Vorarlberger Volunteer beim ESC: “Die Malediven sind jedes Jahr – das hier ist einmalig”

Hinter den Kulissen des Eurovision Song Contests arbeiten Hunderte Freiwillige am Großevent mit. Einer davon kommt aus Egg – und hat sich wochenlang vorbereitet.
Wenn Anton “Tone” Schneider (74) aus Egg überschlägt, was er während der ESC-Wochen als Volunteer in Wien leisten und ausgeben wird, dann kommt er auf viel Geld. Die Arbeitsstunden, die Vorbereitung, die Laufwege mit zwei operierten Hüften, Hotelübernachtungen und Reisekosten: “Mit dem Geld könnte ich auf die Malediven fliegen. Aber die Malediven sind jedes Jahr da. Das hier ist für mich wahrscheinlich einmalig.”
Der Vorarlberger Pensionist und Musiker – bekannt als “Toneles” bei den schrägen Bregenzerwald-Musikanten der Bahnteifl – ist bereits zum zweiten Mal freiwilliger Helfer beim Eurovision Song Contest in Wien.

Tones Hauptaufgabe ist die Führung von Besuchergruppen. Dass er das gut kann, liegt nicht am Zufall. Vor zehn Jahren, beim letzten Wiener ESC, hat er sich schon wochenlang auf diesen Job vorbereitet: Hallenpläne auswendig gelernt, Kabelstränge studiert, ESC-Fakten verinnerlicht. Auch heuer hat er wieder viele “Hausaufgaben” im Vorfeld gemacht, wie er im Gespräch mit den VN in einem Café neben der Wiener Stadthalle erzählt, aus der man bereits die Proben tönen hört.

Dabei war der Einstieg alles andere als geplant – und kam auch nicht aus glühender ESC-Begeisterung. “Ich hab mich 2015 eigentlich fürs Casting beworben, weil ich einfach nur wissen wollte, wie so ein Casting abläuft”, erzählt der Pensionist mit einem Schmunzeln. Aus den rund 15.000 Bewerberinnen und Bewerbern wurde er dann ausgewählt, um Besuchergruppen durch die Stadthalle zu führen. Denn Tone hat etwas, das nicht viele mitbringen: Er hat die Welt bereist, spricht fließend Englisch – auch das wurde beim Casting geprüft – und macht in seiner Pension regelmäßig Führungen durch das Werk von Leica Geosystems in Heerbrugg, wo er mehr als 40 Jahre lang gearbeitet hat. Der Schritt zur Stadthalle Wien war da gar nicht so groß.
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Die Führungen selbst beginnen in einem kleinen Kinosaal, wo ein Film die Geschichte des Song Contests seit 1956 aufrollt. Dann bringt er die Gruppen ins Pressezentrum mit seinen 550 Steckdosen und tausend Plätzen für Journalistinnen und Journalisten, erklärt den Green Room; zeigt die Schneiderei für zerrissene Bühnenkostüme, den Visagistenraum mit exakt 26 Schminkplätzen und die Relaxzone mit den weißen Polstern, wo die Künstler zwischen den Proben entspannen.

Tone kennt nämlich jede Zahl, weiß über jedes Detail Bescheid und ist fasziniert von der Technik – vor allem von der schieren Menge an Kabeln, die durch die Stadthalle verlegt wurden, und von den mehreren Tausend LED-Lichtern. Requisitenwechsel werden auf 42 Sekunden getaktet, Kameras hängen hoch oben unter dem Hallendach und können bis auf einen Meter über die Bühne abgesenkt werden.
Die Musik des heurigen Contests kann er allerdings nicht ganz so vorbehaltlos feiern wie die Event-Technik. “Mit der Musik, die jetzt ist, kann ich nicht allzu viel anfangen”, gibt er zu.
Am Montag fährt Tone Schneider zurück nach Egg. Seine Volunteer-Uniform, die er liebevoll “Pyjama” nennt, wird er mitnehmen, und auch die Akkreditierungskarte, die er einrahmen und zuhause aufhängen will.