat nichts mit Georg per se zu tun. Denn in unserem Spiel ist nicht nur die Abwehr gefragt, da gehören alle im Team dazu.” Die Defensive beginne ganz vorne. Entscheidend seien klarere Abläufe und ein besserer Umgang mit Rückschlägen. “Dazu gehört auch, dass wir nach Gegentreffern nicht sofort den Glauben an uns verlieren.”

Gegen Salzburg ließ Lustenau 35 Schüsse zu, zehn davon gingen auf das Tor. Alge erkennt darin die Folge mangelnder Abstimmung: “Wir waren ja in diesen Spielen immer einen Schritt zu spät, kamen ja gar nicht in die Zweikämpfe.” Die Spieler müssten lernen, gemeinsam anzulaufen und zu attackieren. Diesen Lernprozess gestehe er ihnen zu. Als positives Signal nennt Alge die Offensive: “Wenn wir schon über Statistik sprechen, muss auch gesagt werden, dass wir auch schon selbst 13 Tore erzielt haben.”

Auch nach der Pause lässt Lustenau zu viel zu: 18 Gegentore fielen in der zweiten Hälfte, sieben davon in der Schlussviertelstunde. Alge führt das nicht auf die Physis zurück. Es gehe um Aggressivität von Beginn an – die nicht immer vorhanden ist. Zudem ließ die Austria in sechs Partien nach einer Führung bereits zehn Punkte liegen. “Ich sehe die sechs Führungen sogar als positiv an. Aber natürlich ist es ärgerlich, wenn man da diese Punkte liegen lässt.” Der Aufsteiger müsse sich der höheren Qualität bewusst sein. “Fakt ist: Jeder Spieler bei uns muss sich im Klaren sein, dass er in jedem Match um sein Leben rennen muss, um an Punkte zu kommen.”
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Vor dem Duell mit dem GAK setzt Lustenau auf den Heimvorteil: In der Sun Minimeal Arena stehen zwei Siege, ein Remis und zwei Niederlagen zu Buche. “Wir tun uns zu Hause leichter, klar. Weil wir die großartige Unterstützung der Fans spüren”, sagt Alge. Mit jeder weiteren Niederlage steige aber auch der Druck daheim – und wirke sich auf die Köpfe der Spieler aus.