Prof. Mag. Dr. Otmar Gassner: Ein Wissensvermittler mit Leidenschaft, Humor und Charisma

17.04.2026 • 11:24 Uhr
Am 2. März verstarb Otmar Gassner, der unter anderem Professor für Englisch an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg war.
Am 2. März verstarb Otmar Gassner, der unter anderem Professor für Englisch an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg war.privat

Otmar Gassners umfangreiches Wissen öffnete ihm viele Türen, wie sein bewegtes Leben zeigte.

Von Melanie Knünz

Feldkirch Als Einzelkind am 4. Februar 1950 in eine arme Familie in der Nachkriegszeit geboren – kein einfacher Start für Otmar Gassner. Auch seine Eltern hatten es nicht leicht: sein Vater war traumatisiert vom Zweiten Weltkrieg, wo er das KZ Dachau nur aufgrund des Kriegsendes überlebte.

Mit Entbehrungen aufgewachsen, verdankte es Otmar Gassner seinem Onkel, aufs Gymnasium in Feldkirch gehen und dort maturieren zu können. Otmars großer Wunsch war es nämlich, Englisch zu studieren. So zog er nach der Matura 1969 zu seiner Tante Liesl nach Chicago, um dort ein Jahr in einer Stickerei hart zu arbeiten.

Für Otmar Gassner war das Lehrersein immer Berufung statt nur ein Beruf.
Für Otmar Gassner war das Lehrersein immer Berufung statt nur ein Beruf.

Wissen aneignen

Nach seiner Rückkehr aus Amerika 1970 traf Otmar der Tod seines Vaters schwer. Um auf andere Gedanken zu kommen, begann er in Wien zuerst das Studium der Psychologie und Philosophie, dann der Anglistik und Germanistik. „Wissen ist für mich ‚Macht‘, im Sinne von machen können“, so sein Fazit. Studieren machte ihm viel Freude – seine guten Leistungen stärkten sein Selbstbewusstsein. Ab dem fünften Semester leitete er das Sprachlabor der Anglistik, danach war er wissenschaftliche Hilfskraft in der Germanistik. Nach dem Doktoratsstudium wäre eine Assistentenstelle für ihn reserviert gewesen – doch es kam anders.

Wissen anwenden

Nach einem zweimonatigen Forschungsstipendium an der British Library in London erhielt er ein Auslandsstipendium am New College der Universität Oxford, womit sich für den sparsamen Vorarlberger ein großer Wunsch erfüllte. Ein Angebot für ein weiteres Stipendium an der Stanford University in Kalifornien musste er allerdings absagen. Seine Mutter war so krank, dass er sich dafür entschied, am Bundesgymnasium Feldkirch in der Rebberggasse als Lehrer zu arbeiten, um bei seiner Mutter zu sein.

1980 zog Otmar mit seiner Mutter in sein in Eigenregie gebautes Haus in Tisis. Seine Mutter verstarb 1999 im Seniorenheim in Götzis. 1983 heiratete er Heidi, Assistenzärztin in der Valduna, 1983 kam Patricia auf die Welt, 1989 Alexander.

Das Lehrersein war Otmar Gassners Berufung, Freude und Leidenschaft. 1995 wechselte er an die Pädagogische Akademie, wo er 1999 Abteilungsleiter wurde, aber später dieses Amt niederlegte, um bis zu seiner Pensionierung an der Pädagogischen Hochschule Professor für Englisch zu sein und Lehrer auszubilden.

Otmar Gassner war ein durch und durch wissbegieriger und humorvoller Mensch.
Otmar Gassner war ein durch und durch wissbegieriger und humorvoller Mensch.

Wissend werden

2000 wurde er als österreichischer Vertreter der Bildungsministerin Gehrer in ein europäisches Netzwerk für Lehrerbildung entsandt. Von 2004 bis 2007 leitete und koordinierte er dieses Netzwerk von 25 europäischen Staaten. Bei seinen vielen Auslandsaufenthalten als Gastdozent schloss er viele lebensbegleitende und wertvolle Freundschaften.

Otmar und Heidi waren ein Paar, das immer neugierig und wissbegierig war und die ganze Welt bereiste, denn es bedeutete: „Die Grenzen überschreiten, auch die eigenen.“ 2024 wurden ihre Reisepläne jedoch jäh durchkreuzt: Otmar erhielt die Diagnose Lungenkrebs mit Metastasen. Otmar Gassner nahm auch diese Herausforderung zuversichtlich und optimistisch an und verlor seinen trockenen Humor nicht, bis er am 2. März 2026 auf seine letzte Reise ging.

Begleitet durch: Bestattung Gohm

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