Leserbrief: Schlawinertum statt Fakten

Es ist (vordergründig) überzeugend, was Sie schreiben, Herr Reiner. Wir haben aber ein kleines Problem. Österreich musste z. B. von Oktober 2025 bis Ende Februar 2026 im Durchschnitt 20 % seines Strombedarfes importieren, an manchen Tagen sogar 50 %. Lange Dunkelflauten und wenig Niederschlag – und aus war es mit dem österreichischen “Ökostrom”-Bullerbü. Ohne Importe wären wir in diesem Zeitraum von einem Blackout ins andere gestolpert. Gott sei Dank gab es im Ausland noch genügend Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Wenn nun alle Kraftwerke, die CO2 ausstoßen, auch sehr böse sind – was bleibt dann übrig? Strom nur, wenn die Sonne scheint, der Wind weht und genügend Wasser fließt? Wir Österreicher sind bei diesem Thema die allerbesten Schlawiner, sind gegen (fast) alles und importieren klammheimlich auch Atomstrom. Ein stabiles Stromnetz benötigt zwingend Input und Output jederzeit im Gleichgewicht. Alles andere ist realitätsfernes Wunschdenken. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir in Mitteleuropa wohl mal ein tüchtiges Blackout erleben müssen, um aus unserem Schlawinertraum zu erwachen. Spätestens dann werden wir, wie die pragmatisch-nüchternen Schweizer Nachbarn schon länger, auch akzeptieren: Das “Fünferle” (eine jederzeit sichere Stromversorgung) und das “Weggle” (die Idylle – es war übrigens keine – des vorindustriellen Zeitalters) gleichzeitig gibt es nicht.
Dr. Klaus König, Lauterach