Leserbrief: Neutralität

“Neutralität bietet keinen Schutz vor Aggression. Deshalb müssen wir aufrüsten, die Wehrpflicht stärken und uns einem Verteidigungsbündnis Gleichgesinnter anschließen, um unsere Freiheit zu sichern.” So oder ähnlich lautet der Tenor jener, die sich um unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden Sorgen machen. Doch lohnt ein Blick in die Geschichte. Haben nicht schon frühere Generationen “für Gott und Vaterland” gekämpft? Hat sich Österreich nicht bereits einmal einem mächtigen Bündnispartner angeschlossen? Und was war das Ergebnis? Fünf Jahre Krieg, Millionen Tote, Vertriebene, Verstümmelte und Traumatisierte. Danach Jahrzehnte der Besatzung, des Wiederaufbaus unter größten Entbehrungen und der Verlust der staatlichen Souveränität. Wäre es vor diesem Hintergrund nicht klüger, jedem potenziellen Aggressor mit Diplomatie und wirtschaftlicher Kooperation respektvoll zu begegnen, anstatt nach Aufrüstung und Kriegsverlusten dessen Forderungen letztlich doch noch bedienen zu müssen? – Allerdings um den Preis des Verlusts der besten Jahrgänge sowie zerstörter Wirtschaft, Natur und Kultur. Für die Normalbürger auf beiden Seiten macht es kaum einen Unterschied, welchen Herrschern sie Tribut leisten müssen. Entscheidend ist, dass sie keine Verluste an Menschen, Lebensgrundlagen und Zukunftschancen erleiden.
Dipl. -Ing. Alfred Lexer, Hard