Warum die Obstbauern dieser Tage ins Schwitzen kommen

27.04.2026 • 13:43 Uhr
Warum die Obstbauern dieser Tage ins Schwitzen kommen
VN/Roland PaulitschAuf den Obstanlagen von Jens Blum in Höchst steht alles in voller Blüte. Davon konnte sich auch Pia aus Lustenau überzeugen.

Alles in Blüte, doch nicht alles in Butter. Das Wetter entscheidet diese Woche über den Ernteerfolg.

Höchst, Schlins Die Angst der Vorarlberger Obstbauern trägt dieser Tage einen Namen: Feuerbrand. Wie jedes Jahr zur Blütezeit droht auch heuer die Gefahr einer Infektion durch das Bakterium Erwinia amylovora, welches Blüten zum Absterben bringt und statt schmackhafter Äpfel und Birnen nur ein braun-welkes Pflanzenknäuel produziert.

Warum die Obstbauern dieser Tage ins Schwitzen kommen
VN/SteurerUlrich Höfert, Obstbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, glaubt nicht an einen Vernichtungsfeldzug des Feuerbrands.

Alles blüht

“Im Moment blüht fast alles”, stellt Ulrich Höfert (64), Obstbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, fest. Und impliziert dabei, dass gerade jetzt die größte Gefahr für viele Obstbaukulturen im Land besteht. Zu warm, zu feucht und das über einige Tage – das ist die Formel für den Feuerbrand. Doch Höfert sieht die perfekten Infektionsbedingungen nicht gegeben. “Wir hatten am 24. und 25. April im Bodenseegebiet Temperaturen über 23 Grad. Die Situation hat sich jedoch wieder verbessert. Es ist jetzt doch nicht so warm und Feuchtigkeit herrscht keine vor”, ergänzt Höfert. Soll heißen: Die Chancen stehen gut, dass Vorarlberg vom Feuerbrand weitestgehend verschont bleibt. “Zumal viele Birnenblüten bereits abgeblüht sind.”

Warum die Obstbauern dieser Tage ins Schwitzen kommen
Das sind die Folgen einer Infektion durch den Feuerbrand. Äste und ganze Bäume müssen vernichtet werden. VN

Guter Wind und gute Wolken

“Eine Infektion jetzt wäre eine Katastrophe”, meint Jens Blum (60), der größte hauptberufliche Obstbauer im Land. “Bei mir steht alles in voller Blüte. Birnen wie Äpfel.” Dennoch gibt sich der erfahrene Landwirt zuversichtlich. “Wir müssen noch diese Woche halbwegs schadlos überstehen. Dann wären wir so gut wie gerettet.” Optimistisch stimmt Blum der Blick auf die Wetterkarte. “Es ist nicht so warm. Die Höchsttemperaturen bewegen sich zwar an der Grenze zur Infektionsgefahr. Aber es ist in den Nächten kalt. Und das hilft uns sehr. Die Durchschnittstemperatur über 24 Stunden erreicht nicht die zur Infektion führende Marke von 16,8 Grad.”

Warum die Obstbauern dieser Tage ins Schwitzen kommen
Matthias RauchJens Blum lässt sich selten aus der Ruhe bringen. Er ist zuversichtlich, dass der Feuerbrand seine Anlagen verschont.

Laut Blums Erfahrung entscheidet für perfekte Infektionsbedingungen zu 60 Prozent die Tageshöchsttemperatur, zu 40 Prozent die Feuchtigkeit und die Durchschnittstemperatur. “Für Dienstag ist Bewölkung angesagt, für Mittwoch und Donnerstag ein kühler Nordost-Wind. Kommt’s so, ist es gut. Es darf jetzt nur keinen Föhn geben.”

Williams-Birnen gerettet

Etwas skeptischer beurteilt Obstbauer Simon Matt (34) aus Schlins die Lage. “Momentan nehme ich perfekte Infektionsbedingungen wahr”, sagt Matt. “Da könnte was passieren.” Doch auch dem jungen Landwirt aus dem Oberland machen die kalten Nächte etwas Hoffnung. “Die helfen, ja. Aber ich traue mich jetzt nicht vorauszusagen, dass wir auf der sicheren Seite sind.” Am Hof der Matts, die auch Milchwirtschaft betreiben und daher zwei Standbeine haben, wird auf einer Fläche von 0,7 Hektar Obstbau betrieben, hauptsächlich Äpfel, aber auch Zwetschken und Birnen. Immerhin weiß Matt seine Williams-Birnen bereits gerettet. “Bei denen ist die Blüte schon vorbei.”