Neustart für Integra und Aqua Mühle

13.05.2026 • 14:40 Uhr
Neustart für Integra und Aqua Mühle
Max Krieger-Alfons (l.) und Patrick Breuss: “Gemeinsam sind wir stärker.” VN/Steurer

Kooperation mit spezialisierten Aufgabenbereichen soll fit für die Zukunft machen.

Wolfurt, Frastanz In Raten sterben oder gestalten? Diese existenzielle Frage trieb sowohl die Integra in Wolfurt als auch die Aqua Mühle in Frastanz um. Die Sozialunternehmen entschieden sich schließlich fürs Gestalten und den gemeinsamen Weg in eine gesicherte Zukunft. Anstatt sich mit ähnlichen Angeboten am zweiten Arbeitsmarkt zu konkurrenzieren, werden zwei spezialisierte Bereiche geschaffen. Alles, was mit Arbeit zu tun hat, wandert von der Integra zur Aqua Mühle. Umgekehrt gehen alle Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene von der Aqua Mühle zur Integra. Für diese Entscheidung standen nicht allein rückläufige Fördermittel Pate. “Wir wollen damit unsere Angebote besser auslasten”, begründen Integra-Geschäftsführer Patrick Breuss und Aqua Mühle-Geschäftsführer Max Krieger-Alfons im VN-Gespräch den Schritt, der mit 1. Juli in die Umsetzung geht.

Neustart für Integra und Aqua Mühle
Patrick Breuss übernahm vor drei Jahren das Ruder in der Integra.

Kleinteilige Strukturen

Beide Einrichtungen gibt es schon länger. Aqua Mühle kann 2027 ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern, die Gründung der Integra erfolgte 2004. Hinter dieser Sozialeinrichtung liegen einige stürmische Jahre, in denen sie zuweilen auch knapp am Aus vorbeischrammte. Inzwischen befindet sich die Integra zu 100 Prozent im Eigentum der Arbeiterkammer, was für Ruhe sorgte. Der Prozess zur Neugestaltung startete vor einem Jahr. Patrick Breuss lud Max Krieger-Alfons zwecks strategischen Austauschs zum Kaffee ein. “Die Aqua Mühle war für uns immer ein wichtiger Partner”, betont er. Beide Organisationen plagten zudem die gleichen Probleme. Aufgrund der kleinteiligen Strukturen ließen sich Angebote übers Jahr kaum auslasten und einige noch weniger halten. So musste Integra die Reinigung, den Carwash und die Malerei schließen.

Patrick Breuss hat selbst einige Jahre bei der Aqua Mühle gearbeitet und wusste daher um die vielen Überschneidungen. “Deshalb war es nur logisch, das Beste in zwei großen Strukturen zusammenzuführen”, sagt er. Als “logisch” empfanden dies auch die Mitarbeitenden, die in den Veränderungsprozess einbezogen sind, die Betriebsräte sowie die jeweiligen Eigentümer. Die Fördergeber stünden ebenfalls hinter der Idee. “Alle Beschlüsse erfolgten einstimmig”, merkt Krieger-Alfons bestätigend an. Die klare Aufgabenteilung bringe außerdem eine schlankere Verwaltung und eindeutige Zuständigkeiten.

Neustart für Integra und Aqua Mühle
Max Krieger-Alfons leitet seit 2025 die Geschicke der Aqua Mühle in Frastanz.

Mehrere Standorte

Die Integra wird mit ihren Bildungsangeboten in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz vertreten sein, die Aqua Mühle organisiert für das Arbeitsangebot Standorte in Wolfurt, Frastanz und Bregenz. Für die geplante Wäscherei wird noch ein Ort gesucht. Bestehen bleibt außerdem die Durchlässigkeit der Angebote. Von der Aqua Mühle-Belegschaft wechseln 35 Beschäftigte zur Integra, von der Integra gehen 46 zur Aqua Mühle. Angepasst werden auch die Eigentümerverhältnisse. Die Integra erhält jährlich rund sieben Millionen Euro an Förderungen, etwa fünf Millionen sind selbst erwirtschaftet. In die Kasse der Aqua Mühle fließen pro Jahr gut neun Millionen an öffentlichen Geldern. Der Gesamtumsatz liegt bei 21 Millionen Euro. “Wir haben viele Selbstzahler”, erklärt Max Krieger-Alfons.

Die Geschäftsführer sehen jedenfalls mit Optimismus in die Zukunft. “Unsere größte Stärke liegt in der Bildung. Künftig können wir unsere gesamte Energie darauf konzentrieren, Menschen durch niederschwellige Qualifizierung neue Perspektiven zu eröffnen”, freut sich Patrick Breuss. Für Max Krieger-Alfons ist entscheidend: “Gemeinsam für die Menschen, die es brauchen, etwas bewegen.” Beide sind sich einig: “Wir haben großartige Partner gefunden.”