Leserbrief: Sind Lebensschützer gefährlich?

Die Diskussion um Abtreibung geht weiter. Sie konzentriert sich derzeit auf “Schutz von Gesundheitseinrichtungen”. Schutz braucht es, wo Menschenleben gefährdet ist. Sind Lebensschützer gefährlich? In Österreich gibt es viele Lebensschützer. Ein ganz kleiner Teil von ihnen versammelt sich vor wenigen Gesundheitseinrichtungen. Was tun sie? Sie beten, z. B. den Rosenkranz. Öffentliches Gebet ist in Österreich legal. Deshalb darf man in Österreich Prozessionen abhalten. Hoffentlich noch lange. Sie bezeugen eine Wahrheit: die Wahrheit, dass das Menschsein mit der Empfängnis beginnt. Das ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache. Sie treten gegen niemanden auf, sie bedrohen niemanden. Sie wollen helfen. Warum dann dieser Widerstand gegen sie? Ich gebe zu: Wahrheit kann lästig sein. Wahrheit kann wehtun, Wahrheit begrenzt manchmal eine falsch verstandene menschliche Autonomie. Wahrheit spricht das Gewissen an; manche nennen es Bauchgefühl. Von diesem “Schmerz” der Wahrheit will man sich schützen. Deshalb müssen diese friedlichen Zeugen weg. Irgendwie erinnern sie an Jesus. Viele haben ihn heiß geliebt. Er war die Liebe. Andere haben ihn gehasst. Er war die Wahrheit. Er musste sterben (Karfreitag), aber er, die Wahrheit, hat gesiegt (Ostern). Was auch immer unsere Volksvertreter beschließen werden: Die Wahrheit können sie nicht abschaffen, auch nicht mit demokratischer Mehrheit.
Dr. Peter Willi, Pfarrer, Feldkirch