„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme

VN / 16.04.2026 • 21:00 Uhr
„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme
Maryna Liapina (li.) und Amanda Ruf (Mitte) beim Dreh mit Skispringerin Eva Pinkelnig (re.), die die Geschichte einer Frau mit Migrationshintergrund vorliest.Roland Paulitsch

Frauen mit Migrationserfahrung, die in Vorarlberg leben, gewähren Einblick in ihre wahren Lebenswelten.

Schwarzach „Eine Frau aus dem Kosovo kam nach Österreich, aber ihr Vater erlaubte ihr nicht zu arbeiten“, schildert Amanda Ruf von der Aqua Mühle Vorarlberg. Schlussendlich erhielt sie die Erlaubnis ihres Vaters, in der Küche eines Gasthofes zu arbeiten, weil er glaubte, dass dieser Arbeitsplatz ausreichend abgeschottet sei. Für sie war das der Beginn, besser Deutsch zu lernen und Anschluss zu finden. Eine andere Frau aus Russland erzählt, dass sie den Ukraine-Krieg ablehnt und dafür den Verlust vieler sozialer Kontakte in Kauf nehmen musste.

Diese Geschichten sind Teil des Projekts „frausein.stimme.geben.“, das acht Schicksale von Frauen mit Migrationshintergrund und teilweise auch Fluchterfahrung sichtbar macht. Sie wurden von bekannten Persönlichkeiten aus Vorarlberg unentgeltlich vorgelesen und von Maryna Liapina – die selbst aus der Ukraine geflüchtet ist – als Videoporträts aufgenommen. „Die Geschichten sollen mehr Verständnis und Empathie für Frauen mit Migrationshintergrund schaffen“, erklärt Liapina.

„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme
Laut Amanda Ruf (re.) schaffte es die Filmemacherin Maryna Liapina (li.), die Verletzlichkeit und zugleich die Stärke der Frauengeschichten durch die Videos sichtbar zu machen.Roland Paulitsch

Eine hörbare Stimme geben

Der Fokus des Projekts liegt auf acht Frauen, die aus Ländern wie Syrien, Somalia und der Türkei nach Österreich gekommen sind. Durch ihre Migrationserfahrung stoßen sie auf viele Schwierigkeiten: von patriarchalen Strukturen und verinnerlichten Rollenbildern bis hin zu Gewalt und existenziellen Notlagen. In Workshops schrieben die Frauen ihre Biografie in Form eines Briefes nieder. „Obwohl es anonym veröffentlicht wird, waren manche sehr verängstigt“, verrät Amanda Ruf, Leiterin für Gender und Diversity bei der Aqua Mühle Vorarlberg.

Die Briefe wurden von bekannten Persönlichkeiten aus Vorarlberg wie der Skispringerin Eva Pinkelnig, dem Musiker George Nussbaumer sowie dem Olympiasieger Toni Innauer vorgelesen, und auch die stellvertretende Chefredakteurin Mirijam Haller beteiligte sich an dem Projekt. Durch diesen Ansatz werden die Frauen einerseits geschützt, andererseits erzeugen die bekannten Stimmen mehr Nähe und verschaffen weniger beachteten Personen besser Gehör.

„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme
Bei dem Videoprojekt lesen bekannte Persönlichkeiten aus Vorarlberg wie Eva Pinkelnig anonyme Briefe von Frauen mit Migrations- und Fluchthintergrund vor.Roland Paulitsch
„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme
Die Videoporträts erzählen Lebensgeschichten zwischen Kampf und Verlust, Hoffnung und Angst, sowie dem Streben nach Würde.Roland Paulitsch

Die ukrainische Filmemacherin und Fotografin Maryna Liapina filmte und schnitt die Vorlesungen zu rund vierminütigen Videoporträts. „Ich bin froh, meinen Beruf ausüben zu können“, sagt die 38-Jährige aus Kiew, die seit März 2022 in Klaus wohnt.

„Mein Vater erlaubte mir nicht zu arbeiten“ – Bekannte Vorarlberger geben Frauen eine lautere Stimme
Maryna Liapina (li.) hofft, dass durch das Projekt mehr Nähe und Verständnis für gewisse Schicksale kreiert werden.  Roland Paulitsch

Am 21. April wird es eine geschlossene Filmpremiere geben. Öffentlich zu sehen sind die Videoporträts drei Tage später am 24. April bei der Fachtagung „AQUA Forum“ im Adalbert-Welte-Saal in Frastanz. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich.

Andere Perspektiven miteinbeziehen

„Obwohl ich im sozialen Feld arbeite, realisiere ich oft nicht die Dimension der unterschiedlichen Lebenswelten“, erzählt Amanda Ruf. Denn hinter jeder Person steckt eine Geschichte. Und bei Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung ist diese oft weit von der Realität der Vorarlberger entfernt. Das Projekt möchte diese Schwelle des Unbekannten abbauen.

„frausein.stimme.geben.“ wird von der Sparkasse Feldkirch sowie Ländle TV unterstützt und vom AMS finanziert. „Normalerweise ist es so, dass sich die Menschen dem Arbeitsmarkt anpassen müssen. Doch das AMS Vorarlberg ist hier fortschrittlich und sagt, dass es auch in die andere Richtung gehen kann“, betont die 55-jährige Bregenzerin. Nämlich, dass die Perspektiven der Menschen mit Migrationshintergrund in die Marktgestaltung miteinfließen können, sodass sie ihren Bedürfnissen, Qualifikationen und Kompetenzen gerecht wird. „Diese Offenheit ist nicht selbstverständlich.“