Leserbrief: Replik auf “Doppeltes Budget, halbe Wahrheit”

Zum Kommentar von Christian Rainer, VN vom 2. Mai:
Sehr geehrter Herr Rainer, ich kann Ihre Aussagen bezüglich meiner Generation so nicht stehenlassen, deshalb die Fakten: Arbeitszeiten früher: 48, 44, 42, 40 Stunden, ursprünglich zwei Wochen Urlaub, heute fünf oder sechs Wochen. Kein bezahlter Pflegeurlaub, dafür regulärer Urlaubsverbrauch! Keine bezahlte Ferienbetreuung – dafür unbezahlter Urlaub! Selbstfinanzierung bei Pflegefall öS 40.000 pro Monat, nach Aufbrauch der Ersparnisse ca. 30 Prozent des Monatseinkommens der Kinder. Karenzzeit/Kinderbetreuungsgeld: ein Jahr, Voraussetzung: ein bestehendes Arbeitsverhältnis – heute zweieinhalb Jahre ohne! Familienbeihilfe: nie valorisiert! Kreditraten: 9 Prozent, billigster Bausparkredit 6 Prozent! Heute ca. 1–2 Prozent! Urlaub – ein Fremdwort für viele Jahre! Sparen war die Devise! All diese Bedingungen sind der heutigen Generation mit “work-life-balance” selbstverständlich nicht zumutbar! Weitere Tatsachen: ASVG-Pensionistinnen und -Pensionisten finanzieren ihre Pension zu ca. 73 Prozent, Gewerbetreibende zu ca. 45 Prozent und Bäuerinnen und Bauern gar nur zu 20 Prozent! Pensionistinnen und Pensionisten zahlen selbst für die geringste Pension 6 Prozent Krankenkassenbeitrag. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen ganze 3,87 Prozent bis zum Bruttobezug von 6.930 Euro, darüber hinaus keinen Cent! Schon 2025 wurden die Pensionen z. T. zweifach gekürzt durch die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge von 5,1 Prozent auf 6 Prozent und den z. T. nicht vollen Inflationsausgleich! Ja, Herr Rainer, ich erwarte die volle Inflationsabgeltung für meine Pension, denn eine Erhöhung – dies wäre ja mehr als die Inflation – habe ich noch nie erhalten!
Mag. Anna M. Schweigkofler, Feldkirch