Gutes Konzept, falscher Standort: Dieses Lokal in Feldkirch schließt

Die Burger und der Service waren nicht das Problem, trotzdem – um 12 Uhr bleibt das Lokal leer. Pächter Wolfgang Gosch kennt den Grund.
Darum geht’s:
- Restaurant “Hunger & Durst” in Feldkirch schließt zum Monatsende.
- Mangelnde Mittagskundschaft aufgrund Homeoffice und Standort.
- Einigung mit Vermietern, finanzieller Ausstieg tragbar.
Feldkirch Kurz vor zwölf Uhr steht der Pächter Wolfgang Gosch im Restaurant “Hunger & Durst” in Feldkirch und blickt in den Gastraum. Die Küche ist bereit, das Mittagsmenü angerichtet. Suppe, Hauptspeise, Salat, Dessert – alles in wenigen Minuten servierbar. Doch die Stühle bleiben leer.
“Das ist der Moment, wo du merkst, ob es trägt”, sagt Gosch. Für ihn war dieser Moment vor rund zwei Monaten erreicht. Nicht abends, nicht am Wochenende – sondern genau hier, zur Mittagszeit. Und weil genau dieses Geschäft ausblieb, ist Ende des Monats Schluss.

Mini-Burger, Salate, ein schnelles und preislich moderates Mittagsmenü: Als Wolfgang Gosch das Lokal im Mai 2025 eröffnete, klang alles vernünftig. Ein schnelles und preislich moderates Mittagsangebot. Mini-Burger, Salate, klare Abläufe. Rundherum arbeiten etwa 300 Menschen – Arbeiterkammer, Straßenbauamt, Bärenhaus. “Eigentlich müssten sie ja kommen”, sagt Gosch.

Homeoffice, Teilzeit, Jause von daheim
Doch sie kamen nicht. Das sieht er jeden Tag schwarz auf weiß in den Digibon-Abrechnungen. Das System ermöglicht vergünstigtes Mittagessen für Beschäftigte. “Und dort sieht man genau, wie viele wirklich da sind. Es sind zu wenige.” Die Gründe kennt Gosch gut. Homeoffice, Teilzeit, Jause von daheim. Viele gehen mittags gar nicht mehr essen. Andere rechnen genau. “Wenn mein Menü mit Getränk bei knapp 15 Euro Aufschlag zum Digibon liegt und man anderswo fast nichts dazuzahlt, ist das eine klare Entscheidung.” Dabei habe gerade das Mittagsangebot gut funktioniert – zumindest bei jenen, die kamen. “Das Essen war in spätestens fünf Minuten am Tisch”, erzählt Gosch.
Der Standort ist sehr versteckt
Am Abend sei der Umsatz zwar höher gewesen, wirtschaftlich entscheidend sei aber das Mittagsgeschäft. “Mittags machst du in kurzer Zeit viel Umsatz – genau das ist weggefallen.” Personalkosten seien zwar hoch, aber einkalkuliert gewesen. “Das war nicht die Überraschung. Das größte Thema war ganz klar der Standort.”

Das Restaurant liegt abseits, ohne sichtbare Laufkundschaft. “Wenn man am Garnmarkt oder direkt in der Stadt ist, kommt halt immer jemand vorbei”, sagt Gosch. “Hier muss man das Lokal wirklich suchen.”
Früh die Reißleine gezogen
Mit dem Wissen von heute würde er die Entscheidung nicht noch einmal treffen. “Sonst würde ich jetzt nicht aufhören”, sagt Gosch offen. Wichtig war ihm, rechtzeitig zu reagieren. “Ich wollte nicht noch ein Jahr oder länger Geld hineinstecken und dann vielleicht in einen Konkurs laufen.” Finanziell sei der Ausstieg tragbar, wenn auch schmerzhaft. “Ich gehe nicht mit Plus raus, aber es bringt mich auch nicht um.”

Die Beendigung erfolgte einvernehmlich, auch mit den Vermietern. “Da waren alle sehr kulant und unterstützend.” Auch das Personalthema habe ihn beschäftigt, sei aber nicht ausschlaggebend gewesen. “Wir haben gute Leute gehabt, aber viele sind saisonal weitergezogen. Und ja, der Arbeitsmarkt ist gerade extrem ein Arbeitnehmermarkt.” Das Personal kann arbeiten, wo es will. Heute hier, morgen dort. Dennoch: “Das war nicht der Grund, warum es nicht funktioniert hat.”
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein gutes Konzept allein nicht reicht. “Die Rückmeldungen zum Essen, zu den Mini-Burgern, zum ganzen Stil waren sehr positiv”, sagt Gosch. “Aber ohne Laufkundschaft und ohne funktionierendes Mittagsgeschäft bringt das alles nichts.”
Die Arbeiterkammer bedankt sich öffentlich beim Pächter für die gute Zusammenarbeit und hat bereits die Suche nach einem Nachfolger eingeleitet. Es sei Ziel, den Geist des Hauses für Austausch, Bildung, Genuss und Geselligkeit nahtlos weiterzuführen, so AK Direktor Andreas Lampert.