Leserbrief: Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel

Leserbriefe / 25.03.2026 • 15:19 Uhr
Leserbrief: Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel

Mit Kosten von 400 Millionen Euro handelt es sich bei der geplanten Senkung der Umsatzsteuer auf 5 Prozent für ausgewählte Grundnahrungsmittel um eine kostspielige Initiative, deren nachhaltige Wirkung in der Praxis massiv infrage zu stellen ist. A) Ineffizienz des Gießkannenprinzips: Geht man davon aus, dass etwa 10 Prozent der Bevölkerung als sozial bedürftig gilt, entfielen lediglich 40 Millionen Euro der Maßnahme auf diese Zielgruppe. Die restlichen 360 Millionen Euro werden nach dem Gießkannenprinzip an Haushalte verteilt, die diese Entlastung nicht wirkungsvoll spüren werden. Es stellt sich die Frage, warum die 40 Millionen nicht für direkte, zielgruppenorientierte Transfers genutzt werden und das Budget dabei gleichzeitig um 360 Millionen entlastet würde. B) Dynamik der Preisgestaltung: Die Preise – am Beispiel der Butter (250 g) – unterliegen einer strategischen Positionierung zwischen 1,59 Euro und 2,99 Euro und einer dynamischen Kostenstruktur. Budget-Butter 1,59 Euro (danach 1,52 Euro), Teebutter 2,49 Euro (danach 2,38 Euro) und Bio-Butter 2,99 Euro (danach 2,85 Euro). Infolge werden jedoch Faktoren wie Personalkosten, Transportkosten, Rohmaterial- und Verpackungspreise variieren. Unternehmen platzieren ihre Endpreise im Rahmen der psychologischen Markenführung strategisch und diese Steuerersparnis wird innerhalb kürzester Zeit durch allgemeine Kostensteigerungen und betriebswirtschaftliche Preisanpassungen neutralisiert. Welch teure und absolut nicht nachhaltige Inflationsbeschönigung.

Armin Degasperi, Hard