VN-Testbericht: So fährt sich eine elektronische Vespa

Mobilität / 06.09.2019 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Da die Akkus sich nicht entnehmen lassen, muss die Vespa zur Ladestation gefahren werden. VN/Schutti
Da die Akkus sich nicht entnehmen lassen, muss die Vespa zur Ladestation gefahren werden. VN/Schutti

Die Rollerlegende erstmals unter Strom.

Piaggio hat die Vespa elektrifiziert, das Knattern hat ein Ende. Zumindest bei der Elettrica. Der Roller ist in zwei Varianten, als L1e (mit Führerschein B) und als L3e (mit A-Schein bzw. B-Schein mit Code 111 Erweiterung) erhältlich.

Optisch orientiert sich die Elettrica an ihrer motorisierten Schwester, der Primavera. Fast nichts hat sich am Design getan, außer ein paar Streifen, deren Farbe sich der Kunde bei der Bestellung aussuchen darf. In der Grundfarbe bleibt die Vespa immer silbern. Den klassischen Tacho gibt es nicht mehr, sondern das Display. Übersichtlich gestaltet, zeigt es die gefahrenen Kilometer, die Temperatur, das Einstellungsmenü und die Geschwindigkeit an. Mittels Bluetooth kann das eigene Smartphone mit dem Roller verbunden werden. Eingehende Anrufe werden dann auf dem Display angezeigt. Dinge wie das Einstellen von Fahrzielen mit dem Smartphone und die anschließende Navigationsanzeige funktionieren nicht.

Insgesamt gibt es drei Fahrmodi: Power, Eco und Reverse. Normalerweise wird man den Power-Modus wählen, denn bei Eco wird die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h gedrosselt. Obwohl Power nach Kraft klingt, ist man damit relativ gemütlich unterwegs. Der Rückwärtsgang ist vor allem dann hilfreich, wenn man etwas abschüssig geparkt hat.

Vier Stunden Aufladezeit

Aufgeladen wird die E-Vespa an einer normalen Schuko-Steckdose. Unter dem Sitz findet man eine Kappe zum Abschrauben, unter der sich ein zwei Meter langes Spiralkabel samt Stecker befindet. Der Akkuladestand wird sowohl in Prozent als auch in Restreichweite angezeigt. Darüber hinaus erhält man eine Prognose in Minuten, wie lange man wartet, bis vollständig aufgeladen ist. Für 80 Prozent Kapazität benötigt die Elettrica 2,5 Stunden, für eine volle Ladung vier Stunden. Da die Akkus fix montiert sind, empfiehlt sich im täglichen Gebrauch das Vorhandensein einer Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz.

Bei 53 km/h ist Schluss

Der Motor ist sehr sauber abgestimmt und hat ein gutes Ansprechverhalten. Beim Aufdrehen des Gasgriffs nimmt der E-Motor behutsam die Fahrt auf. Vor allem im Stop-and-Go-Betrieb in der Stadt ist das ein Segen. Wird der Griff voll aufgedreht, zieht die Vespa Elettrica erstaunlich gut davon. Das liegt an dem Drehmoment von 200 Newtonmeter. Auf der Geraden ist bei 53 km/h Schluss, im Stadtverkehr durchaus ausreichend, in ländlichen Gegenden zu wenig. Die Energierückgewinnung beim Loslassen des Gasgriffs verläuft sanft, aber nicht ruckartig. Das charmante Knattern hat die Elettrica abgelegt. Lediglich ein leises Säuseln verrät, dass sich der Roller in Bewegung setzt.

Die Federung ist trotz der geringen Radgrößen angenehm. Das für einen Roller höhere Gewicht macht sich nicht nachteilig bemerkbar, zumal die tief angebrachten Akkus für einen niedrigen Schwerpunkt sorgen. Die Bremsen verzögern die 130 kg schwere Vespa problemlos und auch das Handling gestaltet sich durchaus spielerisch.

Die Vespa Elettrica ist vor allem für Städtefahrten geeignet, sie lässt sich einfach und präzise steuern, zählt allerdings nicht zu den sprintstärksten im Rollersegment.