Leserbrief: z’Breagaz am Bahnhof

Was mich wundert: Niemand der Vorarlberger Architekt(inn)en und Baukünstler(innen) hat sich mit dem Bregenzer Bahnhof solidarisiert. Alle ließen ihn im Stich, niemand schaute zu ihm hin, ein verwahrlostes Kind, dem zu lange keine Chance gegeben wurde. Wie vielfältig jedoch wären die Möglichkeiten, die sich bei einer schlauen, einfallsreichen, empathischen Überarbeitung ergeben hätten können. Was hätte eine energisch geführte, säubernde Bürste, ein gut ausgetauschtes Stück edles Holz, eine durch Glas ersetzte Plastikplatte, ein Kübelchen neue, strahlende Farbe aus dem sträflich vernachlässigten Bauwerk machen können! Etwas, das niemand sonst hat, ein Solitär in der Eisenbahnlandschaft! An seiner Stelle wird jetzt wohl etwas Modernes, ein Stück austauschbare, seelenlose Massenware kommen. Da fährt vermutlich die Eisenbahn drüber.
Dieter Reichl, Dornbirn