Leserbrief: Österreichs Neutralität strategisch weiterentwickeln

Österreich steht in einer multipolaren Welt vor der Herausforderung, seine immerwährende Neutralität bedarfsorientiert neu und auf Basis des Völkerrechts, der UN-Charta und der darin enthaltenen Friedensintention als “aktive Strategie” zu definieren. Statt Passivität muss “Neutralität 2.0” militärische Bündnisfreiheit mit viel mehr Engagement in Diplomatie, Mediation, Abrüstung, vernünftiger Umwelt-, Energie- und Technologiepolitik verbinden. Eine offene Debatte über die diversen geplanten “EU-Verteidigungsprojekte” und Sanktionen (Auswirkungen auf unsere eigene Volkswirtschaft) ist dringend nötig. Österreich sollte in Europa Koalitionen für strategische Autonomie schmieden, unabhängig von den USA oder anderen autoritären Mächten. Wien kann als Diplomatie-Zentrum (UNO, OSZE) zwischen Europa, globalem Süden und Regionalmächten glänzen, mit Initiativen zu Rohstoffen (Energie, Industrie) und digitaler Regulierung. Gegen Spionage, Cyberangriffe und Desinformation braucht es robuste Strategien sowie Korruptionsbekämpfung (innere Resilienz). Nur so wird Souveränität glaubwürdig. Eine engagierte und verfassungskonform wehrhafte Neutralität sichert Österreichs Zukunft.
Dr. Josef Richard Skumautz, Villach